Verbraucherschutz, Wirtschaft

Rien ne va plus – Wie Verbraucherschutz mit der Prokon-Pleite umgehen muss

Windräder
Der Fall „Prokon“ hat die Diskussion um riskante Finanzprodukte angeheizt.
Die Diskussion geht jedoch in eine falsche Richtung: Es droht die Gefahr einer „Regulierungsorgie. (Foto: Federico Gambarini/dpa)

Seitdem das Windenergie-Unternehmen Prokon in der letzten Woche Insolvenz angemeldet hat, regt sich Unmut bei den Anlegern. Mehr als 75.000 von ihnen hatten sogenannte Genussscheine erworben, eine Art Firmenanleihe. Jetzt fürchten sie um ihr Geld.

Reflexhaft wird nach solch einer Pleite der Schuldige gesucht: die Politik hätte besser regulieren müssen, die Anleger hätten nicht so gierig sein dürfen, das Unternehmen hätte transparenter sein müssen!

Dann folgt – wie bei jedem Skandal – der Aufruf an die Politik, sie möge die tatsächlichen oder vermeintlichen Löcher stopfen, am besten mit Verboten. Verbraucher sollen gar nicht mehr in die Verlegenheit kommen, riskante Produkte zu kaufen, weil sie sich eine hohe Rendite erhoffen. Produktverbote im Namen des Verbraucherschutzes.

Es ist richtig, dass die Politik dafür sorgen muss, dass der Verbraucher der Wirtschaft auf Augenhöhe begegnen kann. Manchmal muss der Verbraucher auch per Gesetz vor unseriösen Machenschaften der Wirtschaft geschützt werden. Es geht mir aber zu weit, wenn man den Verbraucher in jeder Lebenslage vor sich selbst zu schützen sucht.

Verbraucherschutz rechtfertigt keine umfangreiche Bevormundung. Als Verbraucherschützerin ist für mich nicht nur der Geldbeutel der Menschen, sondern auch ihre Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung schützenswert. Dazu gehört auch die Freiheit, in riskante Geldanlagen zu investieren. Wer hohe Renditen will, geht ein Risiko ein. Wer im Kasino alles auf Rot setzt, kann viel gewinnen – oder alles verlieren.

Der Fall Prokon hat Verbraucher und Politik sensibilisiert. Die Politik sieht sich unter Zugzwang und es droht eine „Regulierungsorgie, die am Kern vorbeigeht“, wie der stellvertretende Vorstandschef der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger, Markus Neumann, der Saarbrücker Zeitung sagte. Wichtig sei, dass man mehr für die Anlegerbildung mache.

Und diese Bildung muss schon in der Schule beginnen, zum Beispiel in einem Unterrichtsfach ‚Finanzkompetenz‘. Außerdem gibt es Bildungsinitiativen für alt und jung, die, wie der vom Bundesfamilienministerium geförderte Verein für ‚Nachhaltige Finanzkompetenz e.V.‘ für den richtigen Umgang mit Geld sensibilisieren. Denn: Bildung ist immer der nachhaltigste Verbraucherschutz!

Ein Kommentar zu »Rien ne va plus – Wie Verbraucherschutz mit der Prokon-Pleite umgehen muss«

  1. Guido Hornig schrieb:

    Sie forderN: „diese Bildung muss schon in der Schule beginnen..“ und “ Außerdem gibt es Bildungsinitiativen“
    Ich hoffe Sie wissen wie es um die Erwachsenenbildung bestellt ist? Haben Sie sich mal angesehen, wie krampfhaft die Länder versuchen sog. Verbraucherbildner z.B. über die lokalen Volkshochschulen zu generieren?
    Es gibt kein Geld für die Trainer – aber sie werden angelockt und entwickeln Bildungsangebote. Leider zahlt dann eine VHS nur ein paar € pro Doppelstunde, der Trainer zahlt davom Ums.St. an den Staat. Der verdient zumindest an Verbraucherbildung. Die VHS zahlt dem Trainer die MwSt. nicht. Die präkäre Situation wird klar wenn diese Honorare mit Festangestellten Trainern verglichen werden.
    Die sog Bildung sind doch Produktinformationen. Um den Kunden Produktinformationen verständlich zu erklären sollten die Anbieter auch die sog. Verbraucherbildung finanzieren – nicht der Staat und nicht der Verbraucher. Dafür sollten Sie ein Gesetz erlassen.
    Noch eklatanter sieht es bei Internet-Verbraucherschutz aus. Die Firmen zahlen in Deutschland keine Steuern und sind nicht gezwungen sich an Bildung zu beteiligen.
    Fordern Sie von Google , Apple und Co. eine 3% Internet-Gewinnsteuer . Dann haben Sie 1Mrd. für Verbraucherbildung pro Jahr zur Verfügung.
    Aber vermutlich wollen die Abgeordneten bei diesen Firmen später noch Berater werden. Schade.

Diskussionsbeitrag schreiben