Bildung, Medien, Netzpolitik

Mehr digitale Bildung an den Schulen

Tankred Schipanski (links) im Gespräch über die Chancen guter technischer Ausstattung an Schulen und im Bildungsbereich.
Tankred Schipanski (links) im Gespräch über mediale Fähigkeiten und Medienkompetenz als Schlüsselqualifikation. (Foto: T. Schipanski)

Sie sind in sozialen Netzwerken unterwegs, streamen Serien online und nutzen die neuesten Apps. Junge Menschen bewegen sich ganz selbstverständlich in der digitalen Welt. Doch dort, wo wir ihnen das Handwerkszeug für die Lebens- und Arbeitswelt mitgeben wollen, spielen digitale Medien häufig noch eine untergeordnete Rolle. Zumindest ist das Bild an deutschen Schulen noch sehr heterogen. Mancherorts gibt es Laptopklassen, woanders nur veraltete Computerräume. Für die einen schädigen Smartphones und Tablets die Konzentration im Unterricht, für die anderen gehören sie schnellstens auf die Schreibtische. Hier wird vor der totalen Computerisierung gewarnt, dort wird gemahnt, dass wir den Anschluss bei der digitalen Bildung längst verpasst haben. Fakt ist: Die digitale Welt erobert Tag für Tag neue Lebensbereiche und macht vor den Schulen nicht halt. Das Ende der Kreidezeit, der Tafel und des klassischen Schulbuchs rückt näher. Natürlich liegt die Schulbildung in der Kompetenz der Länder. Doch wie gut Kinder mit und über digitale Medien lernen, sollte nicht vom jeweiligen Bundesland oder von dem Engagement einzelner Lehrer abhängen.

Strategie für „Digitales Lernen“

Unser Bedarf an IT-Fachkräften wird weiter steigen und wir müssen Gas geben, um innovativ und wettbewerbsfähig zu bleiben. Aber IT-Kenntnisse werden nicht mehr nur in spezifischen Fachrichtungen verlangt, sondern sind in nahezu jedem Berufsfeld von zentraler Bedeutung. Kein Journalist, kein Landwirt, kein Arzt kommt heute mehr ohne IT-Wissen aus. Um unseren Kindern diese wichtige Schlüsselkompetenz mit auf den Weg zu geben, muss die digitale Bildung an den Schulen eine größere Rolle spielen. Wir brauchen eine digitale Bildungsoffensive.

Digitale Kompetenz bedeutet nicht nur fit zu sein in der Bedienung von Smartphones, Tablets und Anwendungen, sondern auch den Umgang mit digitalen Informationen und Daten kritisch reflektieren zu können. Es reicht nicht, die Schülerinnen und Schüler sich selbst zu überlassen oder auf Leuchtturmprojekte und einzelne Initiativen zu setzen. Die Bundesregierung wird sich daher gemeinsam mit den Ländern und weiteren Akteuren im Bildungsbereich für den stärkeren Einsatz digitaler Medien in der Bildung und im gesamten Lebenslauf einsetzen. Wir entwickeln eine Strategie für „Digitales Lernen“, die die Chancen der digitalen Medien für gute Bildung entschlossen nutzt, weiterentwickelt und umsetzt. Einen ersten Aufschlag hat unsere Fraktion bereits gemacht.

Lehrpläne, Laptops und Lehrerbildung

Das Lernen mit und über digitale Medien muss fächerübergreifend und pädagogisch sinnvoll in den Unterrichtsalltag integriert werden. Hierfür ist kein neues Schulfach nötig, wohl aber eine Verankerung in den Lehrplänen. Eine gute Ausstattung an den Schulen ist eine Grundvoraussetzung. Dazu gehören WLAN-Zugang, mobile Endgeräte für jeden Schüler, entsprechende Software und auch die Reparatur und Wartung der Geräte. Es gibt bereits eine Fülle von digitalen Lehr- und Lernmedien; diese sollten gebündelt und besser zugänglich gemacht werden. Doch es reicht nicht, Schulen mit Laptops und interaktiven Whiteboards auszustatten. Es braucht auch geschultes Lehrpersonal, das damit umgehen kann. Deshalb müssen der Einsatz digitaler Medien und die Vermittlung von Medienkompetenz im Unterricht fester Bestandteil der Lehrerausbildung und Fortbildung werden. Deutschland braucht einen Pakt für digitale Bildung, der die unterschiedlichen Aktivitäten zusammenführt und Projekte sowie bei Bedarf Infrastruktur und Ausstattung finanziell fördert.

Schüler in der Lebenswirklichkeit abholen

Bundes- und Landespolitik, Wissenschaft, Lehrer, Eltern und Schüler sind gemeinsam gefordert wenn es darum geht, jungen Menschen digitale Kompetenz als wichtige Schlüsselqualifikation mit auf den Weg zu geben. Wenn Deutschland zum digitalen Wachstumsland Nr. 1 werden möchte, kann es sich kein „mangelhaft“ im Bereich digitale Bildung leisten. Die Herausforderungen möchte ich nicht kleinreden. Doch es liegt auch eine Chance darin, sich die medialen Fähigkeiten der Schüler für Bildungszwecke zu Nutze zu machen. Schulen sollten kein Paralleluniversum sein, sondern die Schüler in ihrer Lebenswirklichkeit abholen – und die findet auch in der digitalen Welt statt.

4 Kommentare zu »Mehr digitale Bildung an den Schulen«

  1. Guido Hornig schrieb:

    Sehr geehrter Herr Schipanski,
    In
    http://blogfraktion.de/2014/12/19/mehr-digitale-bildung-an-den-schulen/
    wünschen Sie sich mehr digitale Bildung.
    Gut wenn sich mal jemand auskennt.

    Wie finanzieren Sie das, wenn das Geld dafür nicht in Deutschland zirkuliert, sondern meistens Ausland ausgegeben wird?

    In Gesprächen mit Lehrern und Eltern fällt mir immer wieder auf, wie gering das Wissen ist. Zum Beispiel wird viel Geld für Software ausgegeben, die weder in Deutschland entwickelt wird, noch deren Entwicklung langfristig dem deutschen Arbeitsmarkt Vorteile in Form von sicherem langfristig nutzbarem Know-How verschafft.

    Seien wir ehrlich: die meisten Steuergelder wandern vermutlich an Microsoft, evtl. Apple.

    Meine Frage: Werden Sie sich dafür einsetzen Open-Source Lösungen direkt oder indirekt mit Steuergeldern zu unterstützen?

    Warum müssen Sie das wollen:
    Steuergelder, die in Open-Source Projekte fließen, in dem deutsche Unternehmen mit Weiterentwicklung beauftragt werden, sind besser angelegt, als die Verschwendung für proprietäte Lösungen. Sowohl monetär als auch in Bezug auf die Verbreitung und langfristige Nutzung von Wissen.

    Entwickler, die ihr Know-How in Open-Source-Projekten entwickeln, können es beliebig einsetzen. Entwickler, die proprietäre Lösungen entwickeln dürfen es nur für den einen Arbeitgeber einsetzen.

    Ein Beispiel:
    Eine Schule will Texte von Schülern in einer Laptop-klasse erstellen lassen.
    Model Stuerverschwendung:
    Lizenzen für Mircosoft Word werden gekauft. Schon ist Steuergeld im Ausland verschwunden. 2% erhält evtl. der Händler in Deutschland. Schade ums Geld.

    Model mit Köpfchen:
    Open-Office wird für den gleichen Betrag von einem deutschen Dienstleister installiert und über einen 2 Jahreszeitraum gewartet. Das Geld reicht zur Einarbeitung von 2 Lehrern. Eine kleine Fehlerkorrektur wird bei einem Programmierer in Deutschland beauftragt.
    Nachhaltiges Wirtschaften!

    Beispiel 2:
    Eine Laptopklasse will gemeinsam in Gruppen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten. Google-Docs ist nicht vertretbar. Office360 verschwendet Steuergelder (kriminell?)
    Eine Installation des Opensource-Programms Titan-Pad kostet etwas Anpassung und Installation (vielleicht 300€ für eine ganze Schule/Bezirk/Land? Keine Lizenzkosten!) und folgende Vorteile ergeben sich:
    Das Open-Source Projekt wird verbessert und das kommt allen Menschen zu gute.
    Die Schüler erleben Kooperatives Arbeiten.
    Steuergelder werden nachhaltig eingesetzt.
    Know-How entsteht im Land und beleibt einsetzbar.
    Der Politiker wird wiedergewählt. ;-)

    Beispiel 3:
    Die Betriebssysteme…
    Was noch fehlt muss entwickelt werden. Das braucht Geld und Know-How.
    Ein Lernprozess.

    Finanzieren Sie bitte aus öffentlicher Hand nicht länger proprietäre Software und damit ausländische Shareholder mit unseren Steuergeldern.
    Schränken Sie Schulen bei dieser Geldverschwendung ein.
    Nutzen Sie bitte Ihr Wissen für Ihre Wähler.

    Aber ich gebe zu, diese Zusammenhänge einem Journalisten zu erklären ist eine Herausforderung.
    Sie wissen ja jetzt welche Herausforderung zu meistern ist.

    Meine Frage: Werden Sie sich dafür einsetzen Open-Source Lösungen direkt oder indirekt mit Steuergeldern zu unterstützen? Zumindest im Bildungsbereich?

  2. Tankred Schipanski schrieb als Antwort darauf:

    Sehr geehrter Herr Hornig,

    herzlichen Dank für Ihr Interesse sowie für Ihre Anregungen zum Thema Open-Source-Software.

    Zur Finanzierung von mehr digitaler Bildung, wozu die Ausstattung mit entsprechender Hard- und Software gehört, wird ein Pakt für Digitale Bildung nötig sein. Die Kultusministerkonferenz ist zudem aufgefordert, mindestens bundeslandseinheitliche IT-Standards für Schulen zur Abstimmung der IT-Systeme festzulegen.

    Aufgrund der föderalen Zuständigkeiten kann der Bund die Bundesländer oder die Schulen und Hochschulen im Einzelnen aber nicht dazu verpflichten, eine bestimmte Hard- und Software für den Unterricht anzuschaffen. Ich halte es gleichwohl für sinnvoll zu prüfen, ob auf Open-Source-Lösungen zurückgegriffen werden kann. Dies kann auch dazu beitragen, Schülerinnen und Schülern die Möglichkeiten aufzuzeigen, die sowohl proprietäre als auch Open-Source-Lösungen bieten.

    Im Koalitionsvertrag haben sich CDU/CSU und SPD zudem darauf verständigt, Schlüsseltechnologien und IT-Kernkompetenzen (z.B. IT-Sicherheit) weiter zu unterstützen. Open-Source-Lösungen stellen eine wichtige Alternative zu geschlossenen digitalen Ökosystemen dar. „Software made in Germany“ soll als Qualitätsversprechen hinsichtlich Sicherheit und Datenschutz gestärkt werden. Beispielsweise bei Ausschreibungen im Zusammenhang mit einem Förderprogramm „Innovation in IT-Forschung und Sicherheit“ sollen Open-Source-Ansätze priorisiert werden. Außerdem sollen bei Ausschreibungen von IT-Technologien durch die öffentliche Hand im Rahmen des Wirtschaftlichkeitsprinzips Innovationspotenziale stärker bedacht und wenn möglich Open-Source-Lösungen erwogen werden.

    Herzliche Grüße

    Tankred Schipanski

  3. m.w.reichert schrieb:

    Auch wenn es lang und breit auseinanderpflückt wird in diesem Beitrag unter der Überschrift:“Mehr digitale Bildung“, ergibt das keinen Sinn. Wenn es so etwas wie digitale Bildung geben würde , müßte es auch analoge Bildung geben. Das gibt es aber nicht und wer sich die Mühe macht und mal schaut was „digital“ bedeutet merkt das sofort. Also wenn überhaupt Bildung, dann mehr Bildung für die Politiker die so etwas in die Welt bringen So macht man sich nur lächerlich und es wirkt unreif und anbiedernd.

  4. Peter Walden schrieb:

    Bei der Diskussion über digitale Medienkompetenz ist höchst befremdlich, dass die Voraussetzungen nicht längst im Plan sind: jedes Klassenzimmer in D muss mit vernetzter IT ausgestattet sein – nur MIT IT KANN mit digitalen Medien geübt werden. Seit Jahren finden Bildungsmessen statt, die Technik-Hallen bleiben leer und massenhaft Referendare kaufen billige Bücher.
    Wo wird denn Bildungs-IT eingekauft? Die CDU/CSU lässt einen koreanischen Konzern „Digitale Bildung neu denken“, als gäbe es keine deutschen Hersteller. Wer erwirtschaftet denn nun in Deutschland die Steuern? Warum fließt das Fördergeld nicht in Strömen in deutsche Gründungen für einen innovativen Markt mit deutschen Unternehmern und Eltern? Warum wird was-auch-immer ausgeschrieben mit dem Risiko, dass sich internationale Konzerne neu erfinden, während Software Made-in-Germany längst marktreif skalierbar ist und alle vorhandenen amtlichen Schulverwaltungen überragen kann? Comjell.de ist nur ein Beispiel.
    16 Länder geben gigantische Summen aus für Schulverwaltung. Was hilft das dem Schüler? Übergreifendes Management für Schule 4.0 kann viel mehr und spart jährlich viele Milliarden aus anderen Budgets, z.B. mit Null-Durchfall-Quote
    Was zählt ist optimaler Service und Support und das braucht qualifizierte Arbeitsplätze in Deutschland, nahe an der Schule, typischerweise ist das der kleine Mittelstand. Gute Bildung in Deutschland ist uns viel wert, dann muss auch die Kaufkraft regional vorhanden bleiben. Gerade Schule muss regional einkaufen um in Deutschland mehr Steuern zu erwirtschaften.

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