Politik

Wir müssen die Grundlagen für die Kultur erhalten

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“

Der Satz aus der Heiligen Schrift will uns zuerst sagen, dass wir Kraft aus dem Wort Gottes schöpfen können. Doch der Vers aus dem Matthäus-Evangelium besitzt mittlerweile noch eine weitergehende Bedeutung: Der menschliche Geist sehnt sich nicht nur nach dem Materiellen. So finden die Menschen Erfüllung in Musik, Kunst und Literatur. Die Künstler sind es, die uns das „Brot für den Kopf“ liefern.

Leider ist dieses Video in Deutschland nicht verfügbar.
In Deutschland nicht verfügbar. (Screenshot: Youtube.com)

Kultur ist für eine Gesellschaft wichtig. Darum fördert der Staat sie. In den vergangenen Jahren hat die christlich-liberale Koalition die Unterstützung sogar noch leicht steigern können. Vielleicht noch wichtiger als die Subventionierung ist jedoch im Zeitalter des Internets etwas anderes. Wir müssen die Grundlagen dafür erhalten, dass ein Künstler von seiner Arbeit überhaupt leben kann.

Diese Grundlage ist vor allem das Urheberrecht. Ich kann die Künstler nur allzu gut verstehen, die in den vergangenen Wochen vehement den Schutz ihres geistigen Eigentums auch für die Verbreitung im Internet gefordert haben. Eine reine Gratiskultur kann es im Internet nicht geben.

Jeder Musiktitel, jedes Gedicht, jedes Bild ist ein Werk, das Respekt verdient.

Dieser Respekt beinhaltet, dass ein Künstler grundsätzlich voll über das verfügen können muss, was er geschaffen hat. Derjenige, der ein Werk nutzen will, muss ihm im Zweifel dafür etwas zahlen.

Das Internet ist auf der anderen Seite aber natürlich ein Medium, das wie kein anderes die Popularität von Künstlern fördern kann. Lieder werden heute allein dadurch bekannt, dass sie im Internetportal YouTube eingestellt werden. Das Internet ist Teil der heutigen Kultur. Wenn es um die konkrete Ausgestaltung des Schutzes von Werken geht, muss daher abgewogen werden – zwischen dem Schutz des geistigen Eigentums und der Freiheit des Internets. Das YouTube-Urteil des Hamburger Landgerichts aus der vergangenen Woche geht hier in die richtige Richtung. Das Internetportal muss zwar von sich aus nicht alle Inhalte auf Urheberrechtsverletzungen prüfen.

Es muss aber beanstandete Videos schnell aus dem Angebot nehmen – und auch dafür sorgen, dass sie nicht wieder eingestellt werden.

6 Kommentare zu »Wir müssen die Grundlagen für die Kultur erhalten«

  1. Kai Euteneuer schrieb:

    Zitat: „…muss abgewogen werden zwischen dem Schutz des geistigen Eigentums und der Freiheit des Internets.“
    Ist das Internet nicht das größte kollektive Bewusstsein der Menschheit?
    Heißt es nicht, dass jeder Mensch das Recht auf Bildung und Kultur hat?
    Ist es somit also nicht vollkommen legitim, dass jeder uneingeschränkten Zugang erhält und das selbst die finanziell weniger ausgestatteten Mitbürger eine Chance haben?
    Da das Internet, wie schon oben angeführt, das größte kollektive Bewusstsein der Menschheit ist und einfach vieles zur Verfügung stellt, was andere implementieren, habe ich dann nicht einfach das Anrecht darauf das Wissen für mich frei zu nutzen?

  2. Kuno Jasbinschek schrieb:

    Urheberrecht

    Ein eigener Text wird aus Worten gesponnen.
    Dazu werden dann Worte genommen.
    Sätze gebildet, mit mal mehr ,mal weniger Sinn,
    nur so hauen eigene Texte hin.

    Die Worte, aufgereit wie die Glieder einer Kette,
    wenn man nur genügend Worte hätte.
    Und wenn man keine Worte fand,
    wird es nur ein schlichtes Armband.

    Mit Worten spielen, das ist verrückt
    und kommen sie von alleine,
    bist du entzückt.
    Doch manche müßen
    und da packt mich das Grauen,
    anderen ihre Worte klauen.

    Die nennt man dann wohl „Worteklauer“,
    das sind die, die ich bedauer.
    Darum leg dich lieber auf die Lauer
    und vertreib für uns die „Worteklauer“.

    http://youtu.be/CAtmcLYi02Q
    In diesem Sinn schicke ich freundliche Grüße

  3. Kuno Jasbinschek schrieb:

    Nachtrag zu meinem Kommentar vom 27.04.2012 um 11:04.
    Ich finde es zum Beispiel prima, dass es die Möglichkeit gibt, einen Kommentar mit so einem You Tube Link aufzupeppen.
    Es wäre doch schade, wenn es diese Möglichkeit nicht mehr geben würde.
    So können Sie, wenn Sie diesen Kommentar dem hohen Haus( Bundestag) vorlesen, anschließend das Lied laufen lassen.
    So kommt mal Stimmung in die Bude.

  4. Ralf Fuschtei schrieb:

    muss OHNE ZWEIFEL dafür etwas bezahlen und dazu ist ein Gewissen notwendig. Im deutschen TV wird das jedoch permanent untergraben. So etwas wie Gewissen entspringt dem Glauben an einen einheitllichen Schöpfer irdischer Dinge. Das ist echtes Urheberrecht. Sie zahlen es im Endeffekt ihrem Gott und nicht einem Menschen. Wer das akzeptiert, hat schon ein Gewissen und darf die Augen zu lassen, denn wer Gott sieht wird sterben. Selbst Mose wurde daher verweigert Gott anschauen zu dürfen. (1.-5. Mose oder auch Genesis bis Deuteronomium genannt)

  5. Lula Latein schrieb:

    Ja, Ja die ach so notwendige Kultur!!
    Wie wendig wird denn unsere Kultur in größeren Nöten sein?

    Welche und vor allen Dingen wie viel brauchen wir denn unbedingt davon? Die Asiaten produzieren inzwischen das, was wir können, ebenso gut. Dazu brauchen die unsere Kultur also nicht.

    Ist in einer Zeit, in der prinzipiell „Alle Alles können“, die für den Erfolg ursprüngliche unverzichtbare westeuropäische Symbiose von Kultur, Technik, Fortschritt und Menschenrechte noch notwendig? Sind wir deswegen auch künftig erfolgreicher, weil wir uns die höchste Dichte an Opernhäusern, Symphonieorchester, bis hin zu den kleinsten Landesbühnen, gönnen? Ist eine sehr gute Rechtschreibung Ausdruck eines eigenen hohen kulturellen Anspruches?

    Oder ist es etwa ganz anders? Könnten wir eines bösen Tages deshalb immer konkurrenzunfähiger werden, weil wir uns einen zu hohen kulturellen Aufwand leisten?

    Klar, diese Frage geht an die Substanz. Aber wie viel Substanz bleibt denn noch übrig, wenn die bisherigen Symbiosen nicht mehr notwendig sind?

    Und dazu ein exemplarisches Beispiel. Früher war die Banken-Branche, wenn es denn keine Wucherer waren, mit den höchsten moralischen Vorschußlorbeeren ausgestattet. Mündelsicher mit Schlips und Kragen waren die Ansprüche. Auf die Bankenkultur war Verlass. Was ist denn davon übrig geblieben? Bei den Genossen und Sparkassen wohl noch am meisten. Aber auch die haben in der jüngeren und längeren Vergangenheit schon zur Genüge mit der DZ-Bank, den Landesbanken und den Girozentralen bewiesen, wieweit sie schon vom kulturellen Vertrauensstandard abweichen können. Die Kultur der bürgerlichen Vertrauensseligkeit ist nicht mehr.

    Ein weiteres Beispiel: Bis vor wenigen Jahrzehnten glaubten wir, dass Kultur auch was mit nationaler Identität zu tun haben könnte. Aber auch dieser Anspruch wackelt. In Kunst, Sprache, Medienkultur, Mode und Musik hat die nationale Identität die Schwindsucht. An deren Stelle treten immer stärker internationale Maßstäbe zur Bestimmung dessen, was denn nun unter Kultur zu verstehen ist.

    Und wo ist hierüber die öffentliche Diskussion? Wo sind die Politiker und die Philosophen, die sich diesen Fragen annehmen? Statt dessen gibt es nur das anklagende Lamento der Betroffenen, wenn jetzt vermehrt Operhäuser geschlossen und Orchester zusammengelegt werden.

    Aber da geht es dann nicht um die Frage, ob die kulturelle Leistung so gut ist, dass sie sich selbst finanziell trägt, sondern darum, wie hoch die Subventionen für eingebildete Leistungen sein müssen, damit man sich nach wie vor anspruchsvoll als edelsten Teil der republikanischen Kultur gehätschelt fühlen kann.

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