Arbeitsmarkt, Europa, Politik

Gemeinsam gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa

Deutschland ist das Land mit der geringsten Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Darauf ruht sich die Bundesregierung jedoch nicht aus, sondern versucht aktiv, andere Mitgliedstaaten bei der Reform ihrer Arbeitsmärkte und der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu unterstützen (Foto: flickr.com/ ME-Arbeitgeber, CC BY 2.0)
Deutschland ist das Land mit der geringsten Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Darauf ruht sich die Bundesregierung jedoch nicht aus, sondern versucht aktiv, andere Mitgliedstaaten bei der Reform ihrer Arbeitsmärkte und der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu unterstützen. (Foto: flickr.com/ ME-Arbeitgeber, CC BY 2.0)

 

Initiativen zur Schaffung eines Europäischen Arbeitsmarktes

In Folge der Krise hat die Arbeitslosigkeit in vielen Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) stark zugenommen. Insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit ist dramatisch angestiegen. 7,5 Millionen junge Menschen in der EU sind derzeit weder in Arbeit noch in Ausbildung. Die Arbeitslosenrate bei den unter 25-Jährigen ist mit 23,4 Prozent mehr als doppelt so hoch wie die allgemeine Arbeitslosenrate. Besonders dramatisch ist die Lage in Griechenland und Spanien, wo die Jugendarbeitslosigkeit sogar bei über 55 Prozent liegt.

Natürlich hat die steigende Arbeitslosigkeit in vielen Mitgliedstaaten mit der anhaltend schwierigen konjunkturellen Lage zu tun. Es gibt aber auch strukturelle Gründe, die zur überproportional hohen Jugendarbeitslosigkeit beitragen: Zum einen ist in den besonders betroffenen Mitgliedstaaten der Übergang von einer befristeten in eine unbefristete Beschäftigung für viele junge Menschen besonders schwierig. In der Krise sind es dann auch die jungen, befristet beschäftigten Arbeitnehmer, die als erstes ihren Arbeitsplatz verlieren. Beschäftigungssichernde Instrumente der internen Flexibilität wie Arbeitszeitkonten oder Kurzarbeit-Regelungen sind kaum verbreitet. Hier richten sich die Anstrengungen vieler Mitgliedstaaten darauf, die Hürden beim Übergang von einer befristeten in eine unbefristete Beschäftigung abzubauen bzw. die Struktur des Arbeitsmarktes zu verändern. Zum anderen sind die Qualifikationen der Jugendlichen oft nicht mit den Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt kompatibel. Ein Duales System der Berufsausbildung, das in Deutschland zur guten Integration junger Menschen in den Arbeitsmarkt beiträgt, ist in den wenigsten EU-Mitgliedstaaten vorhanden. Junge Menschen haben daher häufig trotz einer abgeschlossenen Ausbildung Schwierigkeiten beim Einstieg in den Arbeitsmarkt, weil sie aus Sicht der Arbeitgeber nicht über ausreichende praktische Erfahrung verfügen. Viele Mitgliedstaaten versuchen deshalb, den praktischen Teil der Berufsausbildung zu stärken.

„Jugendgarantie“ soll Entspannung bringen 

Strukturreformen dieser Art sind wichtig, können aber nur in begrenztem Maße zur kurzfristigen Entspannung auf dem Arbeitsmarkt beitragen.Genauso wichtig ist es daher, durch entschlossenes Handeln dafür zu sorgen, dass von Arbeitslosigkeit betroffene junge EU-Bürger den Anschluss an den Arbeitsmarkt nicht verlieren. Diesen Anspruch haben die Arbeits-und Sozialminister der Mitgliedstaaten Ende Februar mit ihrer Einigung auf eine Ratsempfehlung zur Einführung einer Jugendgarantie deutlich zum Ausdruck gebracht: Die Jugendgarantie sieht vor, dass alle Menschen unter 25 Jahren binnen vier Monaten, nachdem sie arbeitslos werden oder die Schule verlassen, ein hochwertiges Angebot für eine Arbeitsstelle, einen Ausbildungsplatz, eine Weiterbildungsmaßnahme oder einen Praktikumsplatz erhalten sollen. Mit diesem Ansatz der frühen Aktivierung und Förderung hat auch Deutschland gute Erfahrungen gemacht. Die Empfehlung beschreibt ein Leitbild, an dem sich alle Mitgliedstaaten orientieren können, egal auf welchem Niveau sich die Arbeitslosigkeit befindet. Die konkrete Umsetzung und institutionelle Ausgestaltung der Jugendgarantie liegt in den Händen der Mitgliedsstaaten.Mit der Erfüllung der Jugendgarantie sind selbstverständlich auch Kosten und Mühen verbunden, die insbesondere für krisengebeutelte Mitgliedsstaaten im Lichte der Haushaltskonsolidierung ohne unterstützende Maßnahmen schwer zu schultern wären. Es war daher ein wichtiges Zeichen, dass der Europäische Rat im Rahmen der Einigung auf den zukünftigen mittelfristigen Finanzrahmen im Februar diesen Jahres vorgesehen hat, speziell für die Regionen mit einer Jugendarbeitslosigkeit von über 25 Prozent Mittel in Höhe von sechs Milliarden Euro zur Förderung der Jugendbeschäftigung einzuplanen. Dafür werden drei Milliarden aus dem Europäischen Sozialfonds und die restlichen drei Milliarden aus einer eigenständigen Haushaltslinie „Jugendbeschäftigung“ genutzt. Diese Mittel müssen so schnell wie möglich abgerufen werden, um die Situation auf dem Arbeitsmarkt zu entspannen.

Mobilität gewinnt an Bedeutung 

Zunehmende Bedeutung bekommt die Förderung der Mobilität. Während zum Beispiel in Deutschland in bestimmten Branchen und Regionen Fachkräfte und Auszubildende gesucht werden, erreicht die Jugendarbeitslosigkeit in anderen Mitgliedstaaten monatlich neue Rekorde. Es liegt auf der Hand, in dieser Situation die Potenziale der Arbeitnehmerfreizügigkeit in Europa stärker zu nutzen und die Mobilität zu fördern. Einen wichtigen Beitrag hierzu muss das Netzwerk der Europäischen Arbeitsverwaltungen (EURES) leisten. Diesbezüglich hat die Kommission zuletzt die deutschen Vorschläge aufgenommen und das Netzwerk grundsätzlich auch für Ausbildungs- und Praktikumsplätze geöffnet. Zudem sollen Mobilitätsprogramme wie das Programm „Dein erster EURES-Arbeitsplatz“ ausgebaut und weiterentwickelt werden. Deutschland ist das Land mit der geringsten Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Darauf ruht sich die Bundesregierung jedoch nicht aus, sondern versucht aktiv, andere Mitgliedstaaten bei der Reform ihrer Arbeitsmärkte und der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit zu unterstützen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) leistet in diesem Bereich bilaterale Arbeit insbesondere mit den südeuropäischen Staaten. So wurde in Neapel im November 2012 eine Jugendkonferenz auf Ministerebene veranstaltet, auf der mit Vertretern der Bildungsministerien ein „Memorandum of Understanding“ zur Zusammenarbeit unterzeichnet wurde. Auch mit Spanien, Portugal und Griechenland wird derzeit die Zusammenarbeit diesbezüglich ausgebaut. Neben der Förderung der Mobilität besteht im Rahmen der bilateralen Zusammenarbeit mit diesen Ländern auch das Interesse an dem deutschen System der Dualen Ausbildung. Ein Instrument, mit dem das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) junge Europäer ganz konkret unterstützt, ist das Programm Mobi-Pro-EU. Das Programm, das Anfang Januar 2013 gestartet ist, läuft über vier Jahre und richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene aus den EU-Mitgliedstaaten zwischen 18 und 35 Jahren, die über eine abgeschlossene Schulausbildung bzw. eine berufliche Qualifikation verfügen und in Deutschland eine Ausbildung  Beschäftigung in einem Engpassberuf aufnehmen möchten. Die jungen EU-Bürger werden vom BMAS beim Erlernen der deutschen Sprache sowohl im Herkunftsland als auch in Deutschland unterstützt. Zusätzlich werden Zuschüsse zu Reisekosten und zum Lebensunterhalt sowie sozial- und berufspädagogische Ausbildungsbegleitung gewährt. Die Bundesregierung setzt sich insofern auf allen Ebenen für Maßnahmen zur Förderung der Jugendbeschäftigung ein, um mit der Arbeitslosigkeit junger Menschen eine der größten Herausforderungen Europas zu bewältigen. Dass wir dabei erfolgreich sind, ist nicht nur im Interesse der jungen Menschen und ihrer Heimatländer. Auch Deutschland profitiert von einem hohen Beschäftigungsstand in ganz Europa.

Dr. Ralf Brauksiepe

Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Arbeit und Soziales

2 Kommentare zu »Gemeinsam gegen die Jugendarbeitslosigkeit in Europa«

  1. Ockenga schrieb:

    Das Problem betrifft mehr oder weniger alle. Es hilft nicht, die Wirkungen zu diskutieren ohne die Gründe zu kennen.

    1. Gemessen an der früher notwendigen individuellen Arbeitsleistung, hat die enorme und immer noch steigende Produktivität generell zu Verlusten an Arbeitsplätzen geführt. Zwar erfordert, im Gegensatz dazu, der ständig steigende Wohlstand immer höhere Produktionszahlen, aber durch Automatisierung, Computerisierung und Robotertechniken stiegen nicht im gleichen Umfang auch die Zahl der Arbeitsplätze.
    2. Immer mehr Menschen drängen weltweit in die industriellen Produktionsstätten.
    3. Besonders aus Europa wurden deshalb die Arbeitsplätze abgezogen.
    4. Der erbarmungslose Preisvergleich erfolgte ohne Rücksicht auf kulturelle Unterschiede.
    5. Gäbe es in Europa nicht die Jugendarbeitslosigkeit, wäre die Altersarbeitslosigkeit umso höher.
    6. Bisher war der Zivilisationsgrad bzw. der nationale Technologievorsprung entscheidend für das was man besser als die anderen konnte. In einer Zeit, in der prinzipiell weltweit Alle alles können, werden die rein technischen Leistungsunterschiede immer geringer.
    7. An die Stelle der Technologieunterschiede sind inzwischen die kulturellen Unterschiede als entscheidende Wettbewerbskriterien wichtig geworden.
    8. Mit Hilfe des gnadenlosen Preisvergleichs werden damit die kulturellen Unterschiede bzw. Ansprüche entscheidend für die Konkurrenzfähigkeit der Volkswirtschaften.
    9. Auch eine Verbesserung der Ausbildung wird an diesem Trend nicht Grundsätzliches ändern. Denn die damit erhofften zusätzlichen Arbeitsplätze treffen auf einen Markt, der schon mit qualifizierten Arbeitsplatzsuchenden überfüllt ist. Der Weg würde lediglich zu weiteren Produktionssteigerungen und damit verbunden zu einem weiter ausufernden (nutzlosem) Konsumdenken führen, dass wiederum in die Ressourcenvernichtung mündet.
    10. Den Konkurrenzkampf kann das europäische Wohlstandsdenken nicht gewinnen.

    Wohin das letztlich führt, darüber sollen sich die Philosophen den Kopf zerbrechen.

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