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Neue Telekomtarife dürfen Netzneutralität nicht gefährden

Gehört unbegrenztes Surfen bald der Vergangenheit an? (Foto: flickr/johnthurm, CC BY-NC-SA 2.0)
Gehört unbegrenztes Surfen bald der Vergangenheit an? (Foto: flickr/johnthurm, CC BY-NC-SA 2.0)

 

Die Telekom will die Flatrate durch Datenpakete ersetzen. Unbegrenzt surfen auf der magenta-roten Welle ist dann also nicht mehr möglich. Wer mehr braucht, muss mehr zahlen. Abzocke? Versteckte Preiserhöhung? Diskriminierung der Mitbewerber? Erst einmal müssen die Fakten geklärt werden:

Die Telekom begrenzt das Internet-Datenvolumen im Festnetzbereich so wie es auch schon im Mobilfunk geregelt ist. Ist die Volumengrenze erreicht, wird die Geschwindigkeit gedrosselt. Wer schneller will, muss draufzahlen. Nun sollen aber Telekom-eigene Dienste wie „Entertain“ davon ausgenommen sein, also nicht auf das Gesamtvolumen angerechnet werden. Das würde eine Diskriminierung der Wettbewerber bedeuten. Konkret: wenn ich mir eine Sendung in einer Mediathek anschaue, wird es auf das Datenvolumen angerechnet, wenn ich „Entertain“ habe, dann nicht. Die Telekom argumentiert, dass „Entertain“ ein Dienst sei, für den die Kunden extra zahlen und ohnehin nicht als Internetdienst gilt. Die Bundesnetzagentur muss nun prüfen, ob die neuen Tarife der Telekom gegen das im Telekommunikationsgesetz verankerte Prinzip der Netzneutralität verstoßen. Es darf nicht sein, dass die Telekom ihre eigenen Dienste bevorzugt, indem deren Nutzung nicht auf das konsumierte Datenvolumen angerechnet wird. Sie würde dadurch ihre Stellung am Markt auf Kosten des Wettbewerbs und damit der Verbraucherinnen und Verbraucher ausbauen.

Dann ist da noch die Frage nach dem lieben Geld. Für manche Nutzer wird es teurer. Die, die das Internet intensiv nutzen und ja, auch Familien, in denen mehrere Mitglieder online gehen und dann schneller die Volumengrenze erreichen als viele Singles, müssen dann mehr zahlen. Was für Bananen und die Straßenbahn gilt, kann doch auch für das Internet gelten?

Schlussendlich liegt es ja aber am Verbraucher selbst, ob er das mitmachen will oder nicht. Die neuen Tarife können auch sehr schnell zum Wettbewerbsnachteil für die Telekom werden. Kunden können sich für einen anderen Anbieter entscheiden. Die werden die Vorgänge jedenfalls ganz genau beobachten. Wenn sich die Kunden die neuen Tarife gefallen lassen, werden sie wohl nachziehen.

Pressemitteilung von Mechthild Heil und Peter Tauber: Netzneutralität gewährleisten

Ein Kommentar zu »Neue Telekomtarife dürfen Netzneutralität nicht gefährden«

  1. FM schrieb:

    „Schlussendlich liegt es ja aber am Verbraucher selbst, ob er das mitmachen will oder nicht. Die neuen Tarife können auch sehr schnell zum Wettbewerbsnachteil für die Telekom werden. Kunden können sich für einen anderen Anbieter entscheiden. Die werden die Vorgänge jedenfalls ganz genau beobachten. Wenn sich die Kunden die neuen Tarife gefallen lassen, werden sie wohl nachziehen.“

    Und genau das ist das Problem.
    Der Durchschnittskunde eines ISPs lässt sich viel erzählen und ist meist so unwissend wie er lang ist.

    Nicht der sachkundige Kunde wird hier entscheiden.

    Heißt also, Wirbel machen und Gesetze verlangen.

    Was anderes hilft da nicht, denn auch wenn man es diesmal schafft die Telekom zur Vernunft zu bringen, der Vorstoß kommt wieder, das ist sicher.

    Wenn man sich erinnert: Zeit- / Daten-Tarife hatten wir schonmal, die wurden einem aber auch wenigstens als solche verkauft und nicht als „FLATRATE(kleines Sternchen)“

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