Internationales

Der Brotkorb Afrikas?

Im Januar 2011 haben die Südsudanesen bei dem Referendum über die Souveränität eines eigenen Staates mit überwältigender Mehrheit für die Separation vom Norden gestimmt. Dadurch bietet sich der 30 Jahre lang vom Bürgerkrieg gebeutelten Region und insbesondere dem neuen Staat Südsudan eine große Chance auf Frieden – Grundvoraussetzung für eine nachhaltige Verbesserung der humanitären Situation, der wirtschaftlichen Entwicklung und der inneren Sicherheit.

Hartwig Fischer bei einer seiner letzten Reisen in den Südsudan

Zwingend notwendig, da die momentane Situation vor Ort prekär ist: Hunger und Armut sind die größten Gegner auf dem Weg zur Stabilisierung. Nur knapp die Hälfte der Einwohner hat Zugang zu Trinkwasser, der Agrarsektor wurde in der Zeit des Bürgerkriegs stark in Mitleidenschaft gezogen und bietet nicht annähernd genügend Ressource um die Bevölkerung zu ernähren. Die Ernährungssituation wird sich auch durch die südsudanesischen Rückkehrer weiter verschärfen.

Eine Infrastruktur ist kaum vorhanden, nur der weiße Nil als Schifffahrtsweg und eine wieder eröffnete Eisenbahnlinie bilden eine nutzbare Trasse vom Norden in den Süden, Verbindungen in die östlichen und westlichen Gebiete des Staates sind entweder gar nicht vorhanden oder nur beschränkt nutzbar.

Der Bildungssektor muss in den peripheren Gegenden aufgebaut werden, auch in den zentralen Gegenden und den regionalen Hauptstädten müssen weitere Investitionen in Gebäude, Material und Lehrkräfte gesteckt werden. Nur ein Drittel der landesweiten männlichen Bevölkerung kann lesen und schreiben, bei Frauen liegt die Analphabetenrate bei über der Hälfte.

Trotz des reichen  Erdölvorkommens über das der Südsudan verfügt, ist das Land auch in Zukunft auf internationale Unterstützung angewiesen. Erste wichtige Schritte wie die Aufnahme in internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen oder die Afrikanische Union sind bereits gemacht.

Das deutsche Engagement zielt weiterhin darauf ab, alle beteiligten Akteure im Nord- wie im Südsudan auf dem neu begonnenen friedvollen und demokratischen Weg zu unterstützen. Die Bundesregierung hat über die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) seit 2005 mehr als 87 Mio. € in humanitäre Hilfe, entwicklungsorientierte Not- und Übergangshilfe sowie für Ernährungssicherung besonders in Darfur und im Süden und Osten des Sudan investiert und damit einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der humanitären Situation geleistet. Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat auf seinem Besuch unmittelbar vor der Unabhängigkeit auch für die kommenden Jahre Mittel über die deutsche Entwicklungszusammenarbeit zugesagt um dem Land einen guten Start zu ermöglichen.

Trotz widrigster Umstände besitzt der Südsudan das Potential innerhalb der nächsten zehn Jahre einen großen Schritt nach vorn zu machen. Nur wenn eine langfristige Ernährungssicherung gegeben ist, flächendeckend der Zugang zu Trinkwasser ermöglicht wird, die innere Sicherheit kein Problem mehr darstellt, nur dann hat das Land eine echte Chance zu bestehen und sich zu entwickeln.  Wenn der Agrarsektor umfangreich erneuert und neu vernetzt wird, kann das Land wieder zum „Brotkorb Afrikas“ aufsteigen.

Diskussionsbeitrag schreiben