Archiv für “Europa”

In der Krise liegt die Chance

Norbert Röttgen | 15.06.2009 | 10:22 | Kommentare deaktiviert

Norbert Röttgen, Parlamentarischer Geschäftsführer

Norbert Röttgen, Parlamentarischer Geschäftsführer

Die Wirtschafts- und Finanzkrise beschreibt Norbert Röttgen als “umfassende Systemkrise”. Deregulierung und Wachstum durch Verschuldung sind Ursachen dieser Krise. Für ihn steht fest, dass mit der sozialen Marktwirtschaft als europäische Idee die Krise überwunden werden kann.

 

In den aktuellen Krisentagen wird oft ohne weitere Erklärung auf die Chance für eine wirtschaftspolitische Neubestimmung verwiesen. Zu Recht wie ich meine, doch dabei reicht es nicht aus, sowohl die Krise als auch die Chance einfach nur zu behaupten. Man sollte schon konkret darlegen können, woraus beide erwachsen und was wir tun müssen, damit wir am Ende eine Renaissance der sozialen Marktwirtschaft erleben.

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Dr. Tobias Just, Deutsche Bank Research

Dr. Tobias Just, Deutsche Bank Research

Wie gut schützen Immobilien als Trutzburg vor den Stürmen auf den Finanzmärkten wirklich? Dieser Frage geht Dr. Tobias Just, Deutsche Bank Research, nach. Die aktuelle Krise begann auf dem US-Immobilienmarkt, daher lohnt ein Vergleich zum deutschen Markt. Bei uns gab es in den letzten Jahren weder eine Übertreibung bei der Preisbildung noch einen Bauboom.

Die aktuelle Rezession enthält zwei wichtige Botschaften: Erstens, Deutschland befindet sich in der schwersten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg, und es ist noch mit einigen schmerzhaften Anpassungen zu rechnen. Zweitens, es gibt große Unsicherheit hinsichtlich der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung. Die Prognosen werden quasi im Monatstakt nach unten angepasst. In unsicheren Zeiten suchen Menschen – hier beschränke ich mich auf ihre Rolle als Anleger – nach Stabilität. Viele versprechen sich von Gold oder Immobilien, dem Betongold, solch eine Sicherheit.

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Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

Heinrich Haasis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes

Ein Netzwerk für die europäische Bankaufsicht, klare Maßstäbe für die Kontrolle und vor allem Nachhaltigkeit beim Wirtschaften sind für den Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Heinrich Haasis, die Komponenten für ein stabiles europäisches Finanzsystem. Eine europäische Superbehörde wäre viel zu weit weg von den Kreditinstituten.

In der Finanzwelt ist nichts mehr, wie es einmal war. Viele Global Player unter Europas Banken sind ganz oder teilweise verstaatlicht, andere mussten neue Eigentümer aufnehmen und die Aushängeschilder der Wallstreet, großen Investmentbanken, gibt es praktisch nicht mehr. Staaten müssen nicht nur mit Milliardenbeträgen Finanzinstitute stützen, weil sie als too big to fail gelten. In vielen Ländern deutet sich auch ein großer konjunktureller Abschwung an, dem wiederum mit milliardenschweren Konjunkturpaketen entgegen gewirkt wird. Vor diesem Hintergrund lautet die zentrale Frage, wie solche Finanzmarktkrisen künftig verhindert werden können.

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Kapitalismus ohne Kapital im Baltikum

Taavi Veskimägi | 25.03.2009 | 18:20 | Kommentare deaktiviert

Taavi Veskimägi, Mitglied des estnischen Parlaments

Taavi Veskimägi, Mitglied des estnischen Parlaments

Die Länder in Mittel- und Osteuropa (MOE-Länder) und insbesondere das Baltikum und Estland haben im Kontext der weltweiten Finanzkrise und Rezession spezielle Probleme. Die Dynamik der Wirtschaft in den baltischen Staaten in den letzten fünf Jahren beruhte nicht auf Produktivitätswachstum, sondern auf Kapitalimport sagt Taavi Veskimägi, Mitglied des estnischen Parlaments und früherer Finanzminister seines Landes.

Wir müssen erstens feststellen, dass der Mythos wirtschaftlichen Wachstums und schneller Konvergenz zerbrochen ist. Wenn man auf der Welt nach Beispielen sucht, bei denen die wirtschaftliche Lage schlechter ist als schlecht, stehen die MOE-Länder an erster Stelle. Behandelt man die MOE-Länder als einheitliches Ganzes, zeigt sich einmal mehr, wie wenig auf der ökonomischen Weltbühne von heute die Grundlagen betrachtet werden und wie viel einfach auf Emotionen und Mythen basiert.

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