Revolution in der arabischen Welt – die Entwicklungspolitik ist gefordert
Sibylle Pfeiffer | 31.03.2011 | 13:25 | 3 Kommentare
Die alten Diktatoren müssen weg. Soviel ist klar.
Die arabische Welt ist im Aufruhr. Es ist nicht der Westen, der dazu beigetragen hat. Seit Jahrzehnten schon hat er mit kräftigen Worten Demokratie und Menschenrechte weltweit eingefordert und es dann in den arabischen Ländern an konsequentem Handeln fehlen lassen. Frieden, Stabilität und sichere Öllieferungen waren ihm oft wichtiger als politische Ideale. Deshalb hat er mit so manchen Diktatoren gute Geschäfte gemacht und über Mängel bei Demokratie und Menschenrechten hinweg geschaut. Dieses Mal sind es die arabischen Massen, die sich erheben für Freiheit und Demokratie. Sie haben genug; sie wollen Freiheit, mit reden, mit entscheiden, mehr abbekommen, Stolz und Würde.

Wie geht es weiter in Ägypten und anderswo in Arabien? (Foto von Ahmad.Hammoud auf flickr.com, CC BY 2.0)
Wir blicken gebannt, mit Hoffnung und Sorge auf die arabischen Staaten. In Tunesien und Ägypten sind die Autokraten von Volksaufständen schon weggeputscht. In Libyen herrscht Bürgerkrieg. Im Jemen und Bahrain kam es zu blutigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften der alten Regime. In vielen anderen Ländern gehen die Menschen auf die Straße. Teilweise sind Reformen in Gang gekommen, es wurden Zugeständnisse gemacht, manchmal auch vorsorglich. Die Machthaber reagieren auf den mutigen Protest der Menschen. Sie wissen: auch westliche Staaten werden sich auf die Seite der Aufständischen stellen. Es wird in all diesen Ländern nicht so bleiben, wie es über viele Jahrzehnte war.
Noch ist unklar: Sind die alten Regime reformwillig und reformfähig genug? Können sich die Menschen in mehr Ländern befreien oder ersticken die Diktatoren Aufstände mit Gewalt.
Und wenn sich die Völker befreien, wird dann alles besser?
Niemand kennt die Zukunft. Aber eines ist klar: Funktionierende Demokratien werden in den arabischen Staaten nicht über Nacht kommen, wenn der Diktator vertrieben ist. Mehr Freiheit, in der jeder seine Meinung ohne Angst äußern darf, mehr Demokratie, in der unterschiedliche Parteien in geordneten Meinungswettstreit treten, unabhängige Gerichte, die fair richten, all dies braucht tiefes Verständnis in den Köpfen, es braucht Institutionen, die nur langsam entstehen können und braucht Übung. Demokratieentwicklung braucht Zeit. Wenn jetzt die Weichen falsch gestellt werden, dann kann es nicht gelingen. Dann können auch neue Formen der Diktatur, der Unfreiheit und des wirtschaftlichen Mangels oder religiöser Fundamentalismus kommen.
Deshalb muss der Westen jetzt Flagge zeigen. Jetzt ist die Zeit für einen ernsthaften, seriösen, langanhaltenden und umfassenden entwicklungspolitischen Einsatz. Denn nie war die Chance in der arabischen Welt für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit größer als heute. Und davon sind wir überzeugt: demokratische und rechtsstaatliche Verhältnisse bieten auch bessere Chancen für Wirtschaftswachstum. Diese Chance müssen wir nutzen. Das nützt nicht nur den Demokraten in den arabischen Ländern. Es nützt auch uns durch mehr wirtschaftlichen Austausch und weniger Migrationsdruck auf Europa über das Mittelmeer.
Deshalb ist es wichtig, dass die Bundesregierung angemessen reagiert hat
Für Demokratisierung wurden schell 3,25 Millionen Euro vom Ministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bereitgestellt. Für Bildung wurde ein Fond über 8 Millionen Euro eingerichtet und für die Förderung der Wirtschaft sogar über 20 Millionen Euro. Das ist ein guter Anfang.





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