Politik

Lernen aus der Vergangenheit!

In den Semesterferien bietet die CDU/CSU-Bundestagsfraktion Studierenden aller Fachrichtungen ein Praktikantenprogramm an. Das Praktikum dauert in der Regel sechs Wochen. Zum umfangreichen Programm für die Praktikanten gehört auch ein Besuch in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen.

Die Straßenbahn bringt einen Besucher bis in das tiefe Herz des Ostens der deutschen Hauptstadt. An diesem regnerischen und kalten Märzvormittag besuchen wir Praktikanten des Deutschen Bundestages ein Stück Vergangenheit, das Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen in Berlin. Das Wetter passt zum Anlass des Tages und umringt von tristen Plattenbauten und heruntergekommenen Imbissbuden, befindet sich das berüchtigtste Zuchthaus der DDR. Fast langweilig und etwas befremdlich wirken die einzelnen Gebäude des Gefängnisgeländes. Es riecht nach alten Linoleumböden, die Wände sind mit graubrauner Farbe gestrichen und selbst die Geländer und Lampen lassen erahnen, wie gegensätzlich die Entwicklung im Osten Deutschlands im Vergleich zum Westen gewesen sein muss.

Unsere Führung übernimmt ein etwas untersetzter, zerstreut wirkender Herr. Er ist Ende vierzig, spricht mit starkem Berliner Dialekt und brennt darauf uns auf den Wegen der Vergangenheit zu begleiten. Nach einer schnellen Einführung folgen wir unserem Gruppenleiter in das sogenannte „U-Boot“. Eine ehemalige Küche für Soldaten, die nach dem zweiten Weltkrieg zu einem typischen Gefangenentrakt mit einzelnen Zellen umgebaut wurde.

Zellengang im "U-Boot"
Zellengang im "U-Boot" des früheren MfS-Gefängnisses (Foto: Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen)

Ohne besondere Einleitung blicken wir in den folgenden 20 Minuten in die tiefen Abgründe der Verfolgung von politischen Feinden der DDR. Bis 1989 wurden in Hohenschönhausen Menschen auf grausamste Weise psychisch gequält und misshandelt. Sicherlich, so wird uns erzählt, haben alle Mitarbeiter ab den 1960er Jahren peinlich genau darauf geachtet keine körperlichen Spuren der Folter bei Gefangen zu hinterlassen, um nach deren Entlassung möglichen Vorwürfen und Beweisen der Misshandlungen zu entgehen. Dennoch lassen einen die darauffolgenden Ausführungen des Berliners das Blut in den Adern gefrieren. Wir rasen geradezu durch die abstoßende Welt der verschiedenen Foltertechniken: Über Dunkelzellen, Schlafentzug und sogenannte Stehzellen, in welchen die Gefangenen unter Androhung von Gewalt bis zu 70 Stunden ausharren mussten. Uns als Zuhörern bleibt kaum ein Moment zum Durchatmen und wir spüren, dass uns heute nichts als die ungeschönte, grausame Wahrheit über das Regime der DDR vermittelt werden soll. „Barkas“, das ist der Name eines typischen DDR-Allzwecktransporters. Wir werden in eine umgebaute Garage geführt, in dem ein solcher LKW in der Mitte des Raumes geparkt wurde. Unser Gruppenleiter schildert dessen vielfältige Verwendungsmöglichkeiten. Unter anderem diente der gutrestaurierte Transporter als umgebauter Gefangenenwagen, mit dessen Hilfe sogenannte DDR-Flüchtlinge und andere Straftäter nach Hohenschönhausen eingeliefert wurden. Unsere Besichtigung führt anschließend weiter durch das Zuchthaus, vorbei an unzähligen Zellen und Verhörzimmern in denen Menschen bis zur Erschöpfung oft über 15 Stunden verhört wurden, mit dem einzigen Ziel der totalen psychischen Zerstörung des Verhörten. Bis zum Mauerfall selbst Bürger der DDR, zeichnet unser Gruppenleiter ein durchgehend realistisches Bild der Vorgänge im Gefängnis und dem alltäglichen Leben in einem sozialistischen Staat.

Wie lautet das Resümee unseres Besuches? Knapp zwei Stunden reichen wohl nicht aus um umfassend zu begreifen, was sich innerhalb der Mauern der Haftanstalt in Hohenschönhausen abgespielt haben muss. Es ist dennoch richtig und wichtig auch auf diesem Wege für das Verständnis der Geschichte und der aktuellen Diskussionen über den Umgang mit der DDR-Vergangenheit beizutragen. Wir jungen und politikbegeisterten Menschen haben heute einen prägenden Teil der Biographie Deutschlands kennengelernt!

Sven Klöber-Koch ist derzeit Praktikant im Büro von Frau Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag.

 

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