Netzpolitik

20 Jahre freies und offenes Internet

 

30. April 1993: Der Durchbruch des freien und offenen Internets. (Foto: dpa/Stein)
30. April 1993: Der Durchbruch des freien und offenen Internets. (Foto: dpa/Stein)

Heute vor zwanzig Jahren, am 30. April 1993, gab das Europäische Kernforschungszentrum (CERN) bei Genf die Nutzung des World Wide Web für die Öffentlichkeit frei. Der Student Marc Andreessen hatte mit der Software Mosaic den ersten grafikfähige Browser entwickelt und damit das Internet für die Allgemeinheit attraktiv gestaltet.

Der 30. April 1993 markiert deshalb den Durchbruch des freien und offenen Internets. Zur Geburtsstunde waren nur wenige aktiv dabei, inzwischen ist das World Wide Web zur zentrale Informations- und Kommunikationsplattform für Millionen Menschen in aller Welt und zum entscheidenden Faktor für Wirtschaftskraft und Wohlstand in Deutschland und Europa geworden.

Digitalisierung ist ein Megatrend, der sich nicht aufhalten, aber gestalten lässt.

Für diese Gestaltung benötigen wir in den nächsten Jahren noch mehr hochleistungsfähige Breitbandinfrastrukturen ebenso wie eine gute digitale Standortpolitik und zukunftsfähige Geschäftsmodelle.

Wo vor 20 Jahren noch klassische Wirtschaftszweige vorherrschend waren, sehen wir jetzt außerdem Industrie 4.0, Medienkonvergenz  und Big Data als enormes Potential für den Wirtschaftsstandort Deutschland an.

Eine so hohe Vernetzung in der digitalen Wirtschaft bedeutet aber auch eine hohe Abhängigkeit. Daher müssen wir ein hohes Maß an Datensicherheit und -schutz gewährleisten. Zugleich müssen wir ein level playing field schaffen: Die Wettbewerbsbedingungen von analoger und digitaler Welt müssen gleich gestaltet sein. Auch darf es nicht sein, dass wenige große Unternehmen bei der Digitalisierung den Ton angeben, und damit die Freiheit und Offenheit gefährden, mit der das World Wide Web einst gestartet ist. Die aktuelle Diskussion um Providerverträge verdeutlicht, dass es gut war, den Grundsatz der Netzneutralität, also den gleichberechtigten Zugang zum Netz und die gleichberechtigte Übermittlung von Datenpaketen, im Telemediengesetz zu verankern.

 

2 Kommentare zu »20 Jahre freies und offenes Internet«

  1. Just another Pirate schrieb:

    Zu einer guten Standort Politik gehört auch der Verzicht auf Vorratsdatenspeicherung und andere Überwachungsmaßnahmen. Zudem haben wir hier in weiten Teilen immer noch uralte Kupferleitungen und langsames DSL. Gleichzeitig wird in Asien, USA und anderen EU Ländern das Glasfasernetz rasant ausgebaut, in weiten teilen von Russland bekommt man schon jetzt schon schnelleres Internet als in Deutschland. Und jetzt kommt noch die Drosselung von der Telekom.

    Die bisherige Politik hat da jämmrlich versagt… da ich beruflich (startup) auf gutes Internet angewiesen bin um wirtschaftlich zu überleben sind CDU/FDP/SPD/Grüne leider für mich nicht mehr wählbar.

  2. Ockenga schrieb:

    Die ganz andere Sicht!

    Wohin die sozialiberale Deregulierung (auch bei uns favorisiert) in der Finanzwelt geführt hat, ist offensichtlich. Die Staaten wurden zu Knechten der Finanzmärkte und verloren bis jetzt wesentliche Teile ihrer Hoheiten. Weltweit wurde damit das Geld weitgehend der demokratischen Aufsicht und Kontrolle entzogen. Wildwuchs ist die Folge. Kann dieser Mißbrauch auch dem Netz geschehen?

    Ein leistungsstarkes und allseits verfügbares Netz ist dringend notwendig. Keine Frage. Da hinken wir noch hinterher. Dass die Telekom von den anderen Marktteilnehmern hemmungslos ausgenutzt wird, weil die sich nicht am Netzausbau beteiligen, ist das gut? Wenn nicht einmal 5% der Nutzer über 80% der Kapazität beanspruchen, ist das für den normalen User, der diesen intensiven Gebrauch subventioniert, akzeptabel?

    Keine Vorratsdatenspeicherung und andere Überwachungsmaßnahmen, keine Kontrolle, keine Hemmschwelle für den Missbrauch. Das klingt alles gut. Zu gut um auch im Netz dem Einzelnen sein Recht wahren zu können. .

    Ein dereguliertes Netz mit jedem erdenklichen Wildwuchs würde letztlich auch jeden Politik-Verachter reumütig in die Hängematte der Rechtssicherheit zurück treiben. Und das ginge noch schneller, wenn seine Tochter im Netz unflätig gemobbt, oder er mit seiner Firma von seinen Konkurrenten kriminell diskriminiert wird.

    Wie sich die Bilder gleichen. Schon so mancher war total gegen die Gentechnik, hat sie aber reumütig genutzt, als nur mit ihr eine Krankheit geheilt werden konnte.

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