Archiv für “Volkskammerwahl”

Maria Michalk ist eine von drei Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion in der aktuellen Wahlperiode, die der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR angehörte. In der Nacht zum 23. August 1990 beschloss die Volkskammer das Ende der DDR. Nach stundenlangen Diskussionen einigten sich die Abgeordneten darauf, am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik beizutreten. Die deutsche Einheit wurde konkret.

Maria Michalk schildert 20 Jahre später ihre Eindrücke. Hören Sie:

Maria Michalk über den Beschluss zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik

Im Wortlaut:

Maria Michalk

Maria Michalk (1990, Mitglied der Volkskammer)

Die Volkskammer ist am 22. August 1990 zusammengetreten, um u. a. über das Wahlgesetz zu entscheiden. Denn wir hatten mehrere Anträge schon aus Vorsitzungen da, u. a. den der DSU am 17. Juni zum sofortigen Beitritt.

Überrascht hat uns übrigens an dem 22.08., dass sämtliche SPD-Minister an diesem Tag zurückgetreten sind – das war für die Atmosphäre auch nicht optimal. Jedenfalls kam es zu einer intensiven Diskussion, die wir draußen im Volk ja nun schon lange hatten. Es gab mehrere Vorschläge, wann der Beitritt stattfinden soll. Antrag der DSU wie gesagt eben 17.06. oder eben dann aktuell 22.08.. Die SPD wollte bis zum 15. September den Beitritt geregelt haben und die CDU/DA-Fraktion war vorerst auf den 14. Oktober fixiert.

Ja, es gab viele Auszeiten in der aktuellen Sitzung. Letztendlich hat dann der Ministerpräsident den Antrag auf eine Sondersitzung gestellt, die abends 21 Uhr begann, aber auch gleich wieder mit dem Antrag der DSU zum sofortigen Beitritt. Die Grünen haben gleich wieder eine Auszeit beantragt, also, Sie merken, wir haben auch die Nachtsitzung mit etwas chaotischen Verhältnissen begonnen, obwohl alle – das ist meine ganz persönliche Wertung – alle bis auf die Abgeordneten der PDS den festen Willen hatten, jetzt den Termin festzulegen, denn die Verabschiedung des Wahlgesetzes für das gesamtdeutsche Parlament und die Festlegung des Wahltermines, das musste eine Einheit sein.

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Katharina Landgraf

Katharina Landgraf (1990)

Katharina Landgraf ist eine von drei Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion in der aktuellen Wahlperiode, die der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR angehörte. Anlässlich des 20. Jahrestages der Volkskammerwahl am 18. März 1990 erinnert Sie sich an die Zeit der Wende:

Was ist Ihnen an Ihrer Zeit in der Volkskammer besonders in Erinnerung geblieben?

Unendlich viele Marathon-Sitzungen, kaum leere Sitzplätze im Plenum. Wir waren oft von neun Uhr morgens und bis weit in die Nacht hinein zusammen. Wir erlernten dabei die Spielregeln des Rechtsstaates und der Demokratie. Und gleichzeitig waren wir die  Akteure, die im Eiltempo eine Vielzahl von Gesetzen zu beschließen hatten – ohne jegliche Erfolgsgarantie. Ständig wurde unser Tun begleitet von neuen Erkenntnissen über Missstände im Lande und über das System und den Herrschaftsapparat  der SED. Das war atemberaubend. In der Erinnerung mutet es etwas skurril an, dass wir damals trotz alledem Zeit gefunden haben für einen „Chor der Fraktion“. Zum Geburtstag unseres Abgeordnetenkollegen Günter Krause sangen wir beispielsweise vierstimmig „Lobet den Herren“. Gewohnt haben wir zeitweise in den früheren Mannschaftsräumen der Stasi nahe der Normannenstraße, anfangs zu viert in einem Zimmer und einer Dusche. Das allmorgendliche Chaos war so vorprogrammiert.

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Dr. Michael Luther

Dr. Michael Luther (1990)

Dr. Michael Luther ist einer von drei Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion in der aktuellen Wahlperiode, die der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR angehörte. Anlässlich des 20. Jahrestages der Volkskammerwahl am 18. März 1990 erinnert Sie sich an die Zeit der Wende:

Was ist Ihnen an Ihrer Zeit in der Volkskammer besonders in Erinnerung geblieben?

Zum einen waren wir ein vom Freiheitswillen der Herbstrevolution geprägtes Parlament. Zum anderen gab es keine Geschäftsordnung, die die Parlamentsarbeit regelte, wie sie der Bundestages kennt. Das heißt, es gab weder vereinbarte Debattenzeiten noch Rednerlisten. Jeder konnte sich melden, wann immer er wollte. Das führte dazu, dass die Debatten immer bis spät in die Nacht dauerten. Jede, auch jede offene Abstimmung wurde ausgezählt. Entscheidungen im Parlament waren am Beginn einer Tagesordnung in ihrem Ausgang nicht immer absehbar. Ausschussempfehlungen wurden oftmals im Plenum korrigiert.

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Maria Michalk

Maria Michalk (1990)

Maria Michalk ist eine von drei Abgeordneten der CDU/CSU-Fraktion in der aktuellen Wahlperiode, die der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR angehörte. Anlässlich des 20. Jahrestages der Volkskammerwahl am 18. März 1990 erinnert Sie sich an die Zeit der Wende:

Was ist Ihnen an Ihrer Zeit in der Volkskammer besonders in Erinnerung geblieben?

Nach dem Wahlauftakt der „Allianz für Deutschland“ für den Wahlkreis 03 (Dresden) im Kulturpalast Dresden begann ein dreiwöchiger intensiver Wahlkampf. Tagsüber gingen wir unserer normalen Arbeit nach, aber jeden Abend war ich in einer Gemeinde unterwegs. Die Veranstaltungen waren sehr gut besucht mit interessierten und vor allem fragenden Bürgern.

Besonders in Erinnerung ist mir ein Abend mit Wolfgang Vogt, MdB, damals parlamentarischer Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium. Er war unser Gastredner zum Thema „Wie funktioniert die soziale Sicherung in der sozialen Marktwirtschaft?“. Da der örtliche Saal zu klein war, verlegten wir die Versammlung kurzerhand mit Zustimmung des örtlichen Pfarrers in die Kirche.

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