Politik

Ein stiller Karfreitag kommt allen zugute

Karfreitag ist einer der wichtigsten christlichen Feiertage (aureusbay on flickr.com - CC BY-NC 2.0)

Einzelne Landespolitiker der Grünen haben jüngst gefordert, den Karfreitag als Stillen Feiertag abzuschaffen – ein befremdlicher Auftakt in die Karwoche. Die Karwoche stellt  für die Mehrheit der Menschen in unserem Land eine ganz besondere Woche dar, die im Fest der Auferstehung gipfelt: Ostern, der  höchsteFeiertag für alle Christen.

Der abstruse Vorschlag zur Abschaffung der gesetzlich festgelegten Karfreitagsruhe übersieht unserer Meinung nach wichtige Aspekte:

Religionsfreiheit ist ein Grund- und Menschenrecht. Sie bedeutet im negativen Sinne die Freiheit, keiner Religion anzugehören. Im positiven Sinne bedeutet sie aber, dass  jeder Mensch das Recht hat, sich zu seiner Religion – auch sichtbar – zu bekennen.

Glaube wird in der Regel in der Gemeinschaft gelebt, und die Religionsausübung ist aus diesem guten Grund auch für Religionsgemeinschaften ausdrücklich geschützt. Der Staat ist damit gehalten, den Menschen die Ausübung ihrer Religion zu ermöglichen. So dient der Schutz des Sonntags und der staatlichen Feiertage neben der Arbeitsruhe auch der „seelischen Erhebung“ (Art. 140 GG i.V.  Art. 139 WRV). Christliche Feiertage haben aus gutem Grund den Sinn, den Menschen die Teilnahme an einem Gottesdienst, das gemeinsame Gebet und die Feier der für sie bedeutsamen religiösen Feste zu ermöglichen.

Es ist absurd, wenn Vertreter der Grünen nun behaupten, mit dem Karfreitag – dem Tag, an dem die Christen innehalten und in Erinnerung an die Kreuzigung Jesu auf öffentliche Tanz- oder Sportveranstaltungen verzichten – werde eine Minderheit geschützt. Diese Behauptung verdreht schlicht die Tatsachen: Mit über 50 Millionen Menschen, die bei uns zu einer der beiden großen christlichen Kirchen gehören, kann von einer Minderheit beileibe nicht die Rede sein.

Karfreitag ist für uns Christen ein besonderer Tag: Wir gedenken der Kreuzigung Jesu Christi, wir leiden und beten mit ihm. Sterben und Trauer sind ein Thema, das alle Menschen betrifft: Abschied von einem geliebten Menschen nehmen zu müssen, ist eine Erfahrung, die wir alle über die Religionsgrenzen hinaus teilen. Es kommt daher allen Menschen zugute, dass wir mit dem Karfreitag einen Tag der Stille, der Entschleunigung und der Besinnung haben, an dem wir uns auf diese Erfahrung konzentrieren können. Gerade in einem Jahr wie diesem, das von schrecklichen Bildern – etwa aus Japan, der Elfenbeinküste oder Libyen – geprägt ist, sollte ein solch stiller Feiertag sogar seine besondere Berechtigung haben.

Dr. Maria Flachsbarth ist Beauftragte für Kirchen und Religionsgemeinschaften der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

2 Kommentare zu »Ein stiller Karfreitag kommt allen zugute«

  1. Peter Kauz schrieb:

    Liebe Frau Flachsbarth,

    Ja zur Religionsfreiheit.
    Aber müssten dann nicht auch die (wenigen) Feiertage des Islam und die (zahlreichen) des Judentums in Deutschland gleichberechtigt mit den christlichen gelten?
    Soweit ich weiß, gibt es in Deutschland bisher nur christliche Feiertage.
    Und weiter: Staat und Kirche sind in Deutschland getrennt, es gibt keine Staatsreligion. Wie passt das damit zusammen, dass _alle_ Bürgerinnen und Bürger in Deutschland, den Maßgaben einer bestimmten Religion unterworfen werden, d.h. Tanzverbot am Karfreitag auch für Nicht-Christen – immerhin 30 Millionen Menschen.
    Ich danke Ihnen für Ihre Antwort!

    Mit freundlichen Grüßen,
    Peter Kauz

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