Bildung, Integration, Politik

Nationale Strategie gegen Analphabetismus

Die gute Nachricht zum Weltalphabetisierungstag ist:
Viele Menschen in Deutschland können lesen und schreiben. Einige lernen es sogar gerade. Die schlechte Nachricht: Im Schnitt kann jeder siebte Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben.

Anlässlich des Weltalphabetisierungstages gibt es aber auch wieder eine gute Nachricht: Seit einigen Jahren ist bereits durch die „leo. level one Studie“ die Tatsache bekannt, dass so viele Menschen in Deutschland Probleme mit Lesen und Schreiben haben. Es wurden daraufhin auch gute Angebote und Kurse für diese Menschen erschaffen. Allerdings müssen wir uns in der Politik die Frage stellen, ob diese Angebote angesichts der hohen Zahlen noch ausreichend sind. Deshalb haben wir uns von der CDU/CSU -Bundestagsfraktion für die Betroffenen eingesetzt.

An Strategie festhalten
2010 haben sich Bund und Länder auf die „nationale Strategie“ geeinigt. Während der Laufzeit von sechs Jahren sollten Lernangebote fortentwickelt werden, erwachsenen Menschen nachhaltig Lesen und Schreiben bei zu bringen. Hierbei wurde schon viel Geld investiert. Das Bundesbildungsministerium hat seit der Laufzeit rund 20 Millionen Euro investiert und es sind sehr tolle Projekte ins Leben gerufen worden. Viele betroffene Menschen haben bereits an den Programmen teilgenommen. Die Unterrichtsstunden zur Alphabetisierung werden oft am Arbeitsplatz abgehalten oder auch in Koch- oder Computerkurse integriert, sodass den Probanden ein spielerischer Zugang gewährt wird.

Projekte weiter fördern
Damit diese tollen Projekte nicht auslaufen müssen sondern verstetigt werden können habe ich mich dafür eingesetzt, dass wir die Vereinbarung von Bund und Ländern in die Nationale Dekade für Alphabetisierung überführen können. So sollen Fördergelder dort weiter garantiert werden, wo die Kurse bereits gute Erfolge gebracht haben. Der Gedanke dahinter ist, gute Projekte weiter zu verstetigen und in die Breite zu führen. So wollen wir nachhaltige Lerneffekte garantieren. Wer in der Grundschule nicht Lesen und Schreiben gelernt hat, wird dies nicht so schnell in einem Abendkurs der örtlichen Volkshochschule nachholen können. Das braucht Zeit, gut ausgebildete Lehrkräfte und auch -Konzepte, sowie Gelder zur Unterstützung.

Tabuzone aufbrechen
Besonders wichtig ist mir aber, dass das Thema „Analphabetismus“ aus der Tabuzone herauskommen kann. Viele Betroffene haben sich Vermeidungsstrategien zurechtgelegt, mit denen sie nicht in die Verlegenheit kommen müssen zuzugeben, dass sie weder richtig lesen noch schreiben können. Solche Strategien sind kräftezehrend, da die Betroffenen immer in der Angst leben, „entdeckt/enttarnt“ zu werden und von der Gesellschaft als Analphabeten etikettiert zu werden. Obwohl eine ungefähre Zahl der erwachsenen Menschen mit Lese- und Rechtschreibproblemen bekannt ist (7,5Mio), wird dennoch nicht offen über Analphabetismus gesprochen und wie wir als Gesellschaft Hilfestellung leisten können.

Union favorisiert Alphabetisierungskurse
Am 08.September jährt sich der internationale Alphabetsierungstag der UNESCO. Deshalb möchte ich auch heute auf unseren Antrag zur „nationalen Dekade Alphabetisierung“ hinweisen, der diesen Oktober im Plenum des Deutschen Bundestages verabschiedet werden soll.
Ziel ist es, dass Menschen mit Lese und Rechtschreibschwäche selbstbewusster werden und sich dazu entschließen, sich selbst zu befähigen vollumfassend am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und einen Alphabetisierungskurs besuchen wollen.

Unseren Antrag „Zugang und Teilhabe ermöglichen – die Dekade für Alphabetisierung in Deutschland umsetzen“ haben wir anlässlich des Gedenktages von der Gesellschaft für Deutsche Sprache in vereinfachte Sprache übersetzen lassen.
Ich hoffe, wir können damit ein Zeichen setzen. Wir sind auf einem guten Weg. Die Nationale Dekade für Alphabetisierung wird diesen Weg nachhaltig gestalten.

Wenn Sie Interesse an weiteren Informationen zu laufenden Projekten haben schauen Sie doch einmal auf der offiziellen Homepage unter www.alphabund.de vorbei!

2015 08 09 _CDU_SPD_Drucksache 18_5090_ Übersetzung RedStab_GfdS

Ein Kommentar zu »Nationale Strategie gegen Analphabetismus«

  1. Elke Behlau schrieb:

    Sehr geehrter Herr Jung,seit 8 Jahren gehe ich bereits hier in Aachen in die Grundschule und
    übe mit den Kindern Deutsch zu lesen und zu erlernen.Die heutige Feststellung dabei ist das die
    Flüchtlingskinder fast keine oder gar keine Bücher zu Hause haben.Es ist mir von einer
    Muslimin erzählt worden das sie das von Ihrem Glauben her nicht erlaubt ist.
    Können die Kinder das Wort lesen so wissen sie oft nicht die Bedeutung.Ich sage immer laut
    lesen.Aber ein Kind muss doch ebenfalls zu Hause lesen können.
    Ich bin hier in Aachen stellver. Vorsitzende der CDA
    Ich weis nicht ob es in den anderen Bundesländer ebenfalls so ist.Freundliche Grüße Elke Behlau

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