Katharina Landgraf ist eine von drei Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion in der aktuellen Wahlperiode, die der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR angehörte. Anlässlich des 20. Jahrestages der Volkskammerwahl am 18. März 1990 erinnert Sie sich an die Zeit der Wende:
Was ist Ihnen an Ihrer Zeit in der Volkskammer besonders in Erinnerung geblieben?
Unendlich viele Marathon-Sitzungen, kaum leere Sitzplätze im Plenum. Wir waren oft von neun Uhr morgens und bis weit in die Nacht hinein zusammen. Wir erlernten dabei die Spielregeln des Rechtsstaates und der Demokratie. Und gleichzeitig waren wir die Akteure, die im Eiltempo eine Vielzahl von Gesetzen zu beschließen hatten – ohne jegliche Erfolgsgarantie. Ständig wurde unser Tun begleitet von neuen Erkenntnissen über Missstände im Lande und über das System und den Herrschaftsapparat der SED. Das war atemberaubend. In der Erinnerung mutet es etwas skurril an, dass wir damals trotz alledem Zeit gefunden haben für einen „Chor der Fraktion“. Zum Geburtstag unseres Abgeordnetenkollegen Günter Krause sangen wir beispielsweise vierstimmig „Lobet den Herren“. Gewohnt haben wir zeitweise in den früheren Mannschaftsräumen der Stasi nahe der Normannenstraße, anfangs zu viert in einem Zimmer und einer Dusche. Das allmorgendliche Chaos war so vorprogrammiert.





