Politik

Neue Abgeordnete der CDU/CSU: Dr. Anja Weisgerber zieht von Brüssel nach Berlin

Weisgerber
Nach neun Jahren im Europaparlament löst sie jetzt Michael Glos im Bundestag ab: Dr. Anja Weisgerber ist die neue CSU-Abgeordnete des Wahlkreises Schweinfurt-Kitzingen, den Glos seit 1976 vertrat.

Mit meiner Wahl zur Bundestagsabgeordneten beginnt für mich eine spannende Zeit. Auch wenn ich in den vergangenen neun Jahren als Abgeordnete des Europäischen Parlaments bereits parlamentarische Erfahrung sammeln konnte, ist doch vieles für mich neu. Spannend war die erste Sitzung der CSU-Landesgruppe zwei Tage nach der Bundestagswahl, an der auch unser Parteivorsitzender und Ministerpräsident Horst Seehofer teilgenommen hat. Die Landesgruppe ist durch das gute Abschneiden der CSU erheblich größer geworden und der Saal fast aus allen Nähten geplatzt. Persönlich freue ich mich sehr, dass jetzt so viele junge Gesichter und auch viele Frauen für die CSU im Bundestag sitzen. Mit 14 CSU-Frauen konnten wir unseren Anteil mehr als verdoppeln. Auch die erste Fraktionssitzung von CDU und CSU war für mich spannend, als wir im Fraktionssaal im Reichstagsgebäude zusammen gekommen sind. Besonders bewegend war, als Horst Seehofer unsere Kanzlerin zum Wahlsieg gratuliert und sie umarmt hat.

Neben den offiziellen Sitzungen in den ersten Wochen steht natürlich auch das Knüpfen von Netzwerken unter den Abgeordneten im Mittelpunkt. Das ist gerade für uns „Neue“ wichtig, daher haben wir uns schon das eine oder andere Mal zum Abendessen getroffen und unsere Erlebnisse ausgetauscht. Manche der neuen Parlamentarier, insbesondere die Listenabgeordneten, waren ziemlich überrascht von ihrer Wahl in den Bundestag. Sie hatten nicht damit gerechnet und mussten sich erst einmal mit ihrem Arbeitgeber abstimmen. Für mich als Direktkandidatin im Wahlkreis Schweinfurt-Kitzingen, den zuvor seit 1976 Michael Glos vertreten hat, waren die Chancen in den Bundestag gewählt zu werden doch aussichtsreicher.

Im Europaparlament habe ich über neun Jahre hinweg im Umweltausschuss und im Binnenmarktausschuss für die Interessen meiner bayerischen und fränkischen Heimat gekämpft. Gemeinsam mit meinen Kollegen konnte ich viel erreichen. Zum Beispiel bei der europaweiten Anerkennung unserer dualen Ausbildung im Krankenpflegeberuf oder beim Einsatz gegen die Privatisierung der Trinkwasserversorgung.

Die Arbeit im Bundestag wird sicher anders werden als im Europaparlament. Auf europäischer Ebene stehen oft die Interessen einzelner Länder stärker im Mittelpunkt als die einer Fraktion. Vom Europaparlament bin ich jedoch auch gewohnt, immer wieder Kompromisse einzugehen. Insofern ist mir vor einer großen Koalition, in der man ja auch immer wieder aufeinander zugehen muss, nicht bange.

Nun galt es in den letzten Wochen, meine Zelte in Brüssel und Straßburg abzubrechen. Letzte Entscheidungen musste noch auf EU-Ebene getroffen werden, zum Beispiel zur Berufsanerkennung. Gleichzeitig musste ich meine dortigen Parlamentsbüros auflösen. Parallel dazu baue ich mein neues Büro in Berlin auf und organisiere auch meine Arbeit im Wahlkreis ein Stück weit neu. Das bedeutete im letzten Monat ein ständiges Pendeln zwischen Berlin, Brüssel, Straßburg und Schweinfurt. Mit einem weinenden Auge habe ich mich vom Europäischen Parlament verabschiedet. Mit einem lachenden Auge habe ich aber auch in dieser Woche an der konstituierenden Sitzung des Bundestages teilgenommen. Ich freue mich auf meine neue Aufgabe und bin gespannt, was die kommenden vier Jahre bringen werden.

2 Kommentare zu »Neue Abgeordnete der CDU/CSU: Dr. Anja Weisgerber zieht von Brüssel nach Berlin«

  1. Herrmann-Lindner Sabine schrieb:

    Sehr geehrte Frau Dr. Weisgerber,

    zum Thema Mütterrente!!

    Bitte die Pflegemütter bei diesen Thema nicht vergessen. Viele Pflegemütter haben über Jahrzehnte Pflegekinder, sowie ich momentan 4 Kinder, und wir Pflegemütter bekommen für diese schwierige Aufgabe keine gesetzliche Rente.

    Mit freundlichen Grüßen

    Sabine Herrmann

  2. Anja Weisgerber schrieb als Antwort darauf:

    Sehr geehrte Frau Herrmann-Lindner,

    die Leistung, die Sie als Pflegemutter in den vergangenen Jahrzehnten erbracht haben und auch weiterhin erbringen verdient große Anerkennung. Sie übernehmen damit soziale Verantwortung mit einer hohen gesellschaftlichen Bedeutung.
    Uns als CSU ist es wichtig, dass die Erziehungsleistung in der Rente besser anerkannt wird. So waren es CSU und CDU, die die Kindererziehungszeit in der Rente eingeführt und schrittweise verbessert haben. Mit der sogenannten Mütterrente, die Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren wurden, besserstellen soll, wollen wir diesen Weg weiter gehen. Grundsätzlich ist es so, dass die Kinderziehungszeit allen Erziehenden – sowohl leiblichen Eltern als auch Pflege- und Adoptiveltern – für die ersten drei Jahre eines jeden Kindes in der Rente angerechnet wird. Bei Kindern, die vor 1992 geboren wurden, wird derzeit ein Jahr angerechnet, künftig sollen es zwei Jahre sein.
    Diese Anrechnung der Erziehungszeit bezieht sich jedoch auf die ersten Lebensjahre des Kindes. Würde ein Kind beispielsweise erst mit sieben Jahren in eine Pflegefamilie kommen, wird die Kinderziehungszeit der leiblichen Mutter zugerechnet, wenn sie das Kind in den ersten Jahren erzogen hat. Würde ein Kind direkt nach der Geburt adoptiert oder von einer Pflegefamilie aufgenommen, bekommt diese Eltern die Kindererziehungszeit zugeschrieben.
    Sehr geehrte Frau Herrmann-Lindner, ich hoffe, die Informationen helfen Ihnen weiter. Für Ihre Zukunft wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute und weiterhin viel Kraft und Freude bei Ihrer Tätigkeit als Pflegemutter.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Anja Weisgerber

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