Einträge von Harald Lemke

Harald Lemke

Harald Lemke

Die Fähigkeit zur ständigen Erneuerung ist Voraussetzung für nachhaltigen Wohlstand in unserer volatilen Welt. Das Internet ist ein erfolgsentscheidender Faktor, der uns hilft, diese Fähigkeit auszubauen. Deshalb sehe ich in der Enquete-Kommission “Internet und digitale Gesellschaft” die große Chance, einen angemessenen Teil unserer politischen Energie auf diese Schlüsseltechnologie zu fokussieren.

Ich stelle die Erneuerungsfähigkeit bewusst an den Anfang. Zu häufig nämlich erlebe ich, wie wir wertvolle Ressourcen in die Verteidigung überkommener Strukturen investieren und uns so selbst behindern, die Chancen des Internet zu nutzen. Ich weiß allerdings, dass die Forderung nach ständiger Wechselbereitschaft leicht gestellt und schwer vorgelebt ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Netzgesellschaft im Internet neue Wertmaßstäbe entwickelt und alte infrage stellt. Vertrauliche und sichere Kommunikation, erodierende Akzeptanz von Urheber und Verwertungsrechten sowie Web 2.0 sind Megatrends des Netzes und wer in Politik und Wirtschaft diese Megatrends ignoriert, den bestraft das Leben.

In diesem Zusammenhang frage ich mich auch, ob unsere hergebrachten Vorstellungen einer Privatsphäre noch zukunftsfähig sind. Die Veröffentlichungspraxis eines Internetkonzerns kann man vielleicht noch politisch beeinflussen. Die ungezählten Blogs, Foren, Wikis und Bilderalben unserer Internetgesellschaft werden in Zukunft fast alles und jeden öffentlich machen – mit allen Vor- und Nachteilen. Ich glaube, dass diese Transparenz unsere Wertmaßstäbe schleichend verändert. Mein Eindruck ist, dass die Parteien noch nach einer Bewertung dieser Entwicklung suchen. Die heterogen zusammengesetzte Enquete-Kommission kann bei dieser Suche helfen. Daher freue ich mich auf eine offene und konstruktive Diskussion über die Zielkonflikte und Wertmaßstäbe einer globalen Netzgesellschaft.

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