Politik

Vom Bachelor zum Master oder vom Bachelor zum Beruf?

Pünktlich zur Bologna-Konferenz des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) am Freitag dieser Woche sind zwei neue Studien zu Bachelorstudiengängen erschienen. Beide Studien zeichnen ein durchwachsenes Bild der neuen Studienabschlüsse: Die Hälfte der Absolventen von Fachhochschulen und ein Viertel der Universitätsabsolventen nimmt mit dem ersten akademischen Abschluss direkt eine Berufstätigkeit auf. Nach einem Jahr im Beruf ist die Mehrzahl der Bachelor-Absolventen mit Vergütung, Aufgabenbereich und Karriereperspektiven zufrieden. Kritisiert wird von den befragten Studenten und Unternehmen allerdings nach wie vor, dass Bachelor-Studiengänge stofflich überfrachtet sind und statt Theorie mehr Praxisbezug bieten sollten. Hier sind die Hochschulen und ihre Gremien (von Professoren bis Studenten) gefordert, die Curricula noch passgenauer auf die Bachelor-Anforderungen abzustimmen. Ich bin mir sicher, dass der Qualitätspakt Lehre des BMBF, der herausragende Lehre an Hochschulen fördert, hier gute Erfolge erzielen wird.

Die Befragung “Studien- und Berufsperspektiven von Bachelorstudierenden in Deutschland“ der „Hochschul Informations System GmbH“ (HIS) hat sich insbesondere mit den Übergängen nach einem erfolgreichen Bachelor-Abschluss befasst. Laut dieser Studie streben 76 Prozent aller Bachelor-Studierenden ein Masterstudium an. Das ist ein sehr hoher Wert. Da allerdings nur 16 Prozent der Befragten angeben, den Masterabschluss zu wollen, um anschließend in der Wissenschaft tätig zu werden, zeigen diese hohen Übergangsquoten aus meiner Sicht auch: Viele scheinen mit dem Master auf Nummer sicher gehen zu wollen, weil sie skeptisch sind, was der Bachelor am Arbeitsmarkt tatsächlich wert ist. Dass diese Sorge allenfalls teilweise berechtigt ist, beweist die ebenfalls jüngst erschienene Studie  „Mit dem Bachelor in den Beruf“ im Auftrag des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft.

Aus der HIS-Studie

Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit Bachelorabsolventen gemacht haben, bewerten Bachelor durchweg positiver als diejenigen Unternehmen, die bislang noch keine Bachelor eingestellt haben. Trotz der mehrheitlich zufriedenstellenden Leistungsbeurteilung der Bachelorabsolventen wünscht die große Mehrheit der Personalverantwortlichen in Unternehmen, die Akademiker beschäftigen, einen höheren Praxisbezug der Lehrinhalte (76 Prozent). Am höchsten ist die Zufriedenheit der Unternehmen mit den dual ausgebildeten Bachelorabsolventen. Unter den Unternehmen, die Akademiker beschäftigen, wollen 84 Prozent zukünftig sowohl Bachelor als auch Master einstellen. Lediglich 13 Prozent dieser Unternehmensgruppe wollen ausschließlich Master beschäftigen.

Mein Fazit: Der Bachelor setzt sich am Arbeitsmarkt immer mehr durch. Aber wir müssen die Unsicherheit bei Studierenden und Unternehmen, die offenkundig noch immer bestehen, ernst nehmen. Das ist auch eine Aufgabe der Studienberatung: Wer keine wissenschaftliche Karriere anstrebt, braucht den Master in der Regel nicht und sollte sich genau überlegen, was er sich von einem Master-Abschluss an „Mehrwert“ für seine Berufschancen verspricht. Wer sich bei einem Unternehmen bewirbt, das zeigen die Antworten der Personalverantwortlichen, hat bessere Chancen, wenn er erste praktische Erfahrungen in der Wirtschaft oder im Ausland nachweisen kann.

4 Kommentare zu »Vom Bachelor zum Master oder vom Bachelor zum Beruf?«

  1. Maximilian Möllhoff schrieb:

    Studiere Bauingenieurwesen im 6. Semester an der TU Braunschweig und schreibe derzeit an meine Bachelorarbeit. Bezüglich des Artikels fehlt mit die Differenzierung von Studiengängen. Man hat aus dem Diplomstudiengang im Ingenieurwesen ein geteiltes Studium gemacht, wobei der Bachelor im Grunde dem Vordiplom entspricht. Mit diesem Berufsabschluss ins Berufsleben eines Bauingenieurs zu starten, halte ich für nicht empfehlenswert. Ein Mediziner hört auch nicht nach dem Physikum auf und beginnt seine praktische Arbeit. Auf der einen Seite ist es schön, mit dem Bachelor quasi schonmal etwas in der Tasche zu haben, auf der anderen Seite wird er meines Erachtens von der Gesellschaft überschätzt bzw. nicht richtig verstanden. Denn erst das Master-Studium schafft die wirkliche Vertiefung. So jedenfalls kann ich von meinem Studiengang sprechen.

  2. Rainer schrieb:

    Also ich glaube auch, dass der Bachelor an Bedeutung gewinnen wird! Außerdem ist es auch für ein späteres Masterstudium nicht unerheblich, erstens ein wenig Erfahrung zu sammeln und zweitens dahingehend auch die Wahl der Spezialisierung des Masterstudiums zu erleichtern!
    Man kann nur hoffen, dass mehr und mehr Unternehmen auch Bachelor-Absolventen einstellen. Wie von dir berichtet, sind ja die Unternehmen ohne Bachelor-Absolventen noch ein wenig kritisch über die Qualität der Arbeitskräfte!

  3. Leonie schrieb:

    Leider trifft dieser Artikel wir so oft nur auf BWL/VWL zu (siehe vorige Kommentare in Bezug auf Natur- und Ingenierwissenschaftler). Ich als sogenannte Geisteswissenschaftlerin kann mit dem Bachelor rein rein gar nichts auf dem Arbeitsmarkt anfangen; in Gegenteil, einjährige Master oder nicht-konsekutive Master, wie das System ursprünglich gedacht war, da dem anglo-amerikanischen Sprachraum entlehnt, werden bestenfalls kritisch beäugt. Ich wehre mich dagegen, das Bachelor-System in Deutschland grundsätzlich als Erfolg zu bezeichnen.

  4. Wohnaccessoires schrieb:

    Also ich als Bachelor Absolvent in BWL/Marketing, kann nur sagen, dass die Differenzierung der Studiengänge in dem Artikel unzureichend ist. Als BWLer ist man eher für die Praxis gerüstet, als zum Beispiel der Bauingenieur, weil dieser einfach viel mehr vertieft haben muss um effektiv zu arbeiten.

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