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Frauenpolitik in Israel: Im Austausch mit Akteuren vor Ort

Gedenken in Yad Vashem
Gedenken in Yad Vashem

Die Gruppe der Frauen der Unionsfraktion besucht Israel

Das Jubiläum von 50 Jahren diplomatische Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel 2015 waren für mich der Anlass, mich in dieser Legislaturperiode mit vierzehn Kolleginnen aus der Gruppe der Frauen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion nach Israel auf den Weg zu machen, um mich dort vor Ort zu informieren: Wie ist es um die Gleichberechtigung in Israel und die Situation der Frauen in den palästinensischen Autonomiegebieten bestellt? Wie ist die politische Lage?

Bewegender Besuch in Yad Vashem

Zudem war es mir wichtig, dass wir uns – gerade in der Woche nach dem internationalen Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 71 Jahren – fundiert mit der Lage der Überlebenden der Schoah auseinandersetzen. Auch, weil ich Mitglied im Kuratorium der Stiftung „Erinnerung Verantwortung Zukunft“ (EVZ) bin, war mir daher wichtig, dass wir unseren Besuch mit einem Rundgang in Yad Vashem beginnen. Dieser Besuch hat mich sehr bewegt. Eindrücklich war uns bei der Führung erläutert worden, dass es der Gedenkstätte mittlerweile gelungen ist, über viereinhalb Millionen Namen der Opfer, die im Holocaust ermordet wurden, zu ermitteln. Damit tritt Yad Vashem dem Ziel der Nationalsozialisten wirksam entgegen, neben der Existenz von sechs Millionen Kindern, Frauen und Männern auch deren Identität für immer auszulöschen. Ich war froh, dass wir der Opfer, deren Gedenken in Yad Vashem bewahrt wird, in einer kleinen Zeremonie gedenken und dort einen Kranz niederlegen konnten. Dank der Jewish Claims Conference hatten wir danach Gelegenheit, mit Überlebenden der Schoah zum Gespräch zusammenzukommen. Diese Begegnungen und die Berichte der Frauen und Männer, die wir besucht und im Zentrum der Organisation AMCHA getroffen haben, werden mir unvergesslich bleiben. 190 000 Überlebende des Holocaust leben im hohen Alter noch in Israel – und viele von ihnen unterhalb der Armutsgrenze.

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Frauenpolitik in Israel

Nach diesem bewegenden Einstieg war es schwer für mich, am nächsten Tag in die Fragen zum politischen Alltag Israels überzugehen. In Gesprächen in der Knesset und im Wirtschaftsministerium habe ich mich kundig gemacht, wie die Beschäftigungslage der Frauen ist und mit welchen Schritten die Regierung unter Ministerpräsident Benjamin Netanjahu der Entgeltungleichheit begegnen möchte. Interessiert hat mich auch, wie die ungleichen Beschäftigungschancen von arabischen und ultraorthodoxen Frauen verbessert werden. Dafür war neben dem Austausch mit weiblichen Abgeordneten auch ein Runder Tisch mit Start-Up-Unternehmerinnen und jungen Frauen aus dem Likud sehr aufschlussreich, in dem wir bei der Konrad Adenauer Stiftung Jerusalem über Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf in unseren beiden Ländern diskutierten.

Rolle von Frauen in den israelischen Streitkräften

Besonders interessiert hat mich auch der Bericht von Oberst a.D. Avital Leibovich, Leiterin des American Jewish Comitee in Jerusalem, über die Rolle, die Frauen in den israelischen Streitkräften einnehmen. Zwar sind beide Geschlechter in der Israelischen Armee (IDF) zum Wehrdienst verpflichtet, der Frauenanteil nimmt jedoch auch dort in den höheren Hierarchiestufen ab. Auch in Israel sind die Soldatinnen erst spät zu den Kampfeinheiten zugelassen worden und haben sich 1994 über die höchste Instanz erfolgreich das Recht eingeklagt, auch Pilotin der Luftwaffe werden zu können.

Religiöse Vielfalt

Nach diesen inhaltsschweren Gesprächen habe ich mich gefreut, dass wir vor dem Abendgespräch mit Dr. Gil Yaron in einem kleinen Rundgang mit Pfarrerin Dr. Gabriele Zander noch einen Eindruck von der religiösen Vielfalt dieser faszinierenden Stadt gewinnen konnten. Es war schön, dass wir in der sechsten Kreuzwegstation eine kleine Andacht gehalten haben, bevor wir die Grabeskirche besucht haben und an der Klagemauer vorbeigegangen sind.

Die Mitglieder der Gruppe der Frauen vor der Knesset
Die Mitglieder der Gruppe der Frauen vor der Knesset

Unterwegs in den palästinensischen Autonomiegebieten

Der dritte Tag hat uns in die palästinensischen Autonomiegebiete geführt: Zuerst haben wir das Flüchtlingslager Al-Jalazon angesehen und wurden dort vom Schülerinnenparlament der Mädchenschule begrüßt. Auf Englisch berichteten uns die jungen Schülerinnen von ihren Alltagssorgen und Zukunftswünschen. Auch für den weiteren Tag hatte uns die Konrad Adenauer Stiftung Ramallah ein spannendes Gesprächsprogramm zusammengestellt, das mich offen gestanden auch sehr betroffen gemacht hat: In allen Gesprächen, so besonders mit Dr. Hanan Ashrawi aber auch mit anderen Vertreterinnen der palästinensischen Autonomiegebiete, mit denen wir im kleinen Kreis diskutierten, wurde mir deutlich, wie verfahren die Situation im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern ist. Unsere palästinensischen Gesprächspartnerinnen schilderten ihre Sicht der Dinge in drastischen und durchaus auch sehr strittigen Äußerungen. Wichtig war es mir zudem, mich über die Lage der religiösen Minderheiten in den palästinensischen Autonomiegebieten zu informieren, dazu kamen wir mit der christlichen Friedensaktivistin Dr. Sumaya Farhat-Naser ins Gespräch.

Friedensarbeit im Nahen Osten ist weiter sehr nötig

Wie notwendig ihre Friedensarbeit ist und was für einen kleinen Tropfen auf dem heißen Stein sie nur leisten kann, wurde mir später durch die Nachrichtenlage schmerzhaft bewusst gemacht: Zeitgleich zu unseren Gesprächen wurden in Jerusalem am Damaskus-Tor eine junge israelische Polizistin getötet und eine weitere Polizistin durch Attentäter schwer verletzt. Die drei jungen palästinensischen Attentäter wurden erschossen.

So bin ich mit vielen Eindrücken, Dankbarkeit für die Gespräche und Begegnungen aber auch mit Betroffenheit wieder zurück nach Stuttgart gekehrt.

Karin Maag

Webseite: Karin Maag Facebook: Karin Maag

Ein Kommentar zu »Frauenpolitik in Israel: Im Austausch mit Akteuren vor Ort«

  1. Viktor Krupp schrieb:

    Die Betroffenheit ist nachzuempfinden.

    Betroffen macht mich:

    Überlebende des Holocaust leben unterhalb der Armutsgrenze – nicht in Deutschland, sondern in dem Land dessen Gründung es diesem Holocaust „verdankt“ und besonders Terrorangriffen gegen die Britten in Palästina und Europa – auch auf dt. Boden.
    Die Politik in Deutschland müsste darob empört sein, nicht nur Betroffenheit äussern. Milliarden sind an Wiedergutmachung an Israel gezahlt worden, von den durch dt. Steuergelder subventionierten Waffenlieferungen, wie die U-Boote mit mehreren 100 Millionen, ist nur verhalten die Rede.

    Die auch von Menschenrechtlern und auch UN-Resolutionen widergespiegelten Verfehlungen des Staates Israel mit der Zwangsverwaltung der palästinischen Gebiete – da haben Sie lediglich zu sagen, das es strittige Aussagen der Palästinenser gegeben hat?
    Die von ihrer Frau Merkel verkündete „Staatsräson“ für einen derartigen Staat, der, man kann schon davon sprechen das er Gesetze und Verordnungen hat, die sogar Israelis als mit gesonderten Pässen versehen, nach Art des Judensternes, das dieser Staat rassistische Grundzüge erkennen lässt – diesen Staat verlangt Frau Merkel mit unseren Steuergeldernzu unterstützen.
    Es macht mich Betroffen mit meinen Steuergeldern, mich auch schuldig machen zu müssen an diesem durch den Staat Israel verübten, täglichen Unrecht.

    Wenn sie denn nicht auf einen Listenplatz auf der Wahlliste der CDU angewiesen sind, dann haben sie doch die Schupse und demonstrieren mehr als nur Oberflächlich erscheinende „Betroffenheit“. Setzen sich aktiv für die Belange der Menschenrechte ein. Israel ist da ein dankbareres Objekt als so mancher andere Staat, der Amerika freundlich, populistisch und devot verteufelt wird.

    Betroffen macht mich die Untätigkeit der alternativlosen, etablierten Parteien und Politik in Deutschland. Dies grenzt schon nahezu an Zustände im 3. Reich, oder den kommunistischen Ländern, u.a. DDR, der ehemaligen Heimat vieler unserer jetzigen Politikern, wo eine Obrigkeits-Gläubigkeit kultiviert wurde, die jetzt als „politische Korrekntes“ umschrieben wird, die zu nichts anderem benutzt wird als Gesinnungsterror, Diffamierung und Zensur auszuüben.
    Nahe an „Brain washed“ – erscheint mir da auch ihr Blog Eintrag – oder können, wollen sie ev. Diffamierungen Israel freundlicher Agenturen, auch finanziert durch dt. Steuergelder, sich nicht aussetzen, weil die ihre politische Karriere beenden würde?
    Dann reihen sie sich in die Kolonne der Parlamentarier ein welche den Anforderungen, das das dt. GG an Parlamentarier stellt, nicht gerecht werden. Bitte lesen sie nach „. . . nach eigenem Wissen und Gewissen“

    Ein sehr Betroffener

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