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New York und (k)ein Ende?!

Kennt jemand noch „Und täglich grüßt das Murmeltier„? Diesen Film, in dem Bill Murray alias Wettermann Phil Connors immer wieder früh morgens aufwacht und den selben Tag wieder und wieder erlebt?

Holger Haibach in New York
Holger Haibach in New York vor dem Deutschen Haus

So bin ich mir in den vergangenen Tagen hier in New York vorgekommen und komme mir immer noch so vor.

Dabei hatte doch alles so vielversprechend angefangen: eine Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung zu einer Konferenz mit amerikanischen Kongressabgeordneten, „Think-Tankern“ und Mitgliedern der Obama-Administration zu allen wichtigen transatlantischen Fragen von Finanzkrise bis Abrüstung. Dazu findet das alles in Washington und New York statt. Für einen Außenpolitiker eine wunderbare Gelegenheit, wichtige Themen zu besprechen und Verbindungen zu knüpfen.

So weit, so gut: gute Gespräche, eine gelungene Tagung – und dann? Ein unaussprechlicher Vulkan in Island legt den Flugverkehr zwischen den USA und Europa lahm und aus geplanten vier Tagen werden sieben, acht, neun oder zehn. Wann es einen Weg zurück nach Europa gibt, weiß man nicht genau, so teilt man uns mit.

Nun gibt es sicherlich schlimmere Orte um zu stranden als ausgerechnet New York. Deshalb hält sich auch das Mitleid meiner Freunde auf Facebook in sehr engen Grenzen, vor allem, da ich ein Hotelzimmer habe, was hier derzeit keine Selbstverständlichkeit ist.

Trotzdem: in Berlin ist Sitzungswoche, die Adenauer-Stiftung hat eine afghanische Delegation angekündigt, ich habe eine Besuchergruppe, Fraktionsvorstand, Fraktion, Ausschuss, der Schreibtisch voll Arbeit usw usw.

Und dann der „Murmeltier-Effekt„. Jeden Tag um 10 und um 17 Uhr Treffen der Delegation. Gerüchte machen die Runde; der Luftraum werde geöffnet; nein, es gebe eine neue Aschewolke; ein Flugzeug werde gechartet, dann doch nicht; wir seien jetzt auf den Flug xy umgebucht oder zumindest auf der Warteliste. Am Ende: nichts Konkretes, auch kein Flug. Woran nicht die Organisatoren schuld sind, sondern an der außergewöhnlichen Lage.

Was noch vor Jahren als Information (nämlich dass wir nicht zurückkommen) lange seinen Weg über den Atlantik hätte suchen müssen und uns alle zur Untätigkeit verdammt hätte, stellt heute „nur“ eine Notwendigkeit zur Umplanung dar. Da werden Laptops zu alternativen Arbeitsplätzen, Bewerbungsgespräche werden via Skype geführt, allenthalben wird gesmst, gemailt und telefoniert.

Auch bei mir: Die Heimatzeitung meldet sich um 6.30 Uhr Ortszeit und möchte ein Foto des in New York gestrandeten Abgeordneten, am besten vor der Deutschen UN-Mission und zwar gleich? Aber klar doch! Das Foto war in kürzester Zeit „im Kasten“ und dann auch so schnell auf dem Weg, dass es noch für die Ausgabe am nächsten Tag reichte.

Ein Grußwort für die Parteizeitung eines CDU-Stadtverbandes redigieren? Per E-Mail kein Problem. Ebenfalls die Durchsicht eines Artikels für die Adenauer-Stiftung zur Fußball-WM in Südafrika. Terminanfragen finden im globalen Dorf ihren Weg über den Atlantik und kommen innerhalb von Minuten mit „ja“ oder „nein“ versehen zurück.

Und auch physisch werden wir beschäftigt. Eine Diskussion beim American Council on Germany mit uns Abgeordneten? Wird in einem halben Tag organisiert und muss dann beinahe nach 10 Minuten abgebrochen werden, weil ein Teil der Gruppe urplötzlich die Chance bekommt, nach Hause zu fliegen. Andere Termine: kein Problem, wir und die anderen sind ja flexibel.

Die einzig spannende Frage bleibt: Wie lange noch? Wird es der Flug am kommenden Freitag oder kommen wir doch noch früher nach Hause?

Jetzt geht es erst einmal zum Flughafen, zum nächsten Versuch. Aber man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben: Bill Murray ist ja dann schließlich auch „an einem anderen Tag“ aufgewacht…“

Ein Kommentar zu »New York und (k)ein Ende?!«

  1. cap schrieb:

    der film (und täglich grüßt das murmeltier) ist ein klassiker. netter artikel!

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