Bildung

Jeder zählt

Inzwischen hat sich herumgesprochen: Demografie ist eine der Herausforderungen, welche auch die Bildungspolitik der nächsten Jahre bewältigen muss. Die Zahl der Schülerinnen und Schülern sinkt, die der Älteren steigt, der Wettbewerb um Talente verschärft sich und die Bedeutung der Qualität in der Bildung wächst.

Offensichtlich ist in Sachsen an den richtigen Stellen des Bildungssystems gebaut worden - Schule in Chemnitz (Uwe Kaufmann1 on flickr.com, CC BY 2.0)

Unsere Antwort auf die demografische Entwicklung und deren Folgen insgesamt lautet: Jeder zählt. Und „jeder“ heißt wirklich „Jeder“ – jung und alt. Unser Ziel muss es also sein, jedem Kind Bildungschancen zu eröffnen und jedem Älteren weitere Arbeitschancen. Gerade für die letzteren trägt die Wirtschaft eine gewichtige Verantwortung. Wenn Unternehmen mehr ältere Arbeitnehmer einstellen, nützt dies zwar auch dem Gemeinwesen, aber vor allem ihnen selbst. Denn sie mehren Wissen, sparen die steigenden Kosten für Personalakquisition bzw. -schulung. Diese Einsicht wächst langsam den Verantwortlichen zu.

Die demografische Delle, die wir in den neuen Bundesländern hatten, erfasst nun auch die alten Bundesländer. Aufgrund der rückläufigen Schülerzahl – von ca. 742.000 auf 435.000 – mussten wir allein in Sachsen von 1993 bis heute insgesamt 935 Grundschulen, Mittelschulen und Gymnasien schließen. Schmerzhafte Einschnitte, z. B. in der Schulnetzplanung, sind daher unumgänglich. Das war im Osten kein Spaziergang, und das wird im Westen auch keiner sein. In Deutschland wird die Schülerzahl bis 2025 – im Vergleich zu heute – um ca. 15 Prozent sinken.

Übersetzt in bildungspolitischen Maßnahmen bedeutet „Jeder zählt“:

Mehr Investitionen in die frühkindliche Bildung.

Die Investitionspyramide muss umgekehrt werden, damit wir für spätere Reparaturen nicht mehr Geld ausgeben als für frühe Investitionen. Nur so eröffnen wir jedem Kind Bildungschancen, erkennen ihre Stärken rechtzeitig und kappen die Abhängigkeit der Bildung von Herkunft.

Stärkere Rolle der Familie.

Erziehung und Bildung müssen Hand in Hand gehen. Je stärker das Band zwischen Schüler, Lehrer und Eltern, um so besser die Bildungsqualität.

Mehr Qualität in der Bildung.

Wir fordern in unserem CDU-Bildungsleitantrag eine Lehrer-Exzellenzinitiative. Neben Fachwissen sind ausgeprägte pädagogische Fertigkeiten notwendig, weil es letztlich auf den Unterricht und auf Lehrerinnen und Lehrer ankommt!

Mehr Aufmerksamkeit für Schulabbrecher

Sie sind ein großes Potential, das brach liegt. Wir können den Fachkräftemangel mindern, indem wir auch auf Schulabbrecher setzen und nicht ausschließlich auf Zuwanderung. Deshalb muss die Beziehung zwischen Schule und Schulumfeld ausgebaut werden.

Aus der Bildung in die Bildung

Ressourcen, die aus der sinkenden Schülerzahl frei werden, müssen wieder in Bildung reinvestiert werden.

Unsere Schulen in Deutschland haben an Qualität gewonnen. Das zeigen auch alle internationalen Vergleiche. Wir müssen daran weiter arbeiten. Unser CDU-Papier „Bildungsrepublik Deutschland“ zeichnet dabei den Weg der Bildungspolitik in das nächste Jahrzehnt.

Prof. Dr. Roland Wöller ist Staatsminister für Kultus und Sport des Freistaates Sachsen. Auf dem Kongress der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zum Thema erläutert er so die sächsischen Erfolgsrezepte für die Bildungsrepublik – sein Bundesland ist nach internationalen Studien führend im innerdeutschen Wettbewerb um die besten Schüler.

Ein Kommentar zu »Jeder zählt«

  1. Michael Klein schrieb:

    Wenn die Antwort auf die demografische Entwicklung lautet: Jeder zählt, dann fragt man sich unwillkürlich, wer vor die demografische Entwicklung sich herumgesprochen hat (war das nicht bereits Ende der 1980er Jahre, ich erinnere mich da an eine Veröffentlichung des Statistischen Bundesamts), gezählt hat… Ansonsten muss ich sagen: Die Botschaft hör‘ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Wie soll das Bildungssystem in Deutschland zwischen Genderismus, GEW und ideologisch überfrachteten Curriculae „noch“ besser werden und wo sollen die motivierten und guten Lehrer herkommen, wo es doch bis heute als Häresie gilt, darauf hinzuweisen, dass für die Qualität der Bildung in ERSTER Linie Lehrer und Curriculae verantwortlich sind und erst in zweiter Linie, wenn überhaupt, die Eltern … Ein entsprechende Zugeständnis hätte auch teifgreifende Folgen: keine soziale Stratifizierung der Bildung mehr, Chancengerechtigkeit und vieles mehr, fast als würde jeder zählen…

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