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Reisetagebuch: Eine „neue Zeit“ in Japan

Der letzte Besuch eines deutschen Wirtschaftsministers in Japan liegt bereits sieben Jahre zurück, erzählen deutsche Wirtschaftsvertreter in Tokio Volker Kauder am Donnerstag, dem letzten Tag seiner Japan- Reise. Vielleicht haben die Nachfolger Ludwig Erhards einen dicken Fehler begangen, indem sie Japan keine Beachtung schenkten. Denn dort tut sich wieder was.

Mit Zahlen kann Japan beeindrucken: drittgrößte Volkswirtschaft der Erde – noch vor Deutschland. 120 Millionen Einwohner – davon 34 Millionen allein in Tokio. Und mit Toyota kann Japan die größte Automobilschmiede der Welt vorweisen – Toyota liegt immer noch vor VW.

Doch in Deutschland hat man vor allem die Negativschlagzeilen aus dem fernen Osten wahrgenommen: In Japan herrsche Dauerrezession. Seine Bevölkerung altert noch schneller als die Deutschlands. Und 2011 kam es auch noch zur Reaktorkatastrophe von Fukushima. Japan galt nicht mehr als Land der aufgehenden Sonne, sondern eher als das Land, in dem es langsam dunkel wurde.

Ein ganz "normales" Wohnviertel in Tokio (Foto: Scharlack)
Ein ganz „normales“ Wohnviertel in Tokio (Foto: Scharlack)

Vielleicht sollte man in Deutschland dieses Bild allmählich korrigieren. Der CDU/CSU-Fraktionschef reist nun schon seit fünf Jahren regelmäßig nach Japan. Aber noch nie äußerten sich Vertreter der deutschen Wirtschaft so zuversichtlich, noch nie waren sie so sicher, dass sich in Japan etwas bewegt. „Es ist eine neue Zeit angebrochen“, meinte am Donnerstag einer von ihnen in Tokio. Japan habe sich gefangen.

Japan – Chancen für den deutschen Mittelstand 

Investitionen könnten sich in Japan wieder lohnen. Die Produktivitätskosten seien – nach jahrelangen Einsparungen – in Japan mitunter geringer als in Indien, nehme man alles zusammen. Der Markt in Japan sei ohnehin riesig. Das Land habe hervorragende Ingenieure. Kurz: Es sei mit Sicherheit falsch, nur auf China zu setzen. Auch für den deutschen Mittelstand gebe es Chancen in Japan.

Kauder und seine Delegation hörten den Wirtschaftsvertretern an diesem sonnigen Morgen in Tokio aufmerksam zu. Denn dass Japan in Deutschland unterbewertet wird, diese Erkenntnis treibt Kauder, der bereits viele Länder Asiens bereist hat, schon seit einiger Zeit um. An die wirtschaftlichen Schwergewichte Bosch, Siemens und Thyssen richtet er den Appell, die Mittelständler einmal an die Hand zu nehmen, damit auch diese sich in Japan engagieren. „So ist das auch in China gelaufen.“

Volker Kauder trifft den japanischen Aussenminister  Fumio Kishida (Foto: Scharlack)
Volker Kauder trifft den japanischen Aussenminister Fumio Kishida (Foto: Scharlack)

Thema der Runde, an der auch der japanische IBM-Chef – gleichzeitig Chef von IBM Deutschland – teilnahm, war auch die Digitalisierung der Wirtschaft. Was die sogenannte Industrie 4.0 angehe, so schauten die Japaner auf Deutschland, wurde der Fraktionsdelegation berichtet. Dennoch war sich die Runde einig, dass es die deutsche Wirtschaft nicht schaffen werde, international die Standards für die Kommunikation auf diesem Gebiet durchzusetzen – also für den Code, mit dem Befehle von einer Maschine zur anderen weitergegeben werden. Man könne diese Standards aber mitbestimmen, lautete der Rat. Darauf solle man sich konzentrieren.

Ausblick

Das Fazit der Reise: Es bleibt noch viel zu tun in den deutsch-japanischen Beziehungen. Der Studentenaustausch müsse in Gang kommen wie auch die Kooperation der Wissenschaft. Politisch liegen Deutschland und Japan auf einer Linie. Im nächsten Jahr kommt die Kanzlerin nach Japan. Und auch Kauder, der in Japan mittlerweile ein gefragter Interview-Partner ist, kündigte einen weiteren Besuch an. Vielleicht kommt ja eines Tages auch ein deutscher Wirtschaftsminister….

 

 

Ein Kommentar zu »Reisetagebuch: Eine „neue Zeit“ in Japan«

  1. Rapunzel schrieb:

    3000 rechtsradikale Gewalttäter können in Deutschland weitgehend ungehindert öffentlich demonstrieren.
    Man muss sich leider wieder schämen Deutscher zu sein! (Redaktionell bearbeitet)

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