Politik

Die Erforschung neuer regenerativer Energietechnologien muss beschleunigt werden

Prof. Dr. Robert Schlögl arbeitet beim Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin. Am 12. April diskutiert er gemeinsam mit anderen Experten bei der fraktionsoffenen Sitzung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion über die „Situation in Japan und die Perspektive der Energieversorgung in Deutschland“. Dies sind seine Thesen:
 

Prof. Dr. Robert Schlögl

1. Die Bundesregierung hat in der Energiepolitik eine Zäsur gesetzt. Diese sollte als ein Impuls  zur Umsetzung von Inhalten des Energiekonzeptes genutzt werden und sich nicht in vordergründigen Debatten um die Atmspaltungstechnologie erschöpfen. Eine Beruhigung der Diskussion und eine vorurteilsfreie Ofenlegung der Fakten und Konsequenzen aller Handlungsoptionen durch die Beteiligten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft müssen einer Entscheidungsfindung vorangehen.

2. Die Politik hat die Aufgabe, die Rahmenbedingungen der Energieversorgung zu setzen und in verbindlicher und vorhersehbarer Form den sich ändernden Rahmenbedingungen anzupassen. Das Ergebnis sollte  in einem Energieversorgungsplan mit einem Planungshorizont von 10 Jahren fixiert sein. Dazu ist ein überparteilichertragfähiger Konsens zu finden, da die Zeiträume der Umsetzung dieses Plans viele Legislaturperioden erfordert. Die umsetzende Industrie ist unter dem Primat der Richtlinienkompetenz der Politik eingebunden. Die Aktionen in Deutschland werden global beachtet und beeinflussen unsere zukünftige internationale Wettbewerbsfähigkeit als Technologienation.

3. Regenerative Quellen können einen erheblichen Teil des Energiebedarfes decken wenn sie systemisch sinnvoll und subsidiär eingesetzt werden. Es gilt soviel regenerative Energie wie möglich lokal zu nutzen und soviel Energie wie nötig zu importieren.  Man beachte, dass stoffliche Energieträger und elektrischer Strom gleichwertig nebeneinander stehen.

4. Regenerative Energie liegt zu einem großen Teil zeitlich variabel und nicht koordiniert mit dem Bedarf vor, zu einem kleineren Teil kommt sie gespeichert in Biomasse und  in Wasser vor. Teilweise wird dieses Problem durch einen Umbau der Stromverteilstruktur und ein freiwilliges Lastmanagement lösbar. Ein darüber hinausgehender Ausgleich der Energiebilanz mit Importen und mit Biomasse alleine ist nicht nachhaltig, es bedarf der Einführung stofflicher nicht-biologischer Speicher mit unterschiedlichern Speicherzeiten.

5. Elektrische Speicher existieren in Form von Akkumulatoren in mobilen und stationären Anwendungen. Es gibt eine Vielzahl von möglichen elektrischen Speichern, die nur unzureichend entwickelt und in praxistauglichen Dimensionen erprobt sind.

6. Ein erheblicher Anteil der regenerativen Primärenergie wird in chemischen Bindungen als stoffliche Energieträger benötigt werden. Diese können heimisch erzeugt werden, lassen sich aber auch international herstellen und handeln. Der Primärträger Wasserstoff hat dabei eine begrenzte Bedeutung als lokaler chemischer Speicher. Wesentlich nützlicher sind sekundäre chemische Energieträger aus regenerativ erzeugtem Wasserstoff, die existierende Anschlusstechnogien für Transport, Verteilung und Wandlung nutzen. Solare Brennstoffe  mit gleichen oder verbesserten chemischen Strukturen wie herkömmliche fossile Träger können unter Verwendung von Kohlendioxid hergestellt werden, es gibt jedoch auch kohlenstofffreie Träger.

7. Die nötigen Technologien existieren heute nur in Ansätzen, die nicht skalierbar und nachhaltig sind. Neben einer beschleunigten Forschung auf diesem Gebiet sind Feldversuche mit den heute verfügbaren Techniken erforderlich, um Betriebserfahrungen in komplex verteilten Energiesystemen zu sammeln. Die Forschungsagenda ist gut im entsprechenden Dokument der Nationalen Akademien beschrieben. Eine Beschleunigung der Forschung ist wesentlich, da man so neben der Erfüllung der Ziele des Energiekonzeptes zeitliche Vorsprünge im Aufbau und im Verkauf der daraus resultierenden Technologien im internationalen Wettbewerb gewinnt.

4 Kommentare zu »Die Erforschung neuer regenerativer Energietechnologien muss beschleunigt werden«

  1. Harald Dittrich schrieb:

    Hallo,
    ich habe einen Beitrag über einen neuen Treibstoff aus Algen gesehen, den EADS entwickelt hat. Damit kann schon ein Flugzeug fliegen. Wäre dieser Treibstoff nicht das Ei des Kolumbus?

    Mit freundlichen Grüßen
    Harald Dittrich

  2. Pingback Energie- und Wasserwirtschaft verlangt von Politik belastbaren Konsens für Atomausstieg

  3. Robert Schlögl schrieb:

    So einfach ist das nicht. Derzeit laufen Tests mit Biotreibstoffzusätzen aus Ölfrüchten, die max 10% zu Kerosin betragen. Neue Treibstoffe benötigen auch neue Turbinen. Übrigens hat man darüber nachgedacht wie energieeffizient der Lebenszyklus der Algen ist und wieviel CO2 sie ausstoßen während sie wachsen?

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