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Reisetagebuch Japan: Zu Gast bei Premier Shinzo Abe

Japan erlebt wieder einmal eine Regierungskrise. Dennoch nimmt sich der Premierminister für das Gespräch mit dem Fraktionsvorsitzenden mehr Zeit als geplant. Und Volker Kauder ging am frühen Morgen auf Entdeckertour in einen Supermarkt. Dort zeigte sich, dass das Angebot an Lebensmitteln und Konsumgütern das der deutschen Warenhäuser übertrifft. Auch für den europäischen Geschmack Ungewohntes gab es hier zu entdecken.

Volker Kauder und der japanische Premierminister Shinzo Abe sind bereits alte Bekannte. Im Herbst, als Abe zuletzt Berlin besuchte, hielt Kauder beim gemeinsamen Abendessen die Tischrede. Nun ist er bei dem japanischen Premier zu Gast.

IS-Terror, Ukraine-Wahl und Innenpolitik: Japans Premier Abe nahm sich mehr Zeit als geplant für den Freund aus Deutschland. (Foto: Scharlack)
IS-Terror, Ukraine-Wahl und Innenpolitik: Japans Premier Abe nahm sich mehr Zeit als geplant für den Freund aus Deutschland. (Foto: Scharlack)

In seinem Regierungsalltag hat Abe momentan eigentlich alle Hände voll zu tun, denn aus seinem Kabinett sind vor kurzem zwei Minister zurückgetreten. Inzwischen steht auch schon einer der Nachfolger in der Kritik. Dennoch war es Abe ein Anliegen, mit Kauder eine gute halbe Stunde über die außenpolitische Lage zu sprechen.

Zwar ist Japan weit entfernt von den aktuellen Brennpunkten: zum einen von der Ukraine, an deren Ostgrenze ein Konflikt mit Russland schwelt, und zum anderen vom Mittleren Osten, wo der Terror des „Islamischen Staates“ ein bislang nicht gekanntes Maß an Brutalität erreicht hat. Aber Islamisten drohen mittlerweile, den Terror nach Asien zu tragen. Der „IS“ scheint sogar einzelne Anhänger in Japan zu haben.

Und die Missachtung der Souveränität der Ukraine von Seiten Russlands alarmiert auch die Japaner, die ihrerseits territoriale Streitigkeiten mit China haben. Dabei geht es um Inseln im südchinesischen Meer. Außerdem beklagen die Japaner Verletzungen ihres Luftraums durch China. So bekräftigte Abe im Gespräch mit unserer Fraktionsdelegation die Haltung seiner Regierung, dass Russland vorerst aus dem Kreis der G8-Staaten ausgeschlossen bleiben sollte. Die Teilnehmer aus Deutschland fühlten sich bestätigt, dass Deutschland und Japan in dieser Frage an einem Strang ziehen.

Das Thema Ukraine spielte auch bei einem Gespräch von Unions-Fraktionsvize Andreas Schockenhoff mit außenpolitischen Experten Japans eine Rolle, das auf Einladung der Adenauer-Stiftung zustande kam. Vehement verteidigte Schockenhoff die Linie, Russland bei seinen Expansionsbestrebungen Einhalt zu gebieten. Denn Russland habe gegen das Völkerrecht verstoßen.

Andreas Schockenhoff Japan Tokio
Fraktionsvize Andreas Schockenhoff im Gespräch mit japanischen Außenpolitikern (Foto: Scharlack)

Dass Japan sich demnächst an internationalen militärischen Einsätzen beteiligen wird, schlossen die Fachleute übrigens aus. Zwar sollen die Gesetze überarbeitet werden, die Japan immer noch eine strikte Beschränkung auf Selbstverteidigung auferlegen. Die Öffnung würde allenfalls sehr behutsam sein, prognostizierten die japanischen Gesprächspartner.

Auch für die Delegation gibt es ein Leben jenseits der Politik: Am Vormittag wollte Kauder noch schnell mehr über Land und Leute erfahren. Er besuchte mit seinen Kollegen einen Supermarkt in Tokio. Dort fiel ihm auf, dass japanische Konsumenten durchaus Freude an hochwertiger Ware zu haben scheinen. Das Sortiment war breit, die Preise aber auch deutlich höher als in Deutschland. Insbesondere Obst erschien ihm viel teurer als in der Heimat. Auch mancherlei Exotisches fand sich in den Regalen, zumindest aus dem Blickwinkel des Europäers: So gab es zum Beispiel getrockneten Fisch oder „Mundwippen“, mit denen man die Wangen trainieren kann, damit diese immer schön straff bleiben. Auch bei japanischen Herren soll das seltsame Produkt gefragt sein…

Snack für unterwegs: Japanische Delikatessen. (Foto Scharlack)
Snack für unterwegs: Japanische Delikatessen. (Foto Scharlack)
Exotische Lebensmittel in den Supermarktregalen. (Foto Scharlack)
Exotische Lebensmittel in den Supermarktregalen. (Foto Scharlack)

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