Rückblick

Rückblick vom 9.-23. Mai 2009

Rückblick auf die wichtigsten Ereignisse der letzten beiden Wochen

Samstag, 09. Mai 2009

Der Hypo-Real-Estate-Aufsichtsrat und frühere Chef der Commerzbank-Tochter Eurohypo, Bernd Knobloch, sieht in Deutschland Bedarf für einen staatlichen Immobilienfinanzierer. „Wenn sich das Geschäft mit Gewerbeimmobilien für die private Wirtschaft nicht rentiert, müssen wir die Vorteile, die der Staat hat, auch bei der Refinanzierung nutzen”, sagte Knobloch der WirtschaftsWoche. Die wichtigsten Adressen vor der Krise – HRE, Eurohypo, HSH Nordbank und WestLB – seien alle „mehr oder weniger ausgefallen”.

Montag, 11. Mai 2009

Wirtschaftsminister zu Guttenberg besuchte die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi Arabien. Die emiratische Regierung signalisierte grundsätzlich Interesse an der deutschen Automobilindustrie, machte aber zugleich deutlich, dass derzeit keine unmittelbaren Investitionen geplant seien. Ein Einstieg bei Opel wurde von den VAE jedoch nicht ausgeschlossen, zunächst müsste aber der Opel-Umbau erfolgreich abgeschlossen sein. Interesse zeigten die VAE auch am Sportwagenbauer Porsche. Am Geld fehlt es den Scheichs wohl nicht: Der VAE- Staatsfonds umfasst nach Angaben aus Abu Dhabi 600 bis 700 Milliarden Euro.

Die Finanzmarkt-Krise drückt bei der Deutschen Börse Umsatz und Gewinn. Die Erlöse sanken im ersten Quartal 2009 um 16 Prozent auf 539,8 Millionen Euro, wie die Betreiber-Gesellschaft des Frankfurter Marktplatzes nach Börsenschluss mitteilte. Der Quartalsüberschuss ging im Jahresvergleich um 32 Prozent auf 205,9 Millionen Euro zurück. Dennoch übertraf die Deutsche Börse damit die Markterwartungen.

Quartalsbericht:
http://deutsche-boerse.com/… (PDF)

Dienstag. 12. Mai 2009

Der Index der Großhandelsverkaufspreise lag nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes im April 2009 um 8,1% unter dem Vorjahresstand. Dies war der stärkste Rückgang gegenüber dem Vorjahr seit Januar 1987 (- 8,6%). Im Vergleich zum März 2009 stiegen die Großhandelspreise im April 2009 geringfügig (+ 0,1%), nachdem sie in den vergangenen acht Monaten stetig gefallen waren. Im Großhandel mit festen Brennstoffen und Mineralölerzeugnissen lagen die Preise um 19,5% unter denen von April 2008. Gegenüber dem Vormonat verteuerten sich die zu dieser Wirtschaftsklasse gehörenden Waren um 3,0%. Im März 2009 hatten sie sich gegenüber Februar 2009 noch um 2,1% verbilligt. Die Preise für Erze, Metalle und Metallhalbzeug verringerten sich auf Großhandelsebene gegenüber dem Vorjahr um 25,1% (- 5,2% gegenüber März 2009).

http://www.destatis.de/…

Der Verbraucherpreisindex für Deutschland ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts  im April 2009 gegenüber April 2008 um 0,7% gestiegen. Im Vergleich zum Vormonat März 2009 blieb der Index unverändert. Im März 2009 hatte die Inflationsrate bei 0,5% gelegen.

Die Inflationsrate im April 2009 ist auf gegenläufige Preisentwicklungen zurückzuführen: Durch die Lage des Osterfestes im April (2008 lag Ostern bereits im März) ergaben sich deutliche Preisanstiege bei Pauschalreisen (+ 16,5%), Flugreisen (+ 6,9%) und Beherbergungsdienstleistungen (+ 4,0%) gegenüber dem Vorjahr, die vorübergehend die Inflationsrate im April 2009 erhöhten. Dagegen dämpfte vor allem der enorme Preisrückgang bei Mineralölprodukten (- 19,5% gegenüber dem Vorjahr) weiterhin die Gesamtteuerung.

http://www.destatis.de/…

GM-Europa-Chef Forster verkauft angesichts der drohenden Insolvenz seine gesamten Anteile am Autokonzern. Während der US-Autokonzern General Motors versucht, seine Gläubiger zum Einstieg in das Unternehmen zu bewegen, haben sich führende Manager von ihren Firmenanteilen getrennt. Wie aus einer Pflichtmeldung der US-Börsenaufsicht SEC hervorging, verkauften vier Vorstände und zwei Vizepräsidenten des Verwaltungsrats in den vergangenen Tagen mehr als 200.000 GM-Aktien – offenbar aus Angst vor der drohenden Insolvenz. So hat laut SEC auch Europa-Chef Carl-Peter Forster, der für die deutsche Konzerntochter Opel zuständig ist, seine GM-Anteile abgestoßen.

http://phx.corporate-ir.net/…

Mittwoch, 13. Mai 2009

Das Bundeskabinett hat den Gesetzentwurf zur Auslagerung problembehafteter Wertpapiere in sogenannte Bad Banks gebilligt. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte, das Modell erlaube den Banken die Bereinigung ihrer Bilanzen und schone den Steuerzahler. Die Banken sitzen auf “toxischen” Papieren im Wert von 180 bis 190 Milliarden Euro. Das Gesetz eröffnet den Banken die Möglichkeit, Wertpapierverluste über Jahre abzustottern. Damit werde “Zeit gekauft”, damit die Banken wieder unbelastet ihrer eigentlichen Aufgabe, der Kreditvergabe an Unternehmen, nachgehen könnten, sagte Kanzleramtsminister Thomas de Maizière. CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender Volker Kauder betonte: „Zur Hilfe gibt es keine Alternative. Ein Bankenzusammenbruch in Deutschland hätte unabsehbare Folgen für unser Land, für unsere Wirtschaft, für Arbeitsplätze, für unseren Wohlstand.”

http://www.bundesregierung.de/…


Donnerstag, 14. Mai 2009

316 Milliarden Euro weniger Steuern für Bund und Länder von 2009 bis 2012 – das ist die Prognose, die der Arbeitskreis Steuerschätzung in Berlin vorstellte. Für den Bund sind es in den vier Jahren 152 Milliarden Euro weniger – ein Großteil, 97 Mrd. Euro, ist dem Konjunktureinbruch zuzurechnen. Gesamtstaatlich sind 213 Mrd. Euro Mindereinnahmen konjunkturbedingt.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück sagte, dass die Neuverschuldung 2009 bei rund 50 Milliarden Euro liegen wird, wenn man den Nebenhaushalt des Tilgungsfonds ehrlich mit hinzurechnet. Für das nächste Jahr kann man nach gegenwärtigem Stand zusammen mit dem Tilgungsfonds von rund 90 Milliarden Euro neuen Schulden ausgehen.

http://www.bundesfinanzministerium.de/…

Der staatliche Wirtschaftsfonds für Unternehmen trifft auf rege Nachfrage. “Es liegen bereits Kreditanträge in Höhe von insgesamt 4,4 Milliarden Euro vor, davon circa 1,9 Milliarden Euro aus dem Mittelstand und 2,5 Milliarden Euro von großen Unternehmen”, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. Bei den Großbürgschaften liegen knapp 20 Anträge und Anfragen über sechs Milliarden Euro vor. Der staatliche Schutzschirm hat insgesamt ein Volumen von 115 Milliarden Euro.

http://www.bmwi.de/BMWi/Navigation/Presse/pressemitteilungen,did=301228.html

Der Wirtschaftsfonds Deutschland

http://www.bmwi.de/…

Freitag, 15. Mai 2009

Die deutsche Wirtschaft hat in den ersten drei Monaten einen historischen Einbruch erlitten. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes sank das Bruttoinlandsprodukt zwischen Januar und März um 3,8 Prozent; das BIP umfasst die Menge der produzierten Waren und in Anspruch genommenen Dienstleistungen. Einen derart scharfen Einbruch haben die Statistiker noch nicht verzeichnet. Im Vergleich zum ersten Quartal des vergangenen Jahres war der Rückgang noch deutlicher: Die Unternehmen und Arbeitnehmer erwirtschafteten 6,7 Prozent weniger.

http://www.destatis.de/…

Nach dem Autobauer Opel droht nun auch dem Karstadt-Mutterkonzern Arcandor ohne staatliche Hilfe die Insolvenz. Vorstandschef Karl-Gerhard Eick kündigte an, sein Unternehmen werde aus dem Firmen-Rettungsfonds, den die Bundesregierung aufgelegt hat, Kreditbürgschaften im Umfang von 650 Millionen Euro beantragen. Zudem bemühe man sich um ein Darlehen der staatlichen Förderbank KfW. Eick betonte, der Konzern wolle “nichts geschenkt” haben, sondern den möglichen Kredit “selbstverständlich komplett zurückzahlen”. Politiker und Konkurrenten reagierten skeptisch.

http://www.arcandor.com/de/presse/6547.asp

Samstag, 16. Mai 2009

Einstieg des SoFFin bei der Commerzbank perfekt: Die Commerzbank-Hauptversammlung hat beschlossen, das Grundkapital der Bank durch Ausgabe von rund 295 Millionen neuen Aktien im Nennbetrag von je 2,60 Euro auf insgesamt rund 1.181 Millionen Aktien zu erhöhen, schreibt die Bank in einer Mitteilung. Die neuen Aktien werden zum Preis von 6 Euro je Aktie ausgegeben und vom Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) zum Ausgabepreis übernommen. Das Bezugsrecht der Aktionäre ist ausgeschlossen. Der XETRA-Schlusskurs der Commerzbank-Aktien lag am Freitag, dem 15. Mai 2009, bei 5,14 Euro. Für die Kapitalerhöhung stimmten 97,7% des bei der Beschlussfassung vertretenen Grundkapitals in Höhe von rund 342,5 Millionen Aktien.

https://www.commerzbank.de/…

Dienstag, 19. Mai 2009

Die Gewinne der 30 größten börsennotierten Unternehmen haben sich im vergangenen Jahr halbiert. Einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young zufolge verdienten die Dax-Konzerne etwa 50 Milliarden Euro nach 108 Milliarden Euro im Rekordjahr 2007. Bei zwei Drittel der Firmen gingen die Gewinne zurück, vier machten sogar Verluste. Dabei waren die Umsätze im vergangenen Jahr noch stabil, ja sie stiegen sogar um drei Prozent auf 1,155 Billionen Euro. Die Rezession dürfte die Dax-Unternehmen erst in diesem Jahr voll treffen. “Angesichts der katastrophalen Wirtschaftslage wird sich die Profitabilität der Konzerne im laufenden Geschäftsjahr weiter deutlich verschlechtern”, erwartet Hendrik Hollweg, Mitglied des Vorstands bei Ernst & Young.

Die Anzahl der weltweit bei Dax-Unternehmen tätigen Mitarbeiter war 2008 noch um vier Prozent auf 3,7 Millionen gestiegen. In Deutschland ging die Zahl der Beschäftigten allerdings schon um 0,5 Prozent zurück. Bei den Dax-Konzernen, die nur noch ein Drittel ihrer Umsätze in Deutschland erwirtschaften, sind immerhin noch 43 Prozent der Mitarbeiter im Inland beschäftigt.

Niederschlagen wird sich der Abschwung nach Einschätzung der Experten von Ernst & Young auch in den Steuereinnahmen. Schon 2008 führten die Konzerne ein Fünftel weniger Steuern an den deutschen Fiskus ab. “Die öffentliche Hand wird mit erheblichen Steuerausfällen rechnen müssen”, erwartet Hollweg.

http://www.ey.com/DE/de/Newsroom/News-releases/2009_Dax-30-Unternehmen

Mittwoch, 20. Mai 2009

In der deutschen Wirtschaft kehrt der Optimismus zurück. Börsenexperten, Großunternehmen und Handwerker rechnen in den kommenden Monaten mit einem Ende der schwersten Rezession der Nachkriegszeit. Die Anzeichen mehrten sich, “dass das Schlimmste nun überstanden ist”, sagte der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz. Das von ihm geleitete Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ermittelte bei Investoren und Analysten die größte Konjunkturzuversicht seit drei Jahren. Der Optimismus der 300 befragten Börsianer stützt sich auf erste positive Signale aus der Industrie. Exporte, Aufträge und Produktion legten im März erstmals seit einem halben Jahr wieder zu. Auch wenn die Rezession ihren Tiefpunkt hinter sich habe, sagt ZEW-Präsident Franz steigende Arbeitslosigkeit voraus: “Bei der Entwicklung am Arbeitsmarkt steht uns aber das Schlimmste wohl noch bevor.” Das Weltwirtschaftsklima hellte sich erstmals seit Herbst 2007 wieder auf, wie das Ifo-Institut bei seiner Umfrage unter 1000 Experten in 90 Ländern ermittelte. Dies gehe auf die günstigeren Erwartungen für die kommenden sechs Monate zurück.

http://www.zew.de/de/topthemen/meldung_show.php?LFDNR=1196&KATEGORIE=29

Donnerstag, 22. Mai 2009

Die Bundesregierung will Massenentlassungen verhindern, indem sie die Kurzarbeit ausweitet. Am Mittwoch beschloss das Kabinett, dass das Kurzarbeitergeld künftig 24 Monate statt bisher 18 Monate lang gezahlt werden soll. Vom siebten Monat an erstattet die Bundesagentur für Arbeit den Firmen die kompletten Sozialversicherungsbeiträge. Die Änderung soll am 1. Juli in Kraft treten und vorerst bis Ende 2010 gelten.

http://www.bundesregierung.de/…

Die Rezession hat die Zahl der Erwerbstätigen im ersten Quartal erstmals seit einem Jahr wieder unter die Marke von 40 Millionen gedrückt, teilte das Statistische Bundesamt mit. Das waren 905.000 oder 2,2 Prozent weniger als Ende 2008. Die üblichen jahreszeitlich bedingten Schwankungen herausgerechnet sank die Beschäftigung von Januar bis März um 119.000. Das war das erste Minus seit drei Jahren. Die vermehrte Inanspruchnahme Kurzarbeit hat die Effekte der Rezession auf die Erwerbstätigkeit abgemildert.

http://www.destatis.de/…

Samstag, 23. Mai 2009

Der Tarifkonflikt im Baugewerbe mit seinen rund 700 000 Beschäftigten ist gelöst und ein Streik abgewendet. Nach einem 18-stündigen Verhandlungsmarathon in der Schlichtungsrunde einigten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft in Frankfurt auf einen schrittweisen Lohnanstieg um zusammengerechnet 4,6 Prozent im Westen bei zwei Jahren Laufzeit, wie beide Seiten mitteilten. Mit dem Kompromiss bekommen die Tarifbeschäftigten im Westen vom 1. Juni an 2,3 Prozent mehr Lohn. In seinem zweiten Schritt gibt es zum 1. April 2010 noch einmal 2,3 Prozent mehr Geld. Die Parteien einigten sich zudem auf einen neuen Mindestlohn. Er wird in drei Schritten angehoben. Dabei beginnt der erste Schritt am 1. September, der letzte Schritt erfolgt zum 1. Juli 2011.

http://www.igbau.de/db/v2/frameset.pl

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