Außenpolitik, Entwicklungspolitik, Internationales, Menschenrechte

Flüchtlingslager im Libanon brauchen dringend Hilfe

Tobias Zech zu Gast bei einer syrischen Flüchtlingsfamilie im Camp
Tobias Zech zu Gast bei einer syrischen Flüchtlingsfamilie im Camp

„Nicht irgendwelche Tweets, die Not treibt die Menschen nach Europa“

In den vergangenen Tagen war ich nun bereits zum zweiten Mal innerhalb der vergangenen vier Monate im Libanon – dieses Mal offiziell als Vertreter der AG Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Leider muss ich aber sagen, die Zustände in den Flüchtlingsunterkünften zeigen ein Versagen der Weltgemeinschaft. In vielen Fällen sind sie nicht menschenwürdig. Die Flüchtlinge hausen in Verschlägen. Anders kann man die Gebilde aus Plastikplanen und Brettern nicht nennen. 21,6 Dollar gibt es von den UN Hilfswerken im Monat – und das auch nur für etwa die Hälfte der Flüchtlinge. Diese reichen nicht einmal, um die grundlegendsten Nahrungsmittel zu besorgen. Zwischenzeitlich waren diese Beträge sogar auf 13,5 Dollar abgesenkt worden, dank der weiteren Zusagen der Vereinigten Staaten und Deutschlands wurden sie wieder auf 21,6 Dollar erhöht.

Es gibt nur eine rudimentäre medizinische Notfallversorgung für die Flüchtlinge. Und die auch nur für die Flüchtlinge, die beim libanesischen Staat registriert sind und den Eigenanteil in Höhe von 25 Prozent der Behandlungskosten aufbringen können. Chronische Krankheiten, wie etwa Krebs, werden nicht mehr behandelt.

All das zeigt eines: Es sind nicht irgendwelche Tweets oder Aussagen, die in Deutschland abgesetzt werden, die die Flüchtlinge zu uns bringen. Es ist die pure Not, die sie in verzweifelte Aktionen, wie die Flucht auf Schlepperbooten über das Mittelmeer treibt. Viele der Flüchtlinge sind schon einige Jahre im Libanon. Ihre Rücklagen sind aufgebraucht und sie sehen keine Möglichkeit mehr sich dort durchzubringen. Sie würden – wenn dort ein lebenswürdiges Leben möglich wäre – gern bleiben und auf ein Ende der Auseinandersetzungen in Syrien warten, um wieder in ihre Heimat zurückkehren zu können. Aber so wie es momentan aussieht, haben sie keine Hoffnung. Und die Flucht in Richtung Europa ist ihr letzter Strohhalm.

151117 Libanon Reise (8)

Politische Gespräche unterstreichen Handlungsbedarf

Wir – und damit ist die gesamte Weltgemeinschaft gemeint – müssen es schaffen, den Menschen ein einigermaßen würdiges Leben im Libanon zu ermöglichen. Dann werden die meisten von ihnen vor Ort das Ende der Auseinandersetzungen abwarten. Wir müssen daher alles tun, um den Flüchtlingen zu helfen. Aber auch alles, um die aufnehmenden Länder zu unterstützen. Der Gouverneur der Region Akkar erklärte mir: „Wir können alles brauchen, alles.“ Im Libanon fehlt es mittlerweile nicht nur an Müllfahrzeugen oder Feuerwehrautos. Die Polizisten oder Feuerwehrleute haben oft nicht einmal einen Tisch oder einen Stuhl in ihren Büros. Der Libanon beherbergt derzeit bei einer Bevölkerung von vier Millionen Einwohnern, etwa zwei Millionen Flüchtlinge (registrierte und nicht registrierte). Ohne Unterstützung ist das Konfliktpotential enorm. Das Land braucht finanzielle Hilfe, aber auch Hilfe beim Erhalt oder dem (Wieder-)Aufbau der Infrastruktur.

Ein Gespräch mit dem Bildungsminister Elias Bou Saab unterstrich die schwierigen politischen Umstände im Land: „Jeder versucht das Beste aus dem zu machen, was ihm zur Verfügung gestellt wird. Ich habe nichts zur Verfügung und versuche daraus das Beste zu machen. Die Situation wäre eine hoffnungsvollere, würde der governmental freeze endlich beseitigt werden.“

Auf mehr als sieben Milliarden Euro hatte das UNHCR den Bedarf für 2015 Anfang des Jahres geschätzt, rund 3,5 Milliarden Euro an Zusagen waren bei der Geberkonferenz in Kuwait Ende März zusammen gekommen. Davon 1,1 Milliarden aus der EU und 255 Millionen Euro aus Deutschland. Das ist viel, aber immer noch zu wenig. Deutschland ist – nach den Vereinigten Staaten – einer der größten Geber. Wir haben also bereits viel geleistet, können aber noch mehr tun. Wichtig wird es auch sein, auf internationaler Ebene dafür zu sorgen, dass andere Staaten, die sich bisher noch etwas zurückhalten, ihren Beitrag leisten.

 

Die alte Feldküche stammt von der Bundeswehr.
Die alte Feldküche stammt von der Bundeswehr.

Entwicklungsministerium investiert in Infrastruktur

Positive Lichtblicke bei der Reise waren die Besuche bei Projekten von Orienthelfer e.V. – einer Hilfsorganisation, die von dem bayerischen Kabarettisten Christian Springer gegründet wurde. Zusammen mit Herrn Springer konnte ich z plavix price.B. eine ehemalige Feldküche der Bundeswehr besuchen. Sie war den Orienthelfern – zusammen mit zwei weiteren – vom Verteidigungsministerium überlassen worden – auf Vermittlung durch mein Büro und das vom Kollegen Florian Hahn. In einer solchen Feldküche werden mit einem Wareneinsatz von 20.000 Euro im Monat 300.000 warme Mahlzeiten gekocht. Ein Tropfen auf den heißen Stein, aber je mehr solcher Tropfen kommen, desto mehr kann die Not der Menschen dort gelindert werden.

Das Entwicklungsministerium (BMZ) leistet dort bereits bei der Infrastrukturentwicklung  (Wasserversorgung, Abwasserentsorgung, Strom, winterfester Wohnraum, etc.) für Flüchtlinge und Einheimische vieles. Allein im Jahr 2015 hat das BMZ 140 Mio. in Infrastruktur und Bildung investiert. Wenn wir allerdings die Flüchtlingsströme substanziell reduzieren wollen, muss die staatliche Entwicklungszusammenarbeit deutlich verstärkt werden. Nur sie kann in entsprechenden Größenordnungen intervenieren.

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5 Kommentare zu »Flüchtlingslager im Libanon brauchen dringend Hilfe«

  1. Franz-Reinhard Habbel schrieb:

    Guter und wichtiger Beitrag. Wir müssen dringend die internationale Hilfe erhöhen um die Zustände in den Flüchtlingslagern in Jordanien, Türkei und im Libanon zu verbessern. Hier liegt einer der Schlüssel für den Zustrom von Flüchtlingen nach Europa. Wir brauchen eine massive Internationalisierung der Hilfe.

  2. Michael Knauber schrieb:

    Werte Abgeornete, die 17.000.000.000 € welche die Bundesländer dieses Jahr in Deutschland zur Bewältigung des Flüchtlingsandrangs ausgeben, würden die Kosten von 3 bis 4 Jahren aller Flüchtlingslager in der Türkei, Syrien und Libanon tragen. Und sie Wissen besser als ich, die meißten in Deutschland ankommenden Syrischen Menschen sind in ebend diesen drei Ländern zwar sozialen Elend, aber keiner Gefahr durch Krieg ausgestzt. Holen Sie Bitte geziehlt die Waisen und Verletzten in unser Land! Die Welt retten können Sie nicht. Die Welt ein wenig sicherer machen könnten sie schon. Da müßten Sie sich grundlegend entscheiden, wäre aber nicht gut für die deutsche Wirtschaft. Der Tod ist nun mal ein Meister, leider auch aus Deutschland. Was ich nicht verstehe? Sie waren doch auch mal Kinder mit Idealen? Oder waren Sie schon immer so?

  3. Dr. Erich Geldbach schrieb:

    Sehr geehrter Herr Zech,
    vielen Dank für Ihre Zeilen, denen man Ihre Betroffenheit angesichts der Situation im Libanon anmerkt. Erlauben Sie mir einen Hilferuf: Ich habe einen guten Freund im Libanon, Nabil K. Costa, der einer christlichen Hilfsorganisation vorsteht (Lebanese Society for Educational & Social Development; http://www.lsesd.org), die mit wenigen Mitteln enorm viel leistet. Sehen Sie eine Möglichkeit, diese Organisation, die sich derzeit auch um 720 syrische Kinder im schulpflichtigen Alter kümmert, finanziell zu unterstützen? Weitere Details könnte ich Ihnen zukommen lassen. Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Erich Geldbach
    Professor i.R. für ökumenische Theologie an der Ruhr-Univ. Bochum

  4. Wiedmann schrieb:

    Sehr geehrter Herr Zech,

    gibt es ein Update zu diesem Beitrag? Wurde die staatliche Entwicklungsarbeit seit dem Erscheinen des Beitrags verstärkt?

    Mit freundlichen Grüßen,
    eine besorgte Bürgerin

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