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Deutschlands und Europas Rohstoffversorgung sichern

Deutschlands und Europas Rohstoffversorgung sichern
Kongress in Berlin, 7.7.2010, 14:30 bis 18:45 Uhr

CDU/CSU-Rohstoffkongress am 7. Juli 2010 on Vimeo.

Beschluss der CDU/CSU-Bundestagsfraktion vom 6. Juli 2010
vorgestellt auf dem Rohstoffkongress der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 7. Juli 2010 in Berlin

Eine sichere Rohstoffversorgung zu wettbewerbsfähigen Preisen ist von existenzieller Bedeutung für die deutsche und europäische Industrie. Während unsere Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten seit einiger Zeit auf der politischen Agenda steht, haben vergleichbare Versorgungsrisiken bei nichtenergetischen Rohstoffen noch nicht diese Aufmerksamkeit der Politik erlangt, obwohl sie bei einigen Metallen für den Hochtechnologiebereich  bereits höher sind als bei Öl und Gas. Eine hochgradige Importabhängigkeit besteht vor allem bei Metallen wie Kobalt, Platin, Titan, Indium und seltenen Erden wie Neodym. Diese strategischen Rohstoffe sind für Schlüsseltechnologien und damit für unsere technologische Zukunft unabdingbar.

Hohe Abhängigkeit von Rohstoffimporten

Es ist zwar eine Tatsache, dass die Ausstattung der Erdkruste mit Rohstoffen endlich ist, doch gibt es prinzipiell ausreichend mineralische Ressourcen. Die seit der Jahrtausendwende zu beobachtende hohe Preisvolatilität auf den Märkten ist das Ergebnis eines Ungleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage. Die Rohstoffversorgung ist global vernetzt und dadurch von einem Staat oder gar einem einzelnen Unternehmen nur begrenzt beherrschbar. Marktstörungen bestehen zumeist in Lieferverzögerungen, sie sind Folge von Konzentrationsprozessen in der Bergbaubranche und der Instabilität von Förderländern. Marktstörungen entstehen auch, wenn durch das Wachstum von Schwellenländern die Nachfrage unvorhergesehen schnell ansteigt oder Technologieschübe Bedarfsspitzen zur Folge haben.

Das Störpotenzial ist dort besonders groß, wo keine Substitutionsmöglichkeiten für knappe Rohstoffe existieren. Die starken Schwankungen der Preise in den zurückliegenden Jahren gehen zu  einem großen Teil auf Fehleinschätzungen der Bergbauindustrie zurück:  Zum einen wurden technologische Neuerungen nicht vorhergesehen, zum anderen wurde die Branche von der stürmischen Entwicklung Chinas überrascht. China war der Hauptauslöser, aber nicht die alleinige Ursache des rekordhohen Preisanstiegs. Diese Hausse war auch das für die Rohstoffbranche typische zyklische Investitionsverhalten zurückzuführen.  In der Zukunft dürfte sich auch das Wachstum Indiens und anderer Schwellenländer merklich auf die Rohstoffnachfrage auswirken. Das wirtschaftliche Aufholen der weniger entwickelten Weltregionen ist gewollt und Voraussetzung für eine friedliche Zukunft.

Besondere Risiken bei strategischen Rohstoffen

Bei  Metallen für Hochtechnologien ist die Versorgungssicherheit aus drei Gründen besonders kritisch: Es handelt sich um strategische Rohstoffe für unsere Industrie; die Zahl ihrer Lieferländer ist sehr klein, und es bestehen derzeit keine Substitutionsmöglichkeiten.

Ihre wichtigsten Fördergebiete liegen in China,  Afrika,  Südamerika, Russland und Australien.  Schwellenländer unter den Produzenten neigen zunehmend dazu, durch Exportbeschränkungen ihren eigenen  Industrien einen privilegierten Zugang zu heimischen Rohstoffen zu sichern oder sich einen solchen Zugang in anderen Förderländern zu verschaffen. So hat China, der größte Produzent von Hochtechnologie-Metallen, den Export von Neodym eingeschränkt,  bei dem es mit
98 Prozent der Weltproduktion quasi über ein Monopol verfügt. Zudem versucht sich Peking mit Erfolg exklusive Förderrechte vor allem in Afrika zu sichern.

Die EU hat jüngst 450 Exportbeschränkungen für mehr als  400 Rohstoffe festgestellt. Über 50 Prozent der wichtigen Rohstoffvorkommen liegen in Ländern mit einem Pro-Kopf-Einkommen von unter zehn Dollar pro Tag. Mehr als die Hälfte der weltweiten Rohstoffproduktion erfolgt in politisch instabilen Ländern. Bei einigen Erzen stammt sogar die gesamte Weltförderung aus solchen Ländern. Damit ist das politische Risiko, dass diese Länder aufgrund von militärischen Konflikten, Terrorismus oder der Verstaatlichung von Rohstoffquellen als Lieferanten ausfallen, hoch.

Herstellen von Versorgungssicherheit

Die kritische Abhängigkeit unserer Industrie von bestimmten Rohstoffen zeigt die Dringlichkeit eines Übergangs zu einer effizienteren Volkswirtschaft und zu einer nachhaltigen Entwicklung. Rohstoff-Sicherheit ist ein volkswirtschaftliches Gut, für dessen Bereitstellung Privatwirtschaft und Staat kooperieren müssen. Die Unternehmen müssen dafür eigene Strategien entwickeln, wobei der Staat für den Rahmen zuständig bleibt. Besonders muss die Industrie Ressourcen-Effizienz, Recycling und die Substitution sowie der verstärkte Einsatz erneuerbarer Rohstoffe fördern. Unternehmen können zudem durch strategische Planung, langfristige Lieferverträge, Diversifizierung der Lieferbeziehungen, der Pflege guter Geschäftsbeziehungen und der Beteiligung an Rohstoffförderung in Exportländern (Rückwertsintegration) notwendige Rohstoffe langfristig sichern.

Aufgrund der hohen Abhängigkeit von Importen sind freie Weltmärkte eine Voraussetzung für die Rohstoffversorgung, doch die Handels- und Wettbewerbsverzerrungen haben infolge der Wirtschaftskrise noch zugenommen. Die Herausforderungen für die Versorgung mit nichtenergetischen Rohstoffen betreffen Wirtschafts- und Umweltpolitik ebenso wie Außen-, Handels- und Entwicklungspolitik. Daher muss auf nationaler und auf EU-Ebene eine übergreifende Strategie entwickelt werden, die auf die Sicherung eines diskriminierungsfreien Zugangs zu den auf dem Weltmarkt gehandelten Rohstoffen,  auf die Reduktion des Rohstoffverbrauchs und auf die Versorgung mit Rohstoffen aus heimischen Quellen zielt.  Die ersten Schritte in Richtung einer integrativen Rohstoffdiplomatie sind in Brüssel inzwischen unternommen worden. Viele Maßnahmen sind nur auf dem Wege internationaler Kooperation möglich. Dazu gehören eine bessere Koordination in der Entwicklungszusammenarbeit wie auch andere Initiativen zur Stabilisierung rohstoffreicher Entwicklungsländer und Organisationen die sich für Transparenz und gegen Korruption auf den Rohstoffmärkten einsetzen.

3 Kommentare zu »Deutschlands und Europas Rohstoffversorgung sichern«

  1. H.Lang schrieb:

    Hallo liebe CDU-Blogger,
    Euer Video vom Rohstoff-Kongress funktioniert leider nicht. Könnt Ihr das checken und besser noch reparieren?
    Danke

    H.Lang

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