Geschichte, Parlament

Blick in die Vergangenheit: Fraktions-Praktikanten besuchen Stasi-Gedenkstätten

Junge Studenten, die momentan ein Praktikum in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion absolvieren, besuchten die ehemalige Stasi-Zentrale in der Normannenstraße und die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Dabei wurde ihnen klar wie wichtig Menschenrechte sind und dass es das Recht auf Freiheit immer zu wahren gilt (Foto: Oliver Grundmann)

Gastbeitrag von Katharina-Luise Kittler 

 

Die wenigsten Praktikanten, die momentan hinter die Kulissen des deutschen Bundestages schauen, kommen aus Berlin. Aus allen Himmelsrichtungen Deutschlands sind Studenten angereist, um den politischen Alltag in der Hauptstadt hautnah mitzuerleben. Einige kommen sogar aus dem Ausland und verbringen sechs Wochen in Deutschlands Herz der Politik. Dies ist nur möglich, weil wir Grundrechte der Freiheit genießen. Diese Tatsache wurde einmal mehr deutlich, als wir am vergangenen Montag die ehemalige Stasi-Zentrale in der Normannenstraße und die Gedenkstätte Hohenschönhausen besuchten.

Sechs Wochen Praktikum im Deutschen Bundestag sind eine einmalige Chance den deutschen Politikbetrieb kennenzulernen und einen Einblick in mögliche Berufsfelder zu bekommen. Dass wir deswegen unsere Heimat und unseren Studienort hinter uns ließen, ist für uns selbstverständlich. Wir sind es gewohnt ständig zwischen dem Ort unserer Uni und unserem zu Hause zu pendeln.

Bei mir liegen zwischen diesen beiden Orten rund 450 Kilometer. Aufgewachsen in Wuppertal, studiere ich seit 2012 in Leipzig. Wann immer es die Zeit erlaubt setze ich mich in den Zug und fahre fünfeinhalb Stunden Richtung Westen. Ich kann mir aussuchen wann und für wie lange ich die Heimat besuche. Und damit nicht genug. Ich kann mich im ganzen Land, auf dem ganzen Kontinent und darüber hinaus frei bewegen. Die innerdeutsche Grenze verschwand durch die friedliche Revolution als ich geboren wurde. Ich bin parallel mit dem neuvereinten Deutschland aufgewachsen. Eine Grenze zwischen Ost und West existiert in meinem Kopf nicht.

Wir studieren nicht nur in verschiedenen Städten Deutschlands, wir verbringen auch viel Zeit im Ausland. Ob Urlaube, Praktika oder Auslandssemester – der Wahl des Wunschortes sind keine Grenzen gesetzt. Internationale Partnerschaftsprogramme und Stipendien ermöglichen den weltweiten Austausch zwischen Studenten und bieten einzigartige Erfahrungen, die nicht nur den Lebenslauf aufhübschen.

Diese Flexibilität ist keine Selbstverständlichkeit. Das wurde uns bewusst, als wir vergangenen Montag den ehemaligen Hauptsitz des Ministeriums für Staatssicherheit in der Normannenstraße besuchten. Das dortige Gelände erstreckt sich auf 20 Hektar und war 1989 Arbeitsplatz von etwa 8.000 Mitarbeitern. Der letzte Minister für Staatssicherheit war Erich Mielke, der dafür sorgte, dass das Gelände ständig überwacht und kontrolliert wurde.

Während der zweistündigen Führung wurden wir über die Überwachungsmethoden der Stasi aufgeklärt, in den verschiedenen Ausstellungsräumen konnten wir uns über den damaligen Arbeitsalltag und die Überwachungsmethoden der Stasi informieren. Dazu gehörten beispielsweise verschiedene Abhörgeräte und Strategiepläne, die zeigten wie eine Überwachung durchzuführen sei.

Im Anschluss an die Stasi-Zentrale in der Normannenstraße besuchten wir das ehemalige Gefängnis in Hohenschönhausen, das heute eine Gedenkstätte ist.

Beklemmend: Ein Gang im ehemaligen Stasi-Gefängnis Berlin-Hohenschönhausen (Foto: Oliver Grundmann)

Das Ausmaß der Verbrechen, die die Stasi an politischen Gefangenen beging, wurde uns dort bewusst. Besonders die Zellen im Keller des ehemaligen Sowjet-Gefängnisses (auch U-Boot genannt), schockten viele von uns. Auf wenigen Quadratmetern und ohne Tageslicht mussten die Häftlinge dort teilweise über Jahre ausharren. Nach dem Mauerbau 1961 wurden in Hohenschönhausen vor allem Menschen festgehalten, die aus der DDR fliehen oder ausreisen wollten. Kritiker der SED, wie der Schriftsteller Jürgen Fuchs oder die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley, waren in Hohenschönhausen inhaftiert. Auch Bürger der Bundesrepublik wurden in Hohenschönhausen festgehalten, wenn sie in der DDR jemandem zur Flucht verholfen hatten.

Mit der friedlichen Revolution im Herbst 1989 wurde das Ende der DDR und damit auch des Untersuchungsgefängnisses Hohenschönhausen eingeleitet. Offiziell wurde das Gefängnis am 3. Oktober 1990 geschlossen, als die DDR der Bundesrepublik beitrat.

Heute halten sowohl die Stasi-Zentrale, als auch das ehemalige Gefängnis in Hohenschönhausen die Erinnerungen an menschenunwürdige Lebensbedingungen wach. Für uns war der Besuch dieser beiden Orte bewegend und uns wurde bewusst, wie wichtig Menschenrechte sind. Das Recht auf Freiheit ist eines davon, dass es für immer zu bewahren gilt.

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