Internationales

Hilfe für arabische Demokratien muss auch den Christen nützen

Die Welt blickt gebannt auf viele arabische Länder, in denen alte Machtstrukturen zerbrechen und demokratische Strukturen entstehen. Dabei ist es auch wichtig, die Lage der Christen zu beobachten und sie zu unterstützen, schreibt Volker Kauder, Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Mitglieder-Magazin der CDU Deutschlands.

Volker Kauder besuchte im Januar 2011 koptische Christen in Ägypten, um sich ein Bild von ihrer Lage zu machen

Gerade wir Christdemokraten haben in den vergangenen Monaten den politischen Umbruch in der arabischen Welt mit großer Bewunderung verfolgt. Die Menschen in Tunesien und Ägypten haben sich mit Mut, aber auch Besonnenheit ihr Recht auf Freiheit und Demokratie erkämpft. Das ruft bei uns die Erinnerung an die friedliche Revolution in unserem Vaterland vor gut zwei Jahrzehnten hervor, als sich die Menschen in Ostdeutschland von der SED-Diktatur befreiten. Freiheit und Selbstbestimmung – das sind von jeher auch die Werte gewesen, die die CDU vertreten hat.

Die Bundesregierung und die Europäische Union haben Tunesien und Ägypten eine Partnerschaft angeboten. Wir haben ein großes eigenes Interesse, dass sich Freiheit und Demokratie langfristig in diesen Nachbarländern unseres Europas durchsetzen. Je besser es den Menschen dort geht, desto besser ist dies für Europa und damit auch für uns. Also müssen wir Ägypten und Tunesien gerade jetzt die Hand reichen.

Als Christdemokraten ist uns besonders an dem Wohlergehen der Kopten in Ägypten gelegen, die in der Vergangenheit häufig Ziel von Anschlägen waren und diskriminiert wurden. Noch vor dem politischen Umbruch habe ich mich im Januar in Kairo nach deren Lage erkundigt und vor kurzem dort erneut Gespräche geführt.

Nach wie vor habe ich die Hoffnung, dass sich durch eine Demokratisierung Ägyptens ihre Lage langfristig verbessern wird. Momentan müssen sich die koptischen Christen aber noch mehr als früher Sorgen um ihre Sicherheit machen. Dies haben auch die Anschläge im Kairoer Stadtteil Imbaba, bei dem zwölf Menschen – Christen und Muslime – starben, gezeigt.

Daher müssen wir in unseren Gesprächen mit ägyptischen Politikern immer wieder deutlich machen, dass die Sicherheit religiöser Minderheiten für uns Europäer ein zentrales Anliegen ist. Finanzhilfen an Ägypten und andere arabische Staaten müssen an die Erwartung geknüpft werden, dass die Freiheit und die Sicherheit der Christen garantiert werden -nicht im Sinne einer unabdingbaren Voraussetzung, aber als dringender Wunsch.

Angebote für die junge Generation

Mit Aufmerksamkeit sollten wir auch die rechtliche Absicherung der Religionsfreiheit beobachten. Ohne Religionsfreiheit gibt es keine Freiheit. Wichtig ist dabei: Auch wenn die Scharia weiter in der neuen ägyptischen Verfassung verankert sein sollte, darf dies nicht die Lebenssituation der Christen einschränken.

Aber natürlich können wir es nicht nur bei Appellen belassen. Wir müssen gerade der jungen Generation auch Angebote machen. Es wäre schon viel geholfen, wenn wir das Engagement der deutschen Auslandsschulen in den Ländern verstärken könnten. Jeder junge Araber – egal ob Muslim oder Christ -, der eine gute Ausbildung hat, wird die Demokratisierung unterstützen.

Dabei will ich noch einen Schritt weitergehen: Ich wäre der deutschen Wirtschaft dankbar, wenn sie sich bereit erklären würde, einige hundert junge Ägypter hier bei uns aus- oder fortzubilden. Sie sollten dafür auch Ausbildungsvisa mit einer strikten Rückkehrverpflichtung erhalten. Sie wären bei ihrer Rückkehr Botschafter der europäischen Werte einschließlich der religiösen Toleranz.

4 Kommentare zu »Hilfe für arabische Demokratien muss auch den Christen nützen«

  1. the_critical schrieb:

    Danke Herr Kauder,

    leider scheinen viele Ihrer Parteikollegen die Kopten zu vergessen, wenn es um Unterstützung für Nordafrikanische Länder geht.

    Ich würde mir mehr Politiker mit Ihrer Einstellung wünschen.

    MfG

  2. Fred Weis schrieb:

    Wenn unsere Wünsche so in Erfüllung gingen und von den Nichtchristen erhört würden, das wäre zu schön.
    Realität, die Deutschen liefern Waffen für und gegen
    Muslime.
    Haben wir in Deutschland EINE Religionsfreiheit? Ist dies eine Bekenntnisfreiheit? Kirche/Moschee und Staat sind voneinander getrennt. Leider sieht der Islam bis heute keine Trennung vor, weshalb der Islam keine Bekenntnisreligion ist, sondern eine Gesetzesreligion. Frage, „Ist dies so?“ Es stellt sich die Frage, welcher Krieg kann
    auch ohne Waffen geführt und sogar gewonnen werden? Vielleicht erlebt es der eine
    oder andere Politiker, wenn dann wieder gesagt wird, wie schon mal, wie konnte so etwas passieren?

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