Finanzmarkt, Politik

Der Euro vor einer neuen Herausforderung?

Theodor Waigel, ehemaliger Bundesfinanzminister (Foto: Hanns-Seidel-Stiftung)
Theodor Waigel, ehemaliger Bundesfinanzminister (Foto: Hanns-Seidel-Stiftung)

Der Euro hat sich auch in der globalen Finanzkrise als Stabilitätsanker im Weltfinanzsystem erwiesen, schreibt der ehemalige Bundesfinanzminister Theo Waigel. Kassandra-Rufe werden durch die Realität widerlegt. Die Aufschläge, die Länder mit laxer Haushaltspolitik zahlen müssen, wären ohne Euro viel höher.

Die Europäische Gemeinschaftswährung ist mittlerweile zehn Jahre alt. Der Euro hat seine innere Stabilität unter Beweis gestellt. Nach dem Dollar hat er sich zur zweitwichtigsten Handels- und Reservewährung entwickelt. In der Zeit nach dem Platzen der New Economy-Blase und nach den Erschütterungen des 11. September 2001 hat er seine Feuerprobe bestanden. Und auch in der jetzigen globalen Finanzkrise hat er sich als Stabilitätsanker im Weltfinanzsystem erwiesen. Mit der Europäischen Zentralbank hat Europa endlich jene Telefonnummer, die Henry Kissinger gegenüber der EU so lange vermisst hat.

Die Vorteile des Euro sind unbestritten. Zu ihnen gehört insbesondere die tendenzielle Entstehung eines integrierten Finanzmarkts. Bestanden vor der Euro-Einführung zwischen den EU-Mitgliedern erhebliche Differenzen im Hinblick auf die Kapitalmarktzinsen, kam es mit der Gemeinschaftswährung zu einem fast einheitlichen Zinsniveau. Gewinner dieser Entwicklung waren vor allem jene Staaten, die mit hohen Schuldenständen zu kämpfen hatten, denn ihre Zinsausgaben gingen infolge gesunkener Zinssätze erheblich zurück.

Auch die Europäische Union blieb bekanntlich von der Finanzmarktkrise nicht verschont. Die Währungen mehrerer osteuropäischer Beitrittsländer gerieten unter Druck, da sie einen spürbaren Kapitalabfluss zu verzeichnen hatten. Dies führt zwangsläufig zu Problemen in der Zahlungsbilanz. Doch im nachlassenden Vertrauen der Finanzmärkte zeigt sich letztlich nur, dass diese Staaten ihren reformpolitischen Hausaufgaben nicht ausreichend nachgekommen sind. Bei aller gebotenen innereuropäischen Solidarität ist in dieser Stunde primär nicht die EU gefragt. Vielmehr ist in dieser Situation der Internationale Währungsfonds der geeignete Ansprechpartner, da er Kredithilfen an geeignete Auflagen im Hinblick auf solide Staatsfinanzen und wirtschaftliche Reformen knüpfen kann.

Betroffen von der Krise sind aber auch einige Mitglieder der Euro-Zone. Infolge ihrer laxen Haushaltspolitik müssen sie im Zuge der Finanzkrise auf ihre Staatsanleihen Risikoaufschläge – in der Fachsprache Spreads genannt – zahlen. Allerdings halten sich diese Aufschläge in Grenzen. Sie bewegen sich bei Griechenland und Irland bei über zwei Punkten, bei Italien, Belgien und Spanien bei gut einem Punkt. Fundamentalkritiker des Euro nehmen dies zum Anlass, ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone an die Wand zu malen. Doch die Realität sieht anders aus. Keiner dieser Kassandra-Rufer stellt die Frage, wie es um diese Länder stünde, wenn sie nicht der Euro-Zone angehören würden. Die Spreads betrügen dann nicht ein bis zwei Prozent, sondern fünf bis sechs Prozent, wie dies noch vor Einführung des Euro der Fall war. Auch Deutschland stünde bei einem solchen Szenarium schlechter dar. In Krisen wie der jetzigen wäre es mit Sicherheit zu einem Aufwertungsdruck gegenüber der D-Mark gekommen mit der Folge eines völligen Zusammenbruchs unserer Exporte. Weder Deutschland noch den übrigen Euro-Mitgliedern wäre mit einem Auseinanderbrechen der Währungsunion gedient. Kassandra wird mithin auch in der jetzigen Bewährungsprobe widerlegt werden.

Ein Kommentar zu »Der Euro vor einer neuen Herausforderung?«

  1. Hartmut Dresia schrieb:

    Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone steht wohl nicht bevor. Allerdings sollte die Rolle der EZB einer kritischen Diskussion unterzogen werden. Der Aufbau der Bankenkrise hat sich unter ihren Augen zugetragen, sie kann sich jetzt nicht darauf beschränken, immer nur auf die Haushalte der Mitgliedsländer zu verweisen.

    Angesichts der konjunkturellen Situation sind eine weitere rasche Senkung des Leitzinses und auch unkonventionelle Maßnahmen wie den Aufkauf von Wertpapieren in Betracht zu ziehen.

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