Einträge von Michael Kretschmer

Verteidigung funktioniert heute nicht mehr wie früher - mehr Offenheit ist gefordert (lewishamdreamer on flickr.com, CC BY-NC 2.0)

Hacker-Angriffe auf IT-Systeme werden auch in Zukunft nicht nachlassen. Daher muss das Problembewusstsein für diese Gefahren geschärft und das Wissen über effektive Schutzmaßnahmen verbreitet werden.

Unternehmen und Behörden müssen ihre IT-Systeme besser schützen. Tatsache ist, dass einerseits viele kleine und mittelständische Unternehmen immer noch nicht wissen, welchen Gefahren sie eigentlich ausgesetzt sind. Zudem gibt es viele Unternehmen, die einen erfolgten Hacker-Angriff nicht anzeigen, weil sie durch die Bekanntgabe in der Öffentlichkeit eine Gefährdung des eigenen Geschäfts befürchten.

Das ungeteilte Wissen verhindert, dass andere rechtzeitig gewarnt und geschützt werden können. Betroffene Unternehmen tragen in dieser Hinsicht eine große Verantwortung und sollten sich dieser unbedingt bewusst werden. Alternativ müssten wir strenge Berichtspflichten für Unternehmen einführen.

Einen erheblichen Beitrag zum Wissensaustausch über erfolgte Angriffe kann durch Wirtschaftsverbände und das kürzlich gegründete Cyber-Abwehrzentrum geleistet werden.

Ich setze darauf, dass es – vor allem durch Information und Aufklärung – gelingen wird, die Menschen für die Problematik zu sensibilisieren. Die Durchführung von Risikoanalysen und Vermittlung von detaillierten Schutzmaßnahmen ist Aufgabe von Unternehmen und Behörden. Die Schaffung eines Problembewusstseins ist Aufgabe der gesamten Gesellschaft.

 


(mfinleydesigns on flickr.com, CC BY-SA 2.0)

Der Wirbel um die sogenannten Facebook-Partys ist übertrieben. Auf den Kern gebracht handelt es sich um einen Fehler des Einladenden und um ein seltsames Spaß-Verständnis bei den „Gästen“ dieser Partys. Wie gewaltig die Folgen sein können, wenn öffentlich zu einer Geburtstagsfeier eingeladen wird, haben Jugendliche in den vergangenen Wochen erlebt – mit zum Teil über tausend Personen. Dieses mit Sicherheit für den einzelnen Betroffenen schockierende Erlebnis ist ein Ausdruck eines leichtfertigen, unbedachten Umgangs mit dem Tool, aber es ist mit Sicherheit kein Grund für eine Gesetzesänderung.

Facebook bietet die Möglichkeit in einem beschränken und einem unbeschränkten Maß Informationen publik zu machen. In den genannten Fällen haben die Benutzer ihre Einladung nicht nur an ihren persönlichen Freundeskreis gerichtet, sondern öffentlich ins Netz gestellt. Das ist ein Bedienfehler und die Forderung an Facebook, diese Funktion noch verständlicher zu machen, ist berechtigt.

Auch CDU und CSU sowie andere Parteien und Veranstalter laden über Facebook zu Veranstaltungen ein. Das Internet ist eine gute Möglichkeit eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Aber es ist eben nur ein Medium, nicht die Ursache. Lokalzeitungen mit Veranstaltungshinweisen will auch niemand verbieten.


Der Deutsche Bundestag ist das erste und derzeit einzige nationale Parlament, das sich mit einer eigenen Stellungnahme (PDF) zum Grünbuch der EU-Kommission “Von Herausforderungen zu Chancen: Entwicklung einer gemeinsamen Strategie für die EU-Finanzierung von Forschung und Innovation“ positioniert hat. Das hob Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn am Dienstag bei der Übergabe der Stellungahme in Brüssel hervor.

Ich bin überrascht, dass nur der Bundestag eine eigenständige Position zum Grünbuch eingenommen hat – schließlich geht es darum, wie die künftige Forschungsförderung ausgestaltet werden soll. Das derzeit noch laufende 7. Forschungsrahmenprogramm umfasst über die Laufzeit von sieben Jahren immerhin 54 Milliarden Euro. Warum haben sich die anderen Parlamente nicht positioniert? Angesichts der  leider oft zu hörenden Kritik, „was haben die sich in Brüssel da schon wieder ausgedacht“, verwundert das schon. Wer sich nicht einbringt, kann sich auch nicht durchsetzen mit seinen Ideen.

Europaabgeordneter Christian Ehler, EU-Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn und die beiden Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann und Michael Kretschmer

Europaabgeordneter Christian Ehler, EU-Forschungskommissarin Máire Geoghegan-Quinn und die beiden Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann und Michael Kretschmer

Für mich sind zwei Aspekte für die künftige Forschungsförderung besonders wichtig, die ich im Gespräch mit der Forschungskommissarin und dem für Forschung zuständigen Generaldirektor Robert-Jan Smits unterstrichen habe: Zum einen brauchen wir in ganz Europa das klare Bekenntnis zu wissenschaftlicher Exzellenz, denn sie ist das A und O erfolgreicher Forschungspolitik. Die Ziele der EU-Forschungsförderung dürfen auf keinen Fall mit denen der Kohäsion vermischt werden. Für die Kohäsionsziele wird es auch künftig die Strukturförderung geben. In der Wissenschaft aber muss  weiterhin die Forschungsqualität das maßgebliche Kriterium sein.

Klar ist aber auch: Vielen neuen EU-Mitgliedstaaten gelingt es heute noch zu selten, die strengen Exzellenzkriterien in der Forschungsförderung zu erfüllen. Für sie müssen wir eine Treppe zur Exzellenz bauen, damit auch sie erfolgreiche Anträge stellen können und aufholen auf dem Weg zur Spitzenwissenschaft.

Nach der Wiedervereinigung hatten wir in Deutschland eine ganz ähnliche Situation: In Ostdeutschland hat das Bundesforschungsministerium mit gezielten Programmen wie „Unternehmen Region“ und dem Spitzencluster-Wettbewerb Leuchttürme der Wissenschaft aufgebaut, die heute in der Lage sind, im bundesweiten Exzellenz-Wettstreit mitzuhalten. Diese Erfolgsgeschichte habe ich vor Augen, wenn wir jetzt darüber diskutieren, wie wir den forschungsschwächeren EU-Mitgliedstaaten helfen können.

Dabei bin ich vehement gegen Proporz und Länderquoten, sondern ich bin für ein passgenaues Twinning-Programm. Damit soll gezielt die Forschungsbasis und wissenschaftliche Kompetenz in den heute noch schwächeren Staaten aufgebaut werden: Partner aus Mitgliedsstaaten, die heute sehr gut bei der Förderlinie “Europäischer Forschungsrat” (ERC) abschneiden, sollen sich zu einem Zwillingspaar (Twin) zusammenschließen mit Staaten, die heute unterdurchschnittlich erfolgreich beim ERC sind. So können die Schwachen von den Starken lernen.

Der zweite ganz entscheidende Punkt ist für mich: Wir haben mit dem Europäischen Forschungsrat ein ausgezeichnetes Förderinstrument für exzellente Pionierforschung, das so attraktiv ist, dass weltweit bekannte Spitzenforscher und Nobelpreisträger sich in den Dienst Europas gestellt haben. Der ERC finanziert über zwei Förderlinien sowohl vielversprechende Nachwuchswissenschaftler wie auch etablierte Spitzenforscher. Dieses Instrument müssen wir unbedingt erhalten und es finanziell ausbauen.

Michael Kretschmer ist stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und verantwortlich u.a. für den Bereich Bildung und Forschung.


Viele Länder haben das Geld für neue Hochschul-Forschungsbauten nicht abgerufen (Stahlbauer on flickr.com, CC BY-NC-SA 2.0)

Sollte der Bund sich stärker an der Bildungsfinanzierung beteiligen? Diese Frage hat derzeit Konjunktur. Die Realität der Bildungsrepublik Deutschland sieht wie so oft ein wenig differenzierter aus. Denn gerade hat sich gezeigt: Die Länder haben Gelder verfallen lassen, die der Bund extra zu ihrer Unterstützung bereitgestellt hatte. Allein im vergangenen Jahr sind den Hochschulen dadurch 120 Millionen Euro durch die Lappen gegangen.

Wie kann das sein? Für die Forschungsbauten wurde im Zuge der Föderalismusreform 2007 eine neue „Gemeinschaftsaufgabe“ zur Kooperation von Bund und Ländern eingerichtet. Ziel war, dass der Bund auch weiterhin eine Mitverantwortung für die Hochschulen trägt und Investitionen in überregional bedeutende Forschungsbauten (wie Labore oder Rechenzentren)  und Forschungsgroßgeräte  finanziell unterstützt.

Diese Mitverantwortung hat sich der Bund einiges kosten lassen: Seit 2007 konnten die Länder über 852 Millionen Euro Bundesmittel für  Forschungsbauten an Hochschulen verfügen. Tatsächlich investiert worden sind aber nur 697 Millionen Euro, die restlichen 155 Millionen Euro sind länderseitig nicht abgerufen worden. Besonders misslich ist, dass 74 Millionen Euro davon sogar verfallen sind, der übrige Teil kann als so genannte Ausgabereste in diesem Jahr noch abgerufen werden.

Jetzt heißt es fleißig Anträge schreiben bei den Ländern: Damit in diesem Haushaltsjahr hoffentlich kein Cent mehr liegen bleibt.


Pünktlich zur Bologna-Konferenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) am Freitag dieser Woche sind zwei neue Studien zu Bachelorstudiengängen erschienen. Beide Studien zeichnen ein durchwachsenes Bild der neuen Studienabschlüsse: Die Hälfte der Absolventen von Fachhochschulen und ein Viertel der Universitätsabsolventen nimmt mit dem ersten akademischen Abschluss direkt eine Berufstätigkeit auf. Nach einem Jahr im Beruf ist die Mehrzahl der Bachelor-Absolventen mit Vergütung, Aufgabenbereich und Karriereperspektiven zufrieden. Kritisiert wird von den befragten Studenten und Unternehmen allerdings nach wie vor, dass Bachelor-Studiengänge stofflich überfrachtet sind und statt Theorie mehr Praxisbezug bieten sollten. Hier sind die Hochschulen und ihre Gremien (von Professoren bis Studenten) gefordert, die Curricula noch passgenauer auf die Bachelor-Anforderungen abzustimmen. Ich bin mir sicher, dass der Qualitätspakt Lehre des BMBF, der herausragende Lehre an Hochschulen fördert, hier gute Erfolge erzielen wird.

Die Befragung “Studien- und Berufsperspektiven von Bachelorstudierenden in Deutschland“ der „Hochschul Informations System GmbH“ (HIS) hat sich insbesondere mit den Übergängen nach einem erfolgreichen Bachelor-Abschluss befasst. Laut dieser Studie streben 76 Prozent aller Bachelor-Studierenden ein Masterstudium an. Das ist ein sehr hoher Wert. Da allerdings nur 16 Prozent der Befragten angeben, den Masterabschluss zu wollen, um anschließend in der Wissenschaft tätig zu werden, zeigen diese hohen Übergangsquoten aus meiner Sicht auch: Viele scheinen mit dem Master auf Nummer sicher gehen zu wollen, weil sie skeptisch sind, was der Bachelor am Arbeitsmarkt tatsächlich wert ist. Dass diese Sorge allenfalls teilweise berechtigt ist, beweist die ebenfalls jüngst erschienene Studie  „Mit dem Bachelor in den Beruf“ im Auftrag des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.

Aus der HIS-Studie

Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit Bachelorabsolventen gemacht haben, bewerten Bachelor durchweg positiver als diejenigen Unternehmen, die bislang noch keine Bachelor eingestellt haben. Trotz der mehrheitlich zufriedenstellenden Leistungsbeurteilung der Bachelorabsolventen wünscht die große Mehrheit der Personalverantwortlichen in Unternehmen, die Akademiker beschäftigen, einen höheren Praxisbezug der Lehrinhalte (76 Prozent). Am höchsten ist die Zufriedenheit der Unternehmen mit den dual ausgebildeten Bachelorabsolventen. Unter den Unternehmen, die Akademiker beschäftigen, wollen 84 Prozent zukünftig sowohl Bachelor als auch Master einstellen. Lediglich 13 Prozent dieser Unternehmensgruppe wollen ausschließlich Master beschäftigen.

Mein Fazit: Der Bachelor setzt sich am Arbeitsmarkt immer mehr durch. Aber wir müssen die Unsicherheit bei Studierenden und Unternehmen, die offenkundig noch immer bestehen, ernst nehmen. Das ist auch eine Aufgabe der Studienberatung: Wer keine wissenschaftliche Karriere anstrebt, braucht den Master in der Regel nicht und sollte sich genau überlegen, was er sich von einem Master-Abschluss an „Mehrwert“ für seine Berufschancen verspricht. Wer sich bei einem Unternehmen bewirbt, das zeigen die Antworten der Personalverantwortlichen, hat bessere Chancen, wenn er erste praktische Erfahrungen in der Wirtschaft oder im Ausland nachweisen kann.