Einträge von Wolfgang Börnsen

Der Thesenanschlag vom 30. Oktober 1517 durch Martin Luther war Auslöser für die Reformation. Sie hat in den vergangenen 500 Jahren eine prägende Wirkung nicht nur auf Gesellschaft und Politik in unserem Land, sondern in ganz Europa und weltweit gehabt. Über 400 Millionen Protestanten sehen in dem Wittenberger Thesenanschlag und seinen historischen Folgen ihre geistlichen und konfessionellen Wurzeln. Bei dem Reformationsjubiläum handelt es sich deshalb um ein kirchliches wie auch kulturgeschichtliches Ereignis von Weltrang.

Das Tor der Schlosskirche von Wittenberg, an die Luther am 31.10.1517 seine 95 Thesen angeschlagen haben soll (Phil Camill on flickr.com, CC BY-NC-ND 2.0)

Der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist es als Partei, die auf einem christlichen Wertefundament steht, ein besonderes Anliegen, dieses Ereignis mit dem vorliegenden Antrag zu würdigen. Es gilt, die historische Bedeutung der Reformation als gesellschaftliches, kulturelles und religiöses Ereignis für Deutschland, Europa und die Welt hervorzuheben. Es ist unser Wunsch, dass die christliche Verwurzelung des Abendlandes, christliche Werte und ihre Beiträge zur sozialen Verantwortung, zur Ausbildung moderner Grundrechte und den Grundlagen der Demokratie öffentlich diskutiert und ihre Bedeutung über die Landesgrenzen hinaus dargestellt werden.

Die Union begrüßt, dass SPD und Grüne sich dem Koalitionsantrag angeschlossen haben. Damit wird die breite politische und gesellschaftliche Unterstützung für die Aktivitäten des Parlamentes im Rahmen der Lutherdekade sichtbar.

Konkret fordert der Antrag die Bundesregierung auf, sich an der Ausgestaltung der so genannten Lutherdekade aktiv zu beteiligen. Unter anderem soll die Bundesregierung die bedeutenden historischen Orte der Reformation bei bestehenden Förderprogrammen des Bundes im Bereich des Denkmalschutzes berücksichtigen. Die vom Bund geförderten Institutionen wie das Deutsche Historische Museum, die Mittler deutscher Kulturpolitik im Ausland wie die Goethe-Institute und die Kulturabteilungen des Auswärtigen Amtes sollen die Lutherdekade in ihre Arbeit einbeziehen. Der federführende Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) wird aufgefordert, die staatliche Geschäftsstelle “Luther 2017″ mit ausreichend finanziellen und personellen Kapazitäten auszustatten. Bereits jetzt fördert der BKM das Reformationsjubiläum jährlich mit 5 Mio. Euro. Über die Förderentscheidungen in diesem Jahr hat er vor der Sommerpause den Ausschuss für Kultur und Medien informiert.

Erstmals kann in einem wiedervereinten Deutschland ein Reformationsjubiläum gefeiert werden. Zum letzten Mal wurde 1983 der 500. Geburtstag des Reformators noch im geteilten Deutschland gefeiert. Erich Honecker übernahm damals selbst den Vorsitz des staatlichen Lutherkomitees in der DDR und in der Bundesrepublik initiierte der Rheinland-Pfälzische Ministerpräsident Bernhard Vogel im Bundesrat die offizielle bundesrepublikanische Lutherehrung. Bürgerrechts- und Friedensgruppen in der DDR nutzen das Jubiläum um in Form von Thesen ihren Protest zu artikulieren. Das Reformationsjubiläum 2017 ist damit auch eine Gelegenheit, die politische Einigung Deutschlands auf Basis des gemeinsamen kulturellen und religiösen Erbes zu feiern.


Bleibt das journalistische Notizbuch in Zukunft leer? (Image by Alice Lucchin, flickr.com, CC BY-NC-SA 2.0)

Qualitativ hochwertiger und unabhängiger Journalismus ist unerlässlich für das Funktionieren unserer Demokratie. Dennoch steht das Arbeitsfeld Journalismus mehr denn je unter Druck. Die Presseverleger stecken teilweise in wirtschaftlichen Schwierigkeiten – vor allem bedingt durch die Konkurrenz des Internets, veränderte Nutzungsgewohnheiten und sinkende Anzeigenerlöse. Diese Probleme der Verlage und Zeitungen gehen an vielen Journalisten nicht vorüber, die sich mit erschwerten Arbeitsbedingungen konfrontiert sehen.

Zu beobachten ist, dass es immer weniger Journalisten in Festanstellung gibt, dafür immer mehr Freie. Dies gilt ebenfalls für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Viele kleinere Zeitungen übernehmen mangels eigenen Personals ungeprüft Artikel von PR-Firmen, kopieren einfach nur Meldungen der Nachrichtenagenturen oder füllen ihre Seiten mit den Beiträgen von sogenannten Leserreportern. Besonders der Lokaljournalismus kann vielerorts nicht mehr früheren Ansprüchen genügen.

Der Wert einer journalistischen Leistung wird zudem durch die Gratis- und „Mitmach“-Kultur im Internet in Frage gestellt. Journalisten haben ihre frühere „Torwächterfunktion“ verloren. Gleichzeitig wird die soziale Lage von Journalisten prekärer, da allein von ihrer journalistischen Tätigkeit viele nicht leben können.

Welche langfristigen Konsequenzen ergeben sich für qualitativ anspruchsvollen und seriösen Journalismus aus diesem Befund? Wie verändert sich Journalismus durch den Einfluss des Internets? Welche Veränderungen gibt es in der Ausbildung? Welche Tendenzen der Boulevardisierung und Verflachung lassen sich feststellen? Was kann die Politik überhaupt tun?

Um diesen und anderen Fragen nachzugehen, hat die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein öffentliches Expertengespräch im Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages initiiert (23. Februar, 15.30 Uhr – 17.00 Uhr, Livestream im Parlamentsfernsehen des Bundestages).

Die Unionsfraktion hat die Zukunft des Qualitätsjournalismus zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht. Der Kultur- und Medienausschuss wird in weiteren Veranstaltungen alle Facetten des Themas aufgreifen. Ein öffentliches Gespräch mit den Vertretern der Journalisten- und Verlegerverbände sowie der Rundfunkanstalten ist ebenso geplant wie eine Vertiefung der Aspekte der sozialen Lage und der Ausbildungssituation von Journalisten.

Im Blog des Journalisten Matthias Spielkamp finden Sie eine Zusammenstellung der Leitfragen des Gespräches und unter diesem Link (PDF) die offizielle Mitteilung mit allen teilnehmenden Experten.

Update: Robin Meyer-Lucht hat live mitgebloggt und auf CARTA ein kurzes Fazit gezogen.

Das Expertengespräch in der Mediathek des Deutschen Bundestages:


Gleißendes Licht und lange Schatten erlebt der deutsche Film in diesen Tagen. Die 61. Berlinale ist in vollem Gange und Berlin für zehn Tage wieder der Mittelpunkt der cineastischen Welt. Letzten Freitag ist die Verordnung der Bundesregierung zur Digitalisierung der Kinos in Kraft getreten. Demgegenüber steht die Beerdigung Bernd Eichingers in der letzten Woche, einer der prägendsten Figuren des deutschen Films überhaupt.

Chinon 8mm Movie Camera, by SPDP, http://www.flickr.com/photos/10068173@N08/3118408862/

Image by SPDP on flickr.com (CC BY 2.0)

Sein Tod reißt eine Lücke in einer Zeit, da sich in der Filmbranche Zweifel und Selbstkritik breit gemacht haben. Provozierend fragten FAZ-Feuilletonisten vor wenigen Tagen: Woran liegt es, dass das deutsche Kino so reich ist an Talenten und Könnern, aber so arm an guten Filmen?

In der Branche wachsen derzeit Ratlosigkeit und Zweifel. Eine Frischzellenkur wird gefordert, mehr Innovation, weniger Subvention. Mut zum thematischen Risiko und gesellschaftskritische Kompromisslosigkeit, mehr Klasse, weniger Masse.

Dabei war das Kinojahr 2009 ein Rekordjahr, der Marktanteil deutscher Filme mit 27,4 Prozent so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Und wenn Martin Moszkowicz von der Constantin Film im Cicero feststellt, dass von zehn großen Filmproduktionen jetzt acht in Deutschland gedreht werden (früher war es umgekehrt!), dann wird damit der Nachweis erbracht: Deutschland als Produktionsstandort hat an Zuspruch gewonnen.

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