Politik

Laufen unsere Dörfer, die ländlichen Räume leer?

In den kommenden 50 Jahren wird Deutschland 12 bis 17 Millionen Einwohner verlieren. Diese Entwicklung wird in erster Linie die ländlichen Regionen treffen, die im Osten noch früher und heftiger als im Westen.
Eine gefährliche Entwicklung, die wir nicht tatenlos laufen lassen können. Ich möchte, dass Leben und Arbeiten auf dem Lande noch Zukunft in Deutschland hat.

Aber schon heute erleben wir die Probleme in den Dörfern: die Versorgung mit schnellem Internet hinkt hinterher, es droht eine „digitale Spaltung Deutschlands“ zwischen städtischen Regionen, die Zugriff auf modernste Technologien haben, und ländlichen Räumen, die abgehängt werden. All das, was zu einem funktionierenden Gemeinwesen gehört, kann bei zurückgehender Bevölkerung auf dem Lande immer schlechter aufrecht erhalten werden.

Heimat
Heimat (Foto: cjoel on flickr (CC BY-NC-SA 2.0))

Der Kaufmann im Dorf macht dicht, mangels Kindern wird die Schule geschlossen, der Kindergarten bleibt nur, weil die Kinder früher in die Krippe kommen. Und bald werden auch hier die Kinder fehlen. Der Landarzt findet keinen Nachfolger. Ein Unternehmer möchte seinen Betrieb erweitern, aber er findet am Standort keine Mitarbeiter. Die sind in der großen Stadt, 50 km entfernt. Am Stadtrand gibt es neue Gewerbegebiete. Da zieht er hin, seine bisherigen Mitarbeiter ziehen mit; gerade die jüngeren, die mobileren. Die alten Menschen, die immer älter werden, benötigen Pflege, ihre Kinder sind schon längst in die Stadt gezogen. Wer pflegt sie, draußen auf dem Lande?
Man könnte sagen: Diese Entwicklung lässt sich sowieso nicht aufhalten. Wir brauchen „Abwrackprämien“ für Dörfer, die ohnehin keine Chancen mehr haben. Die Zukunft gehört den Städten, den Metropolregionen, den großen Einheiten, wir müssten „die Starken stärken“.

Das ist aber nicht meine Vorstellung. Wir brauchen beides: Starke Städte und Metropolen, aber auch einen fairen Interessenausgleich, der auch den ländlichen Räumen Zukunfts- und Entwicklungschancen bietet. Schließlich haben auch die kleinen Einheiten ihren Wert: Viele soziale Probleme und Konflikte werden hier in einer übersichtlichen Gemeinschaft anders und leichter aufgefangen, nicht dem Staat überlassen. Der Anteil derjenigen, die sich ehrenamtlich engagieren,  z.B. in der Feuerwehr, in den Vereinen und Verbänden, ist hier ungleich höher. Dieses Potential dürfen wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Mit unserer Arbeitsgruppe der Koalitionsfraktionen wollen wir die wichtigsten Problemfelder und Herausforderungen, vor denen die ländlichen Räume stehen, aufgreifen, sie benennen, Lösungen aufzeigen. Ausdrücklich: Anregungen willkommen!

Ingbert Liebing ist Vorsitzender der Koalitionsarbeitsgruppe Koalitionsarbeitsgruppe Ländliche Räume, regionale Vielfalt.

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