Außenpolitik, Europa, Menschenrechte

Massaker an Armeniern vor 100 Jahren war Völkermord

Bei der Rede in Eriwan ging es auch um die Anerkennung des Massakers an den Armeniern als Völkermord.
Bei der Rede in Eriwan ging es auch um die Anerkennung des Massakers an den Armeniern als Völkermord.

 

In diesem Jahr gedenken wir zum hundertsten Mal an den Völkermord an den Armeniern. Lange war dieses Thema nicht nur in der Türkei ein Tabuthema. Bis zu 1,5 Millionen armenische Christen wurden 1915 vom osmanischen Reich verfolgt, massakriert und vertrieben. An diese Ereignisse erinnerte in diesem besonderen Gedenkjahr das Forum „Against the Crime of Genocide“ Ende April in Eriwan.

In meiner Rede in der armenischen Hauptstadt habe ich die türkischen Gräueltaten gegenüber den Armeniern ganz klar als Völkermord bezeichnet. Mit großer Freude habe ich dann auch aus Armenien verfolgt, wie der Bundespräsident, unsere Bundeskanzlerin sowie meine Bundestagskollegen zum Gedenken der Vertreibung und Vernichtung der Armenier ebenso klar Position bezogen haben. Ich konnte sehen: Das bestärkt die mutigen, kritischen türkischen Journalisten und Autoren, die die Armenien-Frage ansprechen und ihre regierungskritischen Ansätze in der Zivilgesellschaft zur Diskussion stellen. 

 

Türkei muss Völkermord anerkennen

 

Vor dem Hintergrund unserer deutschen Erfahrungen mit dem Holocaust habe ich die Türkei aber gleichzeitig ermutigt, durch Anerkennung und kritischer Aufarbeitung der eigenen Geschichte das erfahren zu können, was uns Deutschen zu Teil wurde: Vergebung und Versöhnung. Denn nur wer sich bekennt, dem kann vergeben werden.Nach wie vor strebt die Türkei eine EU-Mitgliedschaft an. Auch vor diesem Hintergrund fordere ich die Türkei auf, den Genozid an den Armeniern 1915 anzuerkennen. Wer ein Teil unserer Wertegemeinschaft werden möchte, der muss sich zu all dem bekennen und aufarbeiten, ohne Ausnahme. Wer diesen Grundwerten widerspricht, kann kein Teil unserer Gemeinschaft sein.

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Bei der Vorbereitung auf die Rede. Als einziger deutscher Abgeordneter sprach Albert Weiler in Eriwan.

Aufeinander zugehen

 

Wir Europäer und viele unserer Partner stehen an der Seite Armeniens. Wir werden gemeinsam mit den Armeniern dafür sorgen, dass der Genozid an ihrem Volk nicht in Vergessenheit gerät. Und wir werden gemeinsam darauf drängen, dass er weiter aufgearbeitet wird, so lange, bis dies wirklich umfassend geschieht.

 

Ich möchte aber auch die Armenier ermutigen, offen für Vergebung und Versöhnung zu sein. In Armenien habe ich von unseren deutschen Erfahrungen nach Ende des Zweiten Weltkrieges berichtet: Von der enormen Kraftanstrengung der anderen, uns Deutschen zu vergeben. Das Ergebnis dieses wunderbaren Versöhnungsprozesses ist das friedliche und freiheitliche Europa, in dem wir heute leben. Deshalb bin ich von ganzem Herzen von Vergebung und Versöhnung überzeugt. Und ich glaube sie hilft Tätern und Opfern.

 

Es war mir eine große Ehre auf Einladung des armenischen Staatspräsidenten Sersch Sargsjan zu diesem Völkermord reden und gedenken zu dürfen. Mein herzlichstes Mitgefühl gilt den Hinterbliebenen und Freunden der vielen Opfer.

 Gründung des deutsch-armenischen Forums

 

Bereits durch meinen ersten Besuch in Armenien 2014 habe ich das Land und die Menschen kennen und schätzen gelernt. Armenien ist ein Land mit sehr alter christlicher Tradition, dass seit seiner Unabhängigkeit 1991 einen demokratischen Weg eingeschlagen hat, den es zu unterstützen gilt. Aus diesem Grund habe ich mir das Ziel gesteckt, ein deutsch-armenisches Forum zu gründen, um das Verständnis für Armenien in Deutschland zu fördern und damit einen Beitrag zu den deutsch-armenischen Beziehungen auf allen Ebenen zu leisten. Das Forum soll das südkaukasische Land in seinen demokratischen Entwicklungen unterstützen, wirtschaftliche Beziehungen stärken, kulturellen Austausch fördern und neue Brücken zwischen den Gesellschaften bauen. Es bringt Mitglieder aus verschiedenen wirtschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Institutionen, sowie auch Vereine und Stiftungen zusammen, die sich für südkaukasische Themen interessieren. Das Forum wird parteipolitisch unabhängig am 20. Mai 2015 in Berlin gegründet.

3 Kommentare zu »Massaker an Armeniern vor 100 Jahren war Völkermord«

  1. Hermann Dieter Schmaus schrieb:

    Warum brauchen wir so lange um den Völkermord an den Armeniern anzuerkennen? Ich dachte immer, das ist für uns selbstverständlich. Was ist mit Deutschland los?
    Meine Frau ist Armenierin.Aus diesem Grund möchte ich den Forum beitreten.

  2. Haase, Ruediger schrieb:

    Ich teile Ihre Ansicht, dass man der deutschen Bevölkerung inhaltlich mehr über das armenische Volk zuteil werden lassen sollte. Insbesondere, um auch die türkischstämmigen Deutschen mit Themen zu konfrontieren, die durch Herrn Erdogan tabuisiert werden oder unter Strafe gestellt werden. Umso erstaunlicher, dass die Politiker unseres Landes es zulassen, dass Herr Erdogan wiedereinmal zu einer Wahlveranstaltung nach Karlsruhe reisen kann, obwohl die deutsche Bevölkerung dies explizit ablehnt. Meine Frage also Herr Weiler: „Warum ignorieren die sogenannten Volksvertreter bewußt die Meinung von 90% der deutschen Bevölkerung, was gleichzeitig auch den EU Beitritt der Türkei betrifft“!? MfG Rüdiger Haase, Köln

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