Finanzmarkt

Wir werden die Euro-Zone stabilisieren

Griechenland und andere Länder der Euro-Zone stehen an der entscheidenden Wegscheide: Entweder sie tun ihr Äußerstes, um Ursachen und Folgen ihrer Verschuldungspolitik zu beseitigen und eine nachhaltige Stabilitätsphilosophie zu verfolgen, oder sie werden ihren eigenen Wohlstand und auch den Wohlstand der Euro-Zone gefährden.

Spekulation über einen Rauswurf Griechenlands aus der Euro-Zone oder eine ungeordnete Insolvenz entbehren nicht nur der rechtlichen Grundlage, sondern sind auch brandgefährlich. Wir müssen deshalb schnell die Instrumente entwickeln, mit denen wir gefährdete Länder stabilisieren, Ansteckungsgefahren vorbeugen und Dominoeffekte verhindern können. Die Verabschiedung der Europäischen Stabilisierungseinrichtung EFSF durch den Deutschen Bundestag am 29. September ist ein riesengroßer Schritt zu diesem Ziel.

Die Probleme Griechenlands sind so groß, dass sie nicht auf einmal, sondern nur langfristig gelöst werden können. Nach einem Austritt aus der Euro-Zone bekäme Griechenland eine wertlose Drachme zurück, mit der es seine in Euro gemachten Schulden kaum je zurückzahlen könnte. Selbst mit einem „Haircut“ würden sich Griechenlands Verbindlichkeiten wegen der drastischen Abwertung der Drachme gegenüber dem Euro sprunghaft erhöhen. Das Land wäre umgehend zahlungsunfähig. Griechenland könnte nur noch mit der Notenpresse seine Ausgaben finanzieren. Schon beim ersten Anzeichen einer solchen Pleite würden die Griechen ihre Konten räumen und das Geld ins Ausland schaffen. Auch die Banken wären sofort zahlungsunfähig. Dieser wirtschaftliche Kollaps des Landes brächte umgehend all jene unzähligen europäischen Firmen und Banken in Schieflage, die in Griechenland investiert haben. Auch deshalb ist es völlig illusorisch zu glauben, dass Deutschland und die anderen Euro-Staaten nach einem Austritt Athens aus dem Schneider wären und nicht mehr zahlen müssten.

Wirklich dramatisch würde es, wenn die Finanzmärkte infolge einer Austritts-Insolvenz ihr Geld aus weiteren Euro-Ländern abzögen. Die Spekulanten begännen sofort, massiv gegen Portugal, Irland, Italien und weitere Länder zu spekulieren. Ein Scheitern der Währungsunion wäre aber keine Lösung. Deutschland bekäme die Mark zurück, die so hart würde, dass der Export zusammenbräche – mit katastrophalen wirtschaftlichen Folgen. Also bleibt nur die für Griechen und Europäer aufreibende, mühsame Rettung des Landes. Was das schon jetzt bedeutet, sollte sich Italien genau anschauen: Wer sich derartig exzessiv verschuldet, kann nicht mehr autonom sein Land regieren, sondern muss Beschlüsse der Stabilisierungsorgane umsetzen.

Deutschland, Frankreich und die übrigen europäischen Regierungen müssen den Märkten unmissverständlich klarmachen, dass sie die Euro-Zone mit harter Sanierung und Hilfsmaßnahmen erhalten werden. Diese Position ist aber nur glaubwürdig, wenn die Politik in Deutschland und in Europa Vernunft und Ruhe bewahrt.

2 Kommentare zu »Wir werden die Euro-Zone stabilisieren«

  1. Michael Klein schrieb:

    Vernünftig wäre es z.B. endlich diesen Eiertanz zu beenden und anzuerkennen, dass es nicht möglich sein wird, Griechenland OHNE einen Haircut in der Eurozone zu halten (und auch mit wird es schwierig genug). Seit Monaten sind sich die meisten Ökonomen darin einig, dass Griechenland in einen geordneten Default zumindest der Hälfte seiner Schulden „entlassen“ werden muss. Der griechische Ökonom Yanis Varoufakis hat auch schon vorgerechnet, wie das gehen kann. Statt endlich zu beschließen, was sowieso unumgänglich ist, wird geflickt, was das Zeug hält, der Ruf der EZB munter ruiniert und die EZB zur Bad Bank umfunktioniert – so dass sich ein vernünftiger Politiker eigentlich einmal fragen müsste: is it worth it? Wäre es nicht besser gewesen, die 200+ Milliarden, die die immer noch nicht erfolgte Rettung der Griechen bislang gekostet hat, in die Banken zu stecken, die so blöd waren, griechische Bonds zu kaufen und die Griechen in die Abwertung der Drachme zu entlassen?

  2. Hermann Allgaier schrieb:

    Sehr geehrter Herr Altmaier,

    DiePresse.com berichtet heute:
    Wie man den Euro-Rettungsschirm „hebelt“
    http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/696977/Wie-man-den-EuroRettungsschirm-hebelt

    Kurz:
    „JETZT kommt die wahrheit ans tageslicht – aus 400 mrd werden 2.600 mrd !!!
    – leveraging = heisst nichts anderes., als das mit wenig eigenkapital ein ungleich höheres fremdkapital = schulden „gehebelt“ werden kann.
    – d.h. die EZB kauft um ca. 333 mrd anleihen von GR, PT irland, italien usw auf, die als „sicherheit“ ( ? ) dienen
    – da ja die staatskredite nur mit ca. 10-20 % „besichert“ werden (eben mit den anleihen ?) könnte man z.b. ca. das 8-fache als kredit = ca. 2.600 mrd an diesselben staaten vergeben !
    DESSEN ist sich mit sicherheit k e i n e r der abgeordneten bewusst – oder???“

    Wussten Sie und ihre Kolleg/en/innen dies oder waren Sie auch unwissend? Können Sie mir das bitte erklären? Hierzu gab es NIE eine Andeutung in Pressemitteilungen oder den Medien.

    Danke.

    H. Allgaier

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