Archiv für “Rohstoffe”

Mehr Wettbewerb bei den Preisen an den deutschen Tankstellen will Joachim Pfeiffer. Er sagt: Die mittelständischen freien Tankstellen tragen zur Zeit den Wettbewerb. Die großen fünf Konzerne haben ein Verhaltensmuster entwickelt, wie sie am Kartellamt vorbei Preiserhöhungen durchsetzen können. Doch was hilft dagegen? Eine Anhörung im Bundestag soll es zeigen.

Der Preis für Rohöl auf dem Weltmarkt kennt seit über 10 Jahren fast nur eine Richtung – nach oben. Einzige Ausnahme: Eine beachtliche Delle im Juli 2008 nach der globalen Finanz- und Bankenkrise.

2001 kostete das Barrel (rund 159 Liter) noch rund 23 US-Dollar, 2009 lag der mittlere Weltmarktpreis bereits bei 62 US-Dollar, 2010 stieg er auf 80 US-Dollar und stieg 2011 auf 107 US-Dollar. Damit übertraf der Kurs sämtliche jemals notierten Kurse in der Geschichte der Ölförderung.

Zapfsäule

Erinnerung an eine vergangene Zeit (schoschie on flickr.com CC BY 2.0)

Die Entwicklung der Kraftstoffpreise verläuft im Groben analog zu der Entwicklung bei den Rohölpreisen. Allerdings bestehen zum Teil erhebliche Spannweiten zwischen den Preisen in einzelnen Regionen, Städten oder Stadteilen. Dazu kommt, dass sich auch die Preise beim selben Anbieter zum Teil mehrfach pro Tag ändern und die Differenz bis zu 15 Cent betragen kann. Heute werden die Preise an den Tankstellen viel häufiger und viel stärker angepasst. Selbst ein großer Mineralölkonzern bestätigt: Im Verlauf einer Woche werden die Preis in etwa vier Mal so häufig verändert als noch vor zehn Jahren.

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Rohstoffsicherheit ist eine Frage der Zukunftsfähigkeit. Als wichtige Industrienation zählt Deutschland zu den größten Rohstoffkonsumenten der Welt. Vor allem bei den Metallrohstoffen und vielen wichtigen Industriemineralien besteht eine nahezu vollständige Importabhängigkeit. Auch Energierohstoffe müssen in großem Umfang aus dem Ausland eingeführt werden. Unser Land braucht Versorgungssicherheit, um Arbeitsplätze und Wachstum zu sichern.

Für die Herstellung etwa von LCD-Bildschirmen sind Seltene Erden unverzichtbar (nouQraz on flickr.com, CC BY-NC-ND 2.0)

Der Zugang zu Rohstoffen ist nicht allein von technologischen Möglichkeiten abhängig, sondern auch von den wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Der weltweit steigende Bedarf an Rohstoffen und die starke Konzentration der Förderung auf teilweise wenige Standorte oder auch Unternehmen haben zu der Sorge geführt, dass die Rohstoffversorgung dort zum Spielball politischer Interessen werden könnte, wo die Unternehmen staatlicher Steuerung unterliegen.

Bei vielen Seltenen Erden – unverzichtbar für hochtechnologische Produkte – hat China derzeit eine Monopolstellung. Zwar werden derzeit weltweit Lagerstätten von Seltenen Erden neu erschlossen oder stillgelegte wieder eröffnet, was das Angebot in der Zukunft auf eine breitere Basis stellt. Kurzfristig ist die besonders starke wirtschaftliche Position Chinas aber ein Faktum, das unter außen- und sicherheitspolitischen Aspekten zu betrachten ist. Vor allem die Tatsache, dass China 2010 den Export von Seltenen Erden nach Japan unterband, nachdem zwischen beiden der politische Konflikt um die Senkaku-Inseln wieder ausgebrochen war, nährt die Befürchtung, dass China bereit sein könnte, seine derzeitige Stellung für politische Zwecke zu nutzen. Premierminister Wen Jiabao betonte am 6. Oktober 2010 in Brüssel, China werde Seltene Erden nicht als Verhandlungshebel benutzen, sondern sei für die nachhaltige Entwicklung der Welt. An dieser Aussage muss China sich messen lassen.

Die Koalition hat das Thema „Deutschlands und Europas Rohstoffversorgung sichern“ seit Mitte 2010 auf die Agenda gesetzt. Der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder begrüßte am 7. Juli 2010 die Gäste des Rohstoff-Kongresses, bei dem die CDU/CSU-Bundestagsfraktion die Rohstoffstrategie der Fraktion vorstellte. Das Bundeskabinett hat am 20. Oktober 2010 die vom Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Rainer Brüderle, vorgelegte Rohstoffstrategie der Bundesregierung gebilligt. Die Europäische Rohstoffstrategie folgte im Februar 2011. Dank unserer Arbeit hat das zentrale Politikfeld Rohstoffsicherheit die Aufmerksamkeit, die ihm gebührt.

Am 26. Oktober 2011 wird der zweite Rohstoffkongress eine Bilanz des Erreichten ziehen und Schritte in die Zukunft aufzeigen. Die Bundeskanzlerin hält eine Grundsatzrede zur Rohstoffpolitik.

Es geht um Politik im Interesse der Menschen in Deutschland, Europa und den Partnerländern. Die CDU/CSU- und die FDP-Bundestagsfraktion formulieren deshalb in ihrem Antrag Wirtschafts- und Außenpolitik für eine sichere Rohstoffversorgung – Wachstum und Arbeitsplätze in Deutschland, Europa und den Partnerländern konkrete Forderungen für drei Handlungsfelder: 1. Wettbewerbsverzerrungen bekämpfen, 2. Diversifizierung, Recycling und Rohstoffeffizienz fördern und 3. mit internationaler Rohstoffpolitik einen fairen Interessenausgleich auf der Basis von Markt und Wettbewerb erreichen.

Wir begrüßen ebenso die Aktivitäten sowohl der Wirtschaft als auch politische Initiativen auf nationaler und europäischer Ebene zur Sicherung der Rohstoffversorgung. Mit ihrer Rohstoffpolitik schafft die Bundesregierung die erforderlichen Rahmenbedingungen für eine verlässliche, international wettbewerbsfähige Rohstoffversorgung.

 


Deutschlands und Europas Rohstoffversorgung sichern
Kongress in Berlin, 7.7.2010, 14:30 bis 18:45 Uhr

CDU/CSU-Rohstoffkongress am 7. Juli 2010 on Vimeo.

Beschluss der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vom 6. Juli 2010
vorgestellt auf dem Rohstoffkongress der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 7. Juli 2010 in Berlin

Eine sichere Rohstoffversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen ist von existenzieller Bedeutung für die deutsche und europäische Industrie. Während unsere Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten seit einiger Zeit auf der politischen Agenda steht, haben vergleichbare Versorgungsrisiken bei nichtenergetischen Rohstoffen noch nicht diese Aufmerksamkeit der Politik erlangt, obwohl sie bei einigen Metallen für den Hochtechnologiebereich  bereits höher sind als bei Öl und Gas. Eine hochgradige Importabhängigkeit besteht vor allem bei Metallen wie Kobalt, Platin, Titan, Indium und seltenen Erden wie Neodym. Diese strategischen Rohstoffe sind für Schlüsseltechnologien und damit für unsere technologische Zukunft unabdingbar.

Hohe Abhängigkeit von Rohstoffimporten

Es ist zwar eine Tatsache, dass die Ausstattung der Erdkruste mit Rohstoffen endlich ist, doch gibt es prinzipiell ausreichend mineralische Ressourcen. Die seit der Jahrtausendwende zu beobachtende hohe Preisvolatilität auf den Märkten ist das Ergebnis eines Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage. Die Rohstoffversorgung ist global vernetzt und dadurch von einem Staat oder gar einem einzelnen Unternehmen nur begrenzt beherrschbar. Marktstörungen bestehen zumeist in Lieferverzögerungen, sie sind Folge von Konzentrationsprozessen in der Bergbaubranche und der Instabilität von Förderländern. Marktstörungen entstehen auch, wenn durch das Wachstum von Schwellenländern die Nachfrage unvorhergesehen schnell ansteigt oder Technologieschübe Bedarfsspitzen zur Folge haben.

Das Störpotenzial ist dort besonders groß, wo keine Substitutionsmöglichkeiten für knappe Rohstoffe existieren. Die starken Schwankungen der Preise in den zurückliegenden Jahren gehen zu  einem großen Teil auf Fehleinschätzungen der Bergbauindustrie zurück:  Zum einen wurden technologische Neuerungen nicht vorhergesehen, zum anderen wurde die Branche von der stürmischen Entwicklung Chinas überrascht. China war der Hauptauslöser, aber nicht die alleinige Ursache des rekordhohen Preisanstiegs. Diese Hausse war auch das für die Rohstoffbranche typische zyklische Investitionsverhalten zurückzuführen.  In der Zukunft dürfte sich auch das Wachstum Indiens und anderer Schwellenländer merklich auf die Rohstoffnachfrage auswirken. Das wirtschaftliche Aufholen der weniger entwickelten Weltregionen ist gewollt und Voraussetzung für eine friedliche Zukunft.

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Eine sichere Versorgung mit Rohstoffen ist von lebenswichtiger Bedeutung für unsere Volkswirtschaft und daher ein wichtiges und gemeinsames Ziel von Politik und Wirtschaft.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion unterstützt die Sicherung der Versorgung unserer Industrie mit metallischen Rohstoffen im nationalen, europäischen und internationalen Rahmen, da davon unsere technologische Zukunft abhängt.

Am Mittwoch, dem 7. Juli 2010, findet in der Zeit vom 14:30 Uhr bis 19:15 Uhr im Reichstagsgebäude, CDU/CSU-Fraktionssitzungssaal, Deutscher Bundestag, Berlin, der Kongress “Deutschlands und Europas Rohstoffversorgung sichern” statt.

Rohstoffsicherheit aus Sicht der deutschen Industrie ist das Thema des Impulsreferats von Ulrich Grillo, Vorsitzender des Vorstands der Grillo-Werke AG und u. a. Mitglied des BDI-Präsidiums, erläutert hier seinen Standpunkt für eine aktive Rohstoffpolitik.

Ulrich Grillo, Präsident der WirtschaftsVereinigung Metalle e.V.

Es ist paradox. Auf den ersten Blick. Wir leben in einer wissensbasierten, technologisch hochindustrialisierten Wohlstandsgesellschaft und doch hängt unser Wohlstand, unsere Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit entscheidend von einem Produktionsfaktor ab, den die Menschheit bereits seit Jahrtausenden nutzt und der die Quelle unseres Wachstums und unserer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung ist: Rohstoffe.

Rohstoffe sind die Basis, ohne die es nichts von dem gäbe, was für uns heute so selbstverständlich und alltäglich ist. Ohne Rohstoffe keine Infrastruktur, keine Mobilität, keine Informations- und Kommunikationstechnologie, keine Konsumgüter, keine Medizintechnik und keine Arzneimittel. Oder anders ausgedrückt: Ohne Rohstoffe keine Industrie, ohne Industrie keine Innovation, ohne Innovation keine Zukunftstechnologien und ohne Zukunftstechnologien keine nachhaltige Entwicklung und keine Arbeitsplätze im Industrieland Deutschland. Eine sichere Rohstoffversorgung Deutschlands und Europas zu wettbewerbsfähigen Bedingungen ist die Voraussetzung für Wertschöpfung, Wachstum und Wohlstand – heute und in Zukunft. Rohstoffe sind die Problemlöser der globalen Herausforderungen vor denen wir stehen – von der Bekämpfung der Kindersterblichkeit, des Hungers und der Armut bis zum Umwelt- und Klimaschutz.

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