Wirtschaft

125 Jahre Automobil oder die Rückkehr des Elektromotors

Es ist kein Widerspruch: 125 Jahre nach Erfindung des Automobils steht das Konzept so stark da wie je zuvor, muss sich aber ändern. Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs macht das Auto zukunftsfest.

Der Bauplan des Patent-Wagens von Carl Benz von 1886 - die Wirtschaftlichkeit, nicht die physikalische Effizienz des Benzin war sein Geheimnis (Andy_BB on flickr.com, CC BY-NC-SA 2.0)

Stark auch im 21. Jahrhundert

42 Millionen zugelassene Autos in Deutschland sprechen eine klare Sprache, genauso wie die Rekordexporte der deutschen Autohersteller: Unter den käuflichen Gütern bleibt das Auto nicht nur der Deutschen liebstes Kind. Mehr als andere Verkehrsmittel steht es für die Freiheit, zu einem selbstgewählten Zeitpunkt mit bis zu vier Mitfahrern – und mehr Gepäck als man tragen kann – an jeden anderen, an einer Straße gelegenen Ort zu fahren. Das wirkt auf immer mehr Kontinenten: Den Traum vom „heiligen Blechle“ träumen zunehmend auch die aufstrebenden Mittelschichten in den Schwellenländern. Fallende Führerscheinquoten bei jungen Erwachsenen, Smart-Phone und virtuelle Mobilität per Skype hin und her: Auch im 21. Jahrhundert wird der Verkehr weltweit auf Sicht noch maßgeblich vom Automobil geprägt sein.

Wo Licht ist, da ist auch Schatten

Natürlich gibt es auch Nachteile, sie sind uns spätestens seit den Ölkrisen der Siebziger bewusst. So bewusst vielleicht, dass wir vielleicht schon wieder gelernt haben, mit diesen Nachteilen zu leben. Aber sie gehören genauso zum Bild, gerade im Bereich Umwelt: Menschen leiden unter Staub- und Geräuschemissionen wegen des Autos, und der Einfluss des Straßenverkehrs auf das Klima ist enorm: Autos produzieren beinahe ein Fünftel unserer CO2-Emissionen. Und wie wenig wünschenswert unsere Abhängigkeit von ausländischem Rohöl ist, merken Fahrerinnen und Fahrer nicht nur bei jeder Preiserhöhung an der Tankstelle.

Individuelle Mobilität als Grundbedürfnis

Wegen seiner Nachteile wird die individuelle Motorisierung in Autos von interessierter politischer Seite häufig pauschal verdammt. Wir aber glauben, dass dies viel zu eindimensional gedacht ist. Denn verantwortungsvolle Politik im Interesse der Bürgerinnen und Bürger muss auch die Vorteile dieses Verkehrsmittels anerkennen. Die Lösung heißt: Das Auto muss umweltfreundlich werden!

Der Verbrennungsmotor hat eine Ergänzung bekommen

Die vielleicht vielversprechendste Lösung zur Minimierung der Umweltnachteile des Autos ist derzeit eine technische: Unsere Autowelt steht am Anfang eines technischen Strukturwandels Richtung Elektrifizierung. Der wird sich nicht so bald und nicht über Nacht abspielen. Dieser Strukturwandel folgt Innovationszyklen und den Gesetzen des Marktes. Dennoch wird er sich in einer zunehmenden Elektrifizierung des Antriebsstrangs abspielen – zusätzlich zu immer effizienteren Verbrennungsmotoren.

Triumph des Benzintanks

Carl Benz möge es verzeihen, aber schon immer war der Triumph des Verbrennungsmotors in der Masse weniger der Triumph des von ihm erfundenen „Gasmotors“, sondern der Triumph des Benzintanks. Es war die günstige, im Gegensatz zur Kohle leicht zuzuführende Energie in Form von flüssigem Brennstoff, die dem Auto mit Verbrennungsmotor nach Benz zum Durchbruch verhalf.

Dabei wird oft vergessen, dass ein Verbrennungsmotor physikalisch gesehen hochgradig ineffizient ist. Denn selbst modernste Verbrennungsmotoren wandeln erheblich mehr Kraftstoff in Wärme um als in Fortbewegungsenergie. Verloren gehen bei Benz‘ Erfindung auch heute noch über 60 Prozent der Energie! Ganz im Gegensatz zum Elektromotor, der es schafft, über 90 Prozent der zugeführten Elektroenergie in Bewegung umzusetzen. Ganz klar also: In der Wirtschaftlichkeit, nicht in der physikalischen Effizienz liegt der Vorteil des Verbrennungsmotors.

Der Langfristtrend spricht gegen den Verbrennungsmotor

Physikalische Effizienz ist wichtig, ohne Wirtschaftlichkeit aber nicht ausreichend. Doch das muss nicht so bleiben. Auch bei der Wirtschaftlichkeit wird der Elektromotor den Verbrennungsmotor herausfordern. Die Dinge sind in Bewegung. Einige mächtige Faktoren wirken auf die wirtschaftlichen Verhältnisse:

  • Der deutliche technische Fortschritt bei den Batteriespeichern und der Brennstoffzelle, der sich in höherer Leistung und günstigeren Herstellungskosten äußert.
  • Die immer höheren Erdölförderkosten, die bei steigender Weltbevölkerung und gleichzeitiger Massenmobilisierung in den Schwellenländern den Ölpreis zwangsläufig immer weiter nach oben treiben.
  • Die weitgehende Ausgereiztheit des Verbrennungsmotors, dem Ingenieure bei gleicher Leistung noch maximal 30 Prozent weniger Spritverbrauch zutrauen.
  • Last but not least die Umweltseite: Wir müssen unseren Ausstoß von Treibhausgasen drastisch reduzieren, im Verkehrsbereich gegen Null. Die Szenarien zum Energiekonzept der Bundesregierung enthalten ein striktes sektorales Einsparungsziel für den Verkehr von 90 Prozent bis 2050, gemessen am Stand von 2008. Wenn wir trotzdem weiter Auto fahren wollen, müssen wir auch im Verkehr Erneuerbare Energien nutzen. Zumindest der PKW-Bereich und leichte Nutzfahrzeuge sind dann am günstigsten mit ökologisch erzeugtem, inländischem Strom zu betreiben.

Politik und Elektromobilität

Zum 125. Jubiläum des Autos stehen wir vor der Aufgabe, die segensreiche Erfindung der individuellen motorisierten Fortbewegung nachhaltig und zukunftsfest zu machen. Das schaffen wir am besten durch eine Verbesserung und Diversifizierung der Antriebstechnik. Den langfristigen Umschwung in Richtung elektrischer Antriebe bei den PKWs unterstützen wir. Denn mit erneuerbarem Strom betankt werden unsere Autos effektiv zu Null-Emissionsfahrzeugen. Ökostrom ist das Benzin der Zukunft!

 

2 Kommentare zu »125 Jahre Automobil oder die Rückkehr des Elektromotors«

  1. P.Ulrich schrieb:

    Das Benzin der Zukunft ist der Ökostrom. Das ist ein schöner Abschluss. In der Welt der Hybridautomobile wurde das auch Zeit. Das Hybridauto ist zwar schon ein schritt in die richtige Richtung, aber nicht die optimale Lösung. co2-neutrale Individuelle Mobilität kann nur durch reine Elektroautos geschaffen werden.

  2. O.Momen schrieb:

    Deutschland ist in Sachen Automobile das führende Land. Da können andere Nationen sagen, was sie wollen. Im Ausland genießen deutsche Autos einfach einen ganz anderen Stellenwert.

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