Netzpolitik

Digitale Wirtschaft ist wichtiger Wachstumstreiber in Deutschland

 

Dr. Bernhard Rohleder
Dr. Bernhard Rohleder auf dem Netzkongress der CDU/CSU-Fraktion am 20.02.2013

 

Begleitend zum Netzkongress der CDU/CSU-Bundestagsfraktion analysiert Dr. Bernhard Rohleder,  Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes  BITKOM e.V., welche Rolle die IKT-Industrie für das Wachstum der deutschen Wirtschaft spielt und warum Verbesserungen für den Wagnis- und Wachstumskapitalmarkt nötig sind, um weiterhin erfolgreiche Start-Up-Gründungen in Deutschland zu ermöglichen.

 

Der deutschen Wirtschaft geht es so gut wie lange nicht mehr. Historisch niedrige Arbeitslosigkeit, leichtes Wirtschaftswachstum, stabile Finanzen – man vergisst zu schnell, welche absolute Ausnahmesituation Deutschland in Anbetracht der Rezessionen und Rekordarbeitslosigkeit in vielen anderen großen Volkswirtschaften des Euroraums einnimmt. IT hat – neben einer vernunftgesteuerten Politik – einen nicht unwesentlichen Teil dazu beigetragen.

Die ITK-Branche lag mit ihren Wachstumszahlen in den letzten Jahren deutlich über denen der Gesamtwirtschaft. 2012 etwa wuchs die Branche um gut 2 Prozent bei einem BIP-Zuwachs von 0,7 Prozent. Auch für 2013 Jahr liegt unsere Prognose mit mehr als einem Prozent Wachstum wieder deutlich über den 0,4 Prozent, die zum Beispiel von der Bundesregierung für die Gesamtwirtschaft angenommen werden. Auch die ITK-Exporte laufen mit ca. 50 Milliarden Euro pro Jahr stabil.

Das Umsatzwachstum übersetzt sich unmittelbar in Arbeitsplätze. Software und IT-Services gehören zu den wachstumsstärksten Segmenten, und genau hier entstehen pro Jahr etwa 20.000 zusätzliche Jobs. Insgesamt hat die BITKOM-Branche in Deutschland seit 1997 200.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Damit beschäftigt die BITKOM-Branche knapp 900.000 Menschen und ist so knapp nach dem Maschinenbau der zweitgrößte industrielle Arbeitgeber Deutschlands – deutlich vor dem Automobilbau, der Elektrotechnik oder der Chemie.

Die IT- und Telekommunikationsunternehmen bieten in aller Regel gut bezahlte und sichere Jobs, einen Niedriglohnsektor kennt die Branche so gut wie nicht. Keineswegs handelt es sich dabei nur um Arbeitsplätze für Hochschulabsolventen. Viele Facharbeiter sind bei ITK-Unternehmen tätig, Fachinformatiker zählen zu den Top 20 Ausbildungsberufen.

Für die ITK-Branche sind die Perspektiven sehr gut, ob Cloud-Computing, Big Data, mobile Kommunikation oder das Leitthema der diesjährigen CeBIT „shareconomy“: Die digitale Wirtschaft ist der Treiber von Innovationen und neuen Geschäftsmodellen quer durch die Wirtschaft. Mit der so genannten vierten industriellen Revolution – also der Verschmelzung der klassischen Fertigungsindustrie mit dem Internet – bieten sich für Deutschland enorme Wachstumschancen etwa beim vernetzten Automobil- oder Maschinenbau. Unser hoher Industrieanteil verbunden mit einer leistungsfähigen ITK-Branche versetzt uns in die Lage, die Wertschöpfungsketten der Industrie 4.0 fast vollständig hier im Land abzubilden und bietet uns für die kommenden Jahre einen unschätzbaren strukturellen Vorteil.

Diese Entwicklung braucht keine politische Intervention, sie braucht politische Flankierung. An erster Stelle muss das Problem des Fachkräftemangels gelöst werden – erste und vornehmste Aufgabe der Politik. Handlungsbedarf gibt es auch bei der Weiterentwicklung des Datenschutzes im Sinne einer Datenstandort-Politik, bei IT-Sicherheit, der Modernisierung von Infrastrukturen zu Intelligenten Netzen und bei einer Innovationspolitik, die den extrem kurzen Innovationszyklen der digitalen Wirtschaft Rechnung trägt. Dazu zählen etwa die steuerliche Forschungsförderung oder Verbesserungen für Wagnis- und Wachstumskapital zur Finanzierung von Innovationen durch Start-Ups und Gründer.

Diese Aufgaben stellen sich ressortübergreifend. Ebenso, wie die Digitalisierung in der Wirtschaft regelrechte Revolutionen auslöst und das bisherige Gefüge von Branchen und Technologien durcheinanderwirbelt, so wird sie auch die Politik verändern. Auch deshalb tut eine institutionelle Aufwertung aller Themen rund um die digitale Wirtschaft und die digitale Gesellschaft not – im Deutschen Bundestag ebenso sowie in der Bundesregierung.

Ein Kommentar zu »Digitale Wirtschaft ist wichtiger Wachstumstreiber in Deutschland«

  1. Pingback Medienbox » Blog Archive » Nur in der Schule herrscht vielerorts Ruhe

Diskussionsbeitrag schreiben