Politik

Keine Entscheidung über Lebenswert menschlichen Lebens

Johannes Singhammer, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion

Johannes Singhammer gehört zu den Initiatoren und Unterstützern eines Gesetzesentwurfes, der die Präimplantationsdiagnostik konsequent verbieten möchte. Das Verbot wird gesetzlich im Gendiagnostikgesetz verankert. Die Vornahme einer PID wird unter Strafe gestellt.

Am 14. April wird im Bundestag darüber debattiert. Aus diesem Grund kommen auf blogfraktion.de Befürworter und Gegner der PID zu Wort, um mit Ihnen ins Gespräch zu kommen. Weitere Beiträge von Peter Hintze und Norbert Lammert.

Wir treten für ein klares umfassendes Verbot der der Präimplantationsdiagnostik (PID) ein. Ziel der PID ist es nicht nur menschliche Embryonen zu prüfen, sondern auszuwählen. Embryonen, bei denen Krankheiten festgestellt werden, werden verworfen. Abgetötet. In der Konsequenz ist das eine Qualitätskontrolle menschlichen Lebens. Eine Zulassung der PID und die damit verbundene gesetzlich erlaubte Auswahl von Embryonen vor Beginn der Schwangerschaft würden einen ethischen und gesellschaftlichen Paradigmenwechsel darstellen.

In jeder Diskussion über eine begrenzte Zulassung der PID muss man Kriterien finden, die den medizinischen, rechtlichen und ethischen Rahmen für die Ausnahmen definieren. Grenzen bergen immer die Möglichkeit neuer Härten und der Verschiebung in sich. Nicht nur deshalb besteht darüber Streit, welche Krankheiten exakt zur Abtötung führen sollen.

Die PID ist zudem keine Antwort für ein Leben ohne Behinderung. Körperliche und intellektuelle Beeinträchtigungen werden auch im Falle einer Zulassung der PID Bestandteil menschlichen Lebens sein. Wir stehen deshalb auch in einer gesellschaftlichen Verantwortung für die Akzeptanz und Integration behinderter Menschen und Eltern, die sich bewusst gegen die Möglichkeit des Machbaren entscheiden und vielleicht bereits ein Kind mit einer Behinderung haben. Wir müssen vermeiden, dass Druck auf Eltern ausgeübt wird, gesunde Kinder zur Welt zu bringen und Menschen mit Behinderungen sich als unerwünscht in unserer Mitte fühlen.

Für mich gilt: Wenn Menschen entscheiden, welches menschliche Leben lebenswert wird und welches nicht lebenswert, dann wird ein risikoreicher und gefährlicher Weg beschritten. Das unverfügbare Recht auf Leben und die unverfügbare Würde des Menschen müssen auch in Zukunft im Mittelpunkt stehen und die zentrale Richtschnur in allen Lebensphasen sein.

2 Kommentare zu »Keine Entscheidung über Lebenswert menschlichen Lebens«

  1. rbx schrieb:

    Als selbst von einer schweren Erbkrankheit betroffene Familie finden wir das Argument, dass der Druck auf Familien, die sich gegen das Machbare (Pid)entscheiden wollen (keiner bezweifelt das Recht zu dieser Entscheidung) vermindert werden soll indem der Druck auf Betroffene, die sich selbst anders entscheiden wollen, erhöht wird, bzw. diesen die Entscheidung durch den Gesetzgeber abgenommen wird, nicht einleuchtend.

  2. Lebensschutz schrieb:

    Der Wunsch eines Paares, ein gesundes Kind zu bekommen, ist ein verständliches und nachvollziehbares Anliegen. Aber dieser Wunsch rechtfertigt nicht die Gefahr, welche für eine Gesellschaft ausgeht, wenn man Leben in lebenswert und lebensunwert unterteilt. Denn nicht anderes macht die PID in Kombination mit der künstlichen Befruchtung, es wird einen Kriterienkatalog geben, welcher (Erb)krankheiten in noch zu akzeptierende und in unakzeptable unterteilt. Wird die PID zugelassen, dann wird es zukünftig Menschen geben, welchen die Gesellschaft sagt, dass ihr Leben auf einer Liste mit dem Vermerk „unzumutbar / nicht-lebenswert“ steht. Dies wird leztlich das Verhältnis einer Gesellschaft zu Behindertern negativ verändern.
    Nur ein klares Verbot kann die notwendige Grenze ziehen.
    Weitere Argumente gegen die PID aus der Bundestagsdebatte am 14.04.2011: http://www.cdl-rlp.de/Unsere_Arbeit/Praeimplantationsdiagnostik/PID-Debatte-Bundestag.html

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