Finanzmarkt, Wirtschaft

Kein Raum für Maßlosigkeit

 

Aktionäre sollen über Managergehälter entscheiden (Foto: flickr/ Moritz Sirowatka, CC BY 2.0)
Aktionäre sollen über Managergehälter entscheiden (Foto: flickr/ Moritz Sirowatka, CC BY 2.0)

Aktionäre sollen künftig über die Gehälter von Managern entscheiden

Das Verhältnis vom Durchschnittsgehalt in einem Unternehmen zu den Gehältern von Vorständen und Managern hat sich grundlegend geändert. Im Schnitt ist das Gehalt der Vorstände der 30 größten deutschen Unternehmen in den letzten 25 Jahren um 713 Prozent gestiegen. 1997 betrug es das 19-Fache des Durchschnittsgehalts, vor zwei Jahren bereits das 54-Fache. Vor diesen Unwuchten werden wir als größte Bundestagsfraktion die Augen nicht verschließen.

Zum Maßhalten hatte die Deutschen bereits Ludwig Erhard, der Vater der sozialen Marktwirtschaft, aufgefordert. Diese Forderung stellt sich in Zeiten der Finanz- und Staatsschuldenkrise neu. Wir müssen Nutzen und Lasten gerecht verteilen. Für Maßlosigkeit und Exzesse lassen Freiheit und soziale Gerechtigkeit keinen Raum.

Die Unionsfraktion plant daher eine Änderung des Aktienrechts. Vorstandsgehälter sollen künftig von den Eigentümern eines börsennotierten Unternehmens, den Aktionären in der Hauptversammlung, beschlossen werden. Anders als bisher sollen sie das letzte Wort haben. Es geht dabei um grundlegende Entscheidungen für das Unternehmen. Und die Entwicklungen der letzten Jahre zeigen, dass es nicht genügt, wenn Aufsichtsräte hier die Entscheidungshoheit haben. Wenn im kleinen Kreis Unternehmens- und Gewerkschaftsvertreter entscheiden, mangelt es häufig an Nachvollziehbarkeit und Transparenz.

Letzte Entscheidung liegt beim Aufsichtsrat

Denkbar ist, dass die Hauptversammlung künftig auf Vorschlag des paritätisch besetzten Aufsichtsrats ein Letztentscheidungsrecht über die Managervergütung erhält. Diese unternehmerische Entscheidung schafft Transparenz, stärkt aber auch Wirtschaftlichkeit und dient dem sozialen Frieden im Unternehmen. Eine Deckelung von Gehältern wollen wir mit Blick auf Vertragsfreiheit und die Grundsätze der sozialen Marktwirtschaft jedoch nicht.

Sehr erfreulich ist, dass auch die Europäische Union Regelungen zu mehr Transparenz von Managergehältern und einer Stärkung der Eigentümer in diesem Bereich plant. Deutschland wird dieses Thema mit einer baldigen nationalen Regelung voranbringen und so auch hier eine Vorreiterrolle einnehmen – ähnlich wie wir es beim Verbot von Leerverkäufen oder jüngst beim Hochfrequenzhandel getan haben.

Über die Selbstregulierung der Wirtschaft und die Regeln der Corporate Governance ist es leider nicht gelungen, das Problem zu lösen. Aber auch Manager sind Angestellte ihres Unternehmens und somit seinen Eigentümern sowie den Mitarbeitern verpflichtet. Durch mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit werden wir klare Gehaltsstrukturen schaffen und so auch das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft stärken.

Michael Grosse-Brömer ist Mitglied des Bundestages seit 2002, seit Mai 2012 ist er Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion.

3 Kommentare zu »Kein Raum für Maßlosigkeit«

  1. Andreas Heinz schrieb:

    Das ist das einzig vernünftige. Die Aktionäre müssen diese Entscheidung, die eine der wichtigsten darstellt, selbst handeln, aber nicht nur abnicken, sondern dafür sorgen, dass lediglich Leistung entlohnt wird.

  2. AntiIdeologe schrieb:

    Da wird ja doch nur wieder mal der Bock zum Gärtner gemacht.
    Wer sind denn die mächtigsten Aktionäre?
    Typisch, die selben konservative Marktideologen die uns die Dauerkrise eingebrockt haben dollen jetzt für Besserung sorgen ?
    Ich bezweifle das es dieses mal besser klappen soll als das bisherige desasträse Krisenmanagement der rechten Dagegen-Ideologen.
    Leider haben sie bereits unsere Renten gestohlen und die Früchte des Wiederaufbaus verscherbelt. Die Demokratien Mitteleuropas kriegen sie sukzessive auch noch kaputt gemacht. Es scheint leider kein Mittel gegen diese durch und durch zerstörerischen Kräfte zu geben.

  3. Leo Aul schrieb:

    Das unausrottbare Grundproblem: Firma ohne Eigner, Vorst. u.+ AR kann am nächsten Tag noch voll produzieren und noch eine Zeit erhalten werden. Aber e. Firma ohne Arbeitnehmer ist am nächsten Tage „arbeitslos“. Allerdings ist der „Überlebenspuffer“ des einfachen Arbeitnehmers (Geld, Ausbildung und Flexibilität) so klein u. kurz, daß trotz Arbeit seine Kinder bald nach Brot schreien. Die andere Seite verliert auch, aber deren Überlebensstrategien sind langlebiger, besser und flexibler. Schon richtig, das mit den Böcken und Gärtnern. Hat einer die Aktienmehrheit, kann er tun uns lassen was er will. Die Dauerkrise besteht, weil global zu viele glauben, auf Dauer mehr konsumieren als leisten zu dürfen. Die Maßlosigkeit ist zu groß geworden. Schuldzuweisungen sind müßig, denn Ursache ist eine unausrottbare menschliche Eigenschaft. Mit alten Ideologien das menschliche Wesens zu verändern, geht bekanntlich nicht. Und wie will Altideologe ohne Polizeistaat das Problem oberflächlich lösen?

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