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Reisetagebuch Japan: Das Geheimnis der zwei Religionen

Vieles ist einmalig in Japan. Eine große Zahl von Japanern hat sogar zwei Religionen – für den westlichen Betrachter ungewöhnlich. Diesem Phänomen wollten Volker Kauder und seine Delegation einmal nachgehen.

Buddhismus Japan Osaka
Buddhismus oder Shintoismus. Religion als Frage der Stimmungslage. (Foto: Scharlack)

Die Religionen, in denen die Japaner Halt suchen, sind der Shintoismus – eine alte Naturreligion –  und der Buddhismus. Beide existieren schon seit Jahrhunderten nebeneinander und haben sich in ihren Elementen sogar vermischt. Feste Organisationsformen wie im Katholizismus oder im Protestantismus gibt es nicht. Die Gläubigen gehen mal in einen buddhistischen Tempel, mal in einen Shinto-Schrein, je nachdem, was gerade zur Situation passt. So ist Japan heute ein Land der religiösen Toleranz.

Volker Kauder und seine Delegation statteten am dritten Tag ihres Japan-Aufenthalts einem der bedeutendsten buddhistischen Zen-Tempel einen Besuch ab. Drei Jahre, so war zu erfahren, dauert dort die Ausbildung zum Mönch. Während ihrer Ausbildung schlafen die Mönche in spe gemeinsam in einer größeren Halle, auf einem harten Futon. In dieser Zeit müssen die Anwärter draußen betteln, um sich ihren Lebensunterhalt zu sichern, berichtete der Leiter des Klosters.

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Im Zen-Tempel (Foto: Scharlack)

Der kleine fröhliche Mann zeigte sich durchaus weltgewandt. Als er erfuhr, dass die Delegation aus Deutschland kommt, zückte er schnell ein goldfarbenes Handy. Er rufe jetzt eine Schülerin an, die auch aus Deutschland stammt, kündigte er an. Das Handy reichte er weiter an den Fraktionsvorsitzenden. In dem Gespräch mit der Religionsschülerin stellte sich heraus, dass sie ambitionierte Pläne hat. Sie werde bald ihren eigenen Tempel gründen, berichtete sie dem verblüfften Fraktionsvorsitzenden. Dann werde auch sie Mönche ausbilden.

Volker Kauder beim Telefonat mit der deutschen   (Foto: Scharlack)
Volker Kauder beim Telefonat mit der deutschen Schülerin des Mönches (Foto: Scharlack)

Aber nicht nur um religiöse Besonderheiten ging es im Verlauf der Reise; sie brachte auch andere interessante Erkenntnisse: Am Abend zuvor hatte die Fraktionsdelegation erfahren, dass Deutschland unter Japanern auf einem recht bedeutsamen Gebiet immer noch ein hohes Ansehen hat – der Jurisprudenz. Zwar lernt jeder Jura-Student hierzulande bereits, dass Japan vor rund 100 Jahren das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch im Wesentlichen übernommen hat. Doch wurde bei einem Treffen der Delegation mit japanischen Spitzen-Juristen, Unternehmern und ehemaligen Diplomaten in Osaka nochmals deutlich, dass japanische Juristen viel mehr vom bei uns oft verschmähten deutschen Recht halten als etwa vom amerikanischen Fall-Recht. „Das deutsche Recht ist viel systematischer“, sagte etwa Professor Takada von der Universität von Osaka. Nicht alles an unserem Paragrafenwald kann also schlecht sein…

Das Treffen mit japanischen Wissenschaftlern, Diplomaten und Unternehmensvertretern am Montagabend  in Osaka brachte erstaunliche Einblicke. (Foto: Scharlack)
Das Treffen mit japanischen Wissenschaftlern, Diplomaten und Unternehmensvertretern am Montagabend in Osaka brachte erstaunliche Einblicke. (Foto: Scharlack)

Zu guter Letzt: Ein Besuch in Japan zeigt jedes Mal, wie Bahnverkehr reibungslos und auch noch schnell funktionieren kann.

Auch das Zugfahren in Japan ist gut organisiert. Hier die Delegation kurz vor ihrer Abfahrt aus Osaka. (Foto: Scharlack)
Auch das Zugfahren in Japan ist gut organisiert. Hier die Delegation kurz vor ihrer Abfahrt aus Osaka. (Foto: Scharlack)

Von Osaka bis Tokio – immerhin gut 500 Kilometer – benötigt der Shinkansen genannte Hochgeschwindigkeitszug keine drei Stunden. Alle zehn Minuten fährt ein Zug. Und an der Strecke grüßte am Dienstag auch noch der Fuji, der heilige Berg der Japaner.

Die Fahrt führte u.a. vorbei am berühmtesten Berg Japans: Dem Fujiama. (Foto: Scharlack)
Die Fahrt führte u.a. vorbei am berühmtesten Berg Japans: Dem Fujiyama. (Foto: Scharlack)

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