Politik

Zur Lage des deutschen Films

Gleißendes Licht und lange Schatten erlebt der deutsche Film in diesen Tagen. Die 61. Berlinale ist in vollem Gange und Berlin für zehn Tage wieder der Mittelpunkt der cineastischen Welt. Letzten Freitag ist die Verordnung der Bundesregierung zur Digitalisierung der Kinos in Kraft getreten. Demgegenüber steht die Beerdigung Bernd Eichingers in der letzten Woche, einer der prägendsten Figuren des deutschen Films überhaupt.

Chinon 8mm Movie Camera, by SPDP, http://www.flickr.com/photos/10068173@N08/3118408862/
Image by SPDP on flickr.com (CC BY 2.0)

Sein Tod reißt eine Lücke in einer Zeit, da sich in der Filmbranche Zweifel und Selbstkritik breit gemacht haben. Provozierend fragten FAZ-Feuilletonisten vor wenigen Tagen: Woran liegt es, dass das deutsche Kino so reich ist an Talenten und Könnern, aber so arm an guten Filmen?

In der Branche wachsen derzeit Ratlosigkeit und Zweifel. Eine Frischzellenkur wird gefordert, mehr Innovation, weniger Subvention. Mut zum thematischen Risiko und gesellschaftskritische Kompromisslosigkeit, mehr Klasse, weniger Masse.

Dabei war das Kinojahr 2009 ein Rekordjahr, der Marktanteil deutscher Filme mit 27,4 Prozent so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Und wenn Martin Moszkowicz von der Constantin Film im Cicero feststellt, dass von zehn großen Filmproduktionen jetzt acht in Deutschland gedreht werden (früher war es umgekehrt!), dann wird damit der Nachweis erbracht: Deutschland als Produktionsstandort hat an Zuspruch gewonnen.

Die hohe Qualifikation der Filmschaffenden trägt dazu bei. Auch der finanzielle Rahmen stimmt: 70 Millionen Euro Fördermittel umfasst der Betrag der Filmförderanstalt (FFA), 60 Millionen Euro steuert der Deutsche Filmförderfonds bei; hinzu kommen die Länderförderungen.

Trotzdem gab es einen Besuchereinbruch im Jahr 2010. Die Ursache dafür ist nicht nur auf die Fußball-WM zurückzuführen, sondern nach Brancheneinschätzung auch auf zu viel Mittelmaß: zu viele deutsche Filme, die sich gegenseitig das Publikum streitig machen, zu wenige attraktive Drehbücher und wagemutige Produzenten, und dazu bei manchen Produktionen ein Zeitdruck, der Sorgfalt verhindert, wenn z. B. pro Drehtag sechs Filmminuten abgeliefert werden müssen.

Besonders kritisch wird die Rolle des Fernsehens im Filmsystem hinterfragt. Es gehört, ob öffentlich-rechtlich oder privat, zu den wichtigsten Kultur- und Filmförderern unseres Landes. Viele Filme auch von jungen Filmemachern wurden erst durch sie möglich. Und auch an der Filmförderung durch die FFA sind sie neben der Videowirtschaft und den Kinobetreibern maßgeblich beteiligt. Die Handelnden klagen jedoch über die Förderauflagen und Förderanteile des Fernsehens. Sie weisen auf Frankreich hin: Dort stamme zwei Drittel der 500 Millionen Euro Finanzierung vom Fernsehen. Dieser Kritik muss die Branche selbst, müssen auch wir als Mitförderer nachgehen.

Sollte sie zutreffen, gehört die Filmförderung insgesamt auf den Prüfstand, denn auch Teile der Kinowirtschaft erweisen sich immer mehr als Wackelkandidaten im Finanzierungsystem.

Wir als Union werden uns weiter für stabile Rahmenbedingungen für den kreativen, den kritischen, aber auch den gut unterhaltenden Film einsetzen.

Dass die Politik eine konstruktive Rolle in der Filmförderung spielt, zeigt ihr Handeln bei der Kinodigitalisierung. Die Programm- und Filmkunstkinos, die allesamt die kulturelle Vielfalt abseits von Hollywood garantieren, sind die großen Nutznießer. Sie haben endlich eine Entwicklungsperspektive erhalten. Mit dem Bundeshaushalt 2010 stehen fünf Jahre lang jährlich 4 Millionen Euro zur Verfügung. 80 Prozent der Kosten der Kinodigitalisierung werden durch dieses Förderkonzept von Bund, FFA und den Ländern abgesichert.

Wolfgang Börnsen ist kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

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