Politik

Die Zukunft des Journalismus: Prekär, abhängig, minderwertig?

Bleibt das journalistische Notizbuch in Zukunft leer? (Image by Alice Lucchin, flickr.com, CC BY-NC-SA 2.0)

Qualitativ hochwertiger und unabhängiger Journalismus ist unerlässlich für das Funktionieren unserer Demokratie. Dennoch steht das Arbeitsfeld Journalismus mehr denn je unter Druck. Die Presseverleger stecken teilweise in wirtschaftlichen Schwierigkeiten – vor allem bedingt durch die Konkurrenz des Internets, veränderte Nutzungsgewohnheiten und sinkende Anzeigenerlöse. Diese Probleme der Verlage und Zeitungen gehen an vielen Journalisten nicht vorüber, die sich mit erschwerten Arbeitsbedingungen konfrontiert sehen.

Zu beobachten ist, dass es immer weniger Journalisten in Festanstellung gibt, dafür immer mehr Freie. Dies gilt ebenfalls für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Viele kleinere Zeitungen übernehmen mangels eigenen Personals ungeprüft Artikel von PR-Firmen, kopieren einfach nur Meldungen der Nachrichtenagenturen oder füllen ihre Seiten mit den Beiträgen von sogenannten Leserreportern. Besonders der Lokaljournalismus kann vielerorts nicht mehr früheren Ansprüchen genügen.

Der Wert einer journalistischen Leistung wird zudem durch die Gratis- und „Mitmach“-Kultur im Internet in Frage gestellt. Journalisten haben ihre frühere „Torwächterfunktion“ verloren. Gleichzeitig wird die soziale Lage von Journalisten prekärer, da allein von ihrer journalistischen Tätigkeit viele nicht leben können.

Welche langfristigen Konsequenzen ergeben sich für qualitativ anspruchsvollen und seriösen Journalismus aus diesem Befund? Wie verändert sich Journalismus durch den Einfluss des Internets? Welche Veränderungen gibt es in der Ausbildung? Welche Tendenzen der Boulevardisierung und Verflachung lassen sich feststellen? Was kann die Politik überhaupt tun?

Um diesen und anderen Fragen nachzugehen, hat die CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein öffentliches Expertengespräch im Ausschuss für Kultur und Medien des Deutschen Bundestages initiiert (23. Februar, 15.30 Uhr – 17.00 Uhr, Livestream im Parlamentsfernsehen des Bundestages).

Die Unionsfraktion hat die Zukunft des Qualitätsjournalismus zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit gemacht. Der Kultur- und Medienausschuss wird in weiteren Veranstaltungen alle Facetten des Themas aufgreifen. Ein öffentliches Gespräch mit den Vertretern der Journalisten- und Verlegerverbände sowie der Rundfunkanstalten ist ebenso geplant wie eine Vertiefung der Aspekte der sozialen Lage und der Ausbildungssituation von Journalisten.

Im Blog des Journalisten Matthias Spielkamp finden Sie eine Zusammenstellung der Leitfragen des Gespräches und unter diesem Link (PDF) die offizielle Mitteilung mit allen teilnehmenden Experten.

Update: Robin Meyer-Lucht hat live mitgebloggt und auf CARTA ein kurzes Fazit gezogen.

Das Expertengespräch in der Mediathek des Deutschen Bundestages:

4 Kommentare zu »Die Zukunft des Journalismus: Prekär, abhängig, minderwertig?«

  1. Fabian schrieb:

    Die „Mitmach“-Kultur im Internet ist das Beste, was der Demokratie passieren kann, da hier in den Artikel Quellen direkt verlinkt werden können (außer Zeitungsverlage verstecken sie hinter Paywalls). Das schafft Tranzparenz und Vertrauen in die Meldungen und fördert die Qualität. Was in der gedruckten Zeitung steht ist für den Konsumenten meist nicht oder nur schwer zu überprüfen und muss einfach so geglaubt werden.

  2. Monika Sieg-Wilhelm von Humboldt Gesellschaft e.V. schrieb:

    Unsere deutsche Sprache ist unser wichtigstes Kulturgut und muss stets bewahrt und nicht verdorben werden. Wir haben ein reichen Wortschatz und brauchen keine Anglizismen zusätzlich. Auch für eine einwandfrei Grammatik sollte zukünftig mehr getan werden. Es heißt auch niemals:“Ich bin am Arbeiten, am Telefonieren ….usw.“ Was soll solcher Schwachsinn. Sogar die Medien fühlen sich mit solchen Formulierungen im Trend liegend.
    Deutsche Schlagersänger kommen in Führung mit englichen Texten. Das ist nicht in Ordnung.
    Wir, die Wilhelm von Humboldt Gesellschaft e.V., setzen uns für die Förderung der deutschen Sprache ehrenamtlich ein und würden uns über mehr Unterstützung freuen, indem wir zu solchen Veranstaltungen auch einmal eingeladen würden.

  3. Monika Sieg-Wilhelm von Humboldt Gesellschaft e.V. schrieb:

    Besonders begrüßen würden wir, wenn ein Wettbewerb für besonders begabte Rezitatoren ins Leben gerufen werden könnte. Eine Arbeitsgemeinschaft „Rezitation“ in Schulen wäre ein erster Schritt, den wir gern ünterstützen möchten.
    Manches schlummernde Talent würde sicher entdeckt werden und damit ein Unterstützer der deutschen Spache mehr.
    Im Rahmen der „Stiftung Lesen“ versuchen wir, schon die jüngsten Leser für Literatur zu begeistern.
    Ich selbst war eine „faule Leserin“, aber meine Mutter hat es verstanden, mich zeitig an Bücher heranzuführen.
    Dafür bin ich noch heute, nach über 50 Jahren sehr dankbar.

  4. Ckey schrieb:

    Was haben die beiden Einlassungen von Frau Sieg mit dem vorgenannten Thema zu tun?

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