Politik

Griechenland kann sich wieder erholen

Im Fall der griechischen Schuldenkrise steht Europa vor einer Wegscheide, die den Euro zu anhaltender Stabilität, aber auch in eine unkalkulierbare Schieflage führen kann. Die Schieflage droht, wenn Europa Griechenland jetzt der Zahlungsunfähigkeit aussetzt, weil die nächste Kredittranche im Juli nicht gewährt wird. Sie droht auch, wenn Griechenland wegen schlechter Ratings weiterhin extrem hohe Zinsaufschläge für seine Staatsanleihen zahlen muss – mit der Folge, dass sich das Land auf absehbare Zeit nicht mehr refinanzieren kann.

Die jetzt wieder in der Öffentlichkeit von einzelnen „Experten“ vertretene Behauptung, ein schnelles Ende mit Schrecken sei für alle Beteiligten die beste Lösung, ist an Gefährlichkeit nicht zu überbieten: Bei einer „Insolvenz“ Griechenlands wären die griechischen Banken und Pensionsfonds sofort pleite, weil die Konten geplündert würden. Renten und Gehälter würden nicht mehr ausgezahlt, der Sozialstaat bräche zusammen. Weil die Notenbank gar nicht schnell genug eine neue Währung drucken könnte, bräche der Euro ein – mit unabsehbaren Folgen für die Euro-Zone und den Aufschwung in Deutschland. Weil Banken, Versicherungen und Pensionsfonds im übrigen Euro-Raum mit 99 Milliarden Euro in Griechenland engagiert sind und die EZB griechische Staatsanleihen über 45 Milliarden Euro erworben hat, bekämen wir eine zweite Bankenkrise, die auch weitere Euro-Länder in die Zahlungsunfähigkeit treiben würde.

Welchen Weg beschreiten? (Titanas on flickr.com CC BY-SA 2.0)
Welchen Weg beschreiten? (Titanas on flickr.com CC BY-SA 2.0)

Aus all diesen Gründen ist jetzt der einzig verantwortbare Weg, das bisherige Hilfsprogramm durch ein neues, zielgenaueres abzulösen. Denn der nun vorliegende „Troika“-Bericht von EU-Kommission, EZB und IWF attestiert dem Land deutliche Reformfortschritte, stellt aber auch fest, dass es weiterhin Finanzhilfen braucht. Das ist nicht verwunderlich, denn Griechenland begann vor einem Jahr mit der Herkulesaufgabe, mitten in der Rezession ein brachiales Restrukturierungsprogramm durchzuziehen. Es ist deshalb keine Katastrophe, dass Athen die Zielvorgaben dieses Programms noch nicht voll erfüllt hat.

Griechenland braucht einfach mehr Zeit, die wir dem Land gewähren sollten, und zwar nach der Devise: Solidarität, kombiniert mit harten Auflagen. Zur Solidarität gehört ein Zahlungsaufschub durch den Umtausch von Staatsanleihen, deren Laufzeiten demnächst enden, in neue Papiere, mit denen das Land mehr Zeit für seine Reformen bekäme. Zu den harten Auflagen gehören Privatisierung, Umbau der Verwaltung und die Neuordnung der Wirtschaft unter permanenter Supervision der „Troika“.

Schon mit dem bisherigen Programm ist kein einziger deutscher Steuercent an Griechenland verlorengegangen. Auch deshalb hat das neue, verbesserte Hilfsprogramm große Chancen, erfolgreich zu sein: Es soll ein stabiles Europa und damit die Prosperität unseres Landes sichern.

7 Kommentare zu »Griechenland kann sich wieder erholen«

  1. helmut schrieb:

    Ein Ballon platzt immer zuerst an der schwächsten Stelle. Andere Staaten werden folgen. Am Schluß dann bei uns. Unser ganzes Wachstum und Verschuldungssystem lässt sich keine 50 Jahre hochrechnen. Das müssen dann aber andere ausbaden.

    Das ganze Euro System ist eine gewaltige Fehlkonstruktion. Es wird immer nur davon gesprochen dass wir profitieren. In Deutschland gibt es einen Länderfinanzausgleich. Ohne diesen wären einige Länder ebenfalls pleite. Ohne ein solches System kann die EU nicht überleben. Dass die Südländer ihre Importe nicht mit Bananen und Rosinen bezahlen können hätte man wissen müssen. Habe dort schon in den 60 ern Campingurlaub gemacht. Waren zufriedene Menschen auch ohne materiellen Wohlstand. Die haben gearbeitet um zu leben. Wir leben um zu arbeiten.

    Dass kein einziger deutscher Steuercent an Grichenland verlorengegangen ist gehört in die Witzspalte.

  2. Dr. Günter Götz schrieb:

    Bei der in GR gegebenen finanz- und wirtschaftspolitischen Mentalität wird selbst nach 10 Generationen eine Angleichung an Mittel- u. Nordeuropa nicht stattfinden, ganz davon abgesehen, dass sozialistische Regierungen dies ohnehin nicht schaffen. Auflagen werden ausgetrixt.Der Bruch des Lissabonvertrages rächt sich jetzt und mit weiteren Stützungsmaßnahmen,denn ein Ende ist nicht in Sicht. Jede Insolvenzverschleppung wird täglich teurer. Geschützt werden nur die Banken mit ihren GR-Staatsanleihen,für die sie ca. 10% über Normalzins verdienen. Gewinne für die Banken – Verluste beim Steuerzahler.Das Horrorszenario für GR bei einer Staatspleite ist in Wahrheit die einzige Chance, schnell wieder international wettbewerbsfähig zu werden. Auf den EURO hat dies nur eine sehr geringe Auswirkung, weil GR nur einen Anteil von 2% am Wirtschaftsvolumen des EURO-Raumes hat. Eine kleine Wechselkursdelle fördert den dt. Export und die Inlandsbeschäftigung, also kein Grund zur Sorge.

  3. H.-D. Nawrath schrieb:

    Wieviel Kredittranchen wird Griechenland denn noch anfordern? Ich befürchte es ist ein Fass ohne Boden.
    Insofern ist eine Staatspleite die beste Lösung, und zwar je eher desto besser, denn sie ist letztendlich unvermeidbar. Dass dies unabsehbare Folgen für die EURO-Zone und den Aufschwung Deutschlands haben soll, halte ich für unglaubwürdig, da Griechenland nur einen Anteil von 2% am Wirtschaftsvolumen der EURO-Zone hat. Ich vermute diese Argumentation dient nur den Banken, die so satte Gewinne machen können, denn das Risiko trägt schließlich der Steuerzahler.

  4. Pingback Piraten 9% in Berlin - Seite 15 - Delphi-PRAXiS

  5. Herbert Netz schrieb:

    Ich war immer ein Freund und Besucher Griechenlands. Was sich unter dieser neuen Regierung abspielt , ist unter aller Würde. Wieviel müssen wir uns eigentlich noch gefallen lassen?
    Es reicht:sowohl finanziell, als auch menschlich! Es ist und bleibt ein Faß ohne Boden!
    Wir haben genug eigene Probleme in unserem Land und müssen nicht noch die unlösbaren
    eines undankbaren Griechenlandes lösen.
    Schluss mit weiteren Zahlungen!!!!

  6. RSC schrieb:

    Also der aktuellste Blog zum Thema Griechenland ist 4 Jahre alt.
    Eine echte Lachnummer.
    Wie wäre es wenn das deutsche Volk auch seine Meinung äussern darf via Volksabstimmung.
    Ich würde jedenfalls auch mit Nein stimmen. Keine weiteren Steuergelder verschwenden.
    RSC

  7. Ockenga schrieb:

    Politiker müssen und wollen immer optimistisch sein. Unter der Bettdecke sind sie ehrlicher.

    Ein Volk wird dafür bestraft, was in seinem Namen ihre Politiker anrichten. Im Extremfall werden Völker auch dafür bestraft, dass sie keine Revolution gemacht haben. Wir mußte deshalb in Schutt und Asche dafür büssen. Diese Lehre war so unmenschlich hart wie ihre Ursachen. Wir haben (sicher nicht ewig und immer!) daraus gelernt und konnten die Wiedervereinigung und den Umbau unserer Industrie (ab ca. 1994) ohne fremde Hilfe schultern. Den Griechen blieb bisher diese Schonungslosigkeit erspart.

    Wer sie an der rigorosen Selbsthilfe durch eine falsch verstandene Solidarität hindert, bringt sich selbst in Gefahr. Der EU-Begriff Solidarität sollte dringend formuliert werden. Solidarität für die unverschuldet Schwachen, für die vom Unglück Betroffenen, für die Opfer fremder Gewalt: JA.

    Für alle Anderen, die ihre Schieflage absichtlich selbst verschuldet haben, hilft als langwieriger und verläßlicher Lernprozess auf Dauer nur der Aufstieg aus Schutt und Asche.

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