Bildung, Forschung, Politik

Es geht um die Hochschulen der Zukunft!

Jede Universität hat andere Forschungsschwerpunkte (Foto: picture alliance/ ZB)
Jede Universität hat andere Forschungsschwerpunkte (Foto: picture alliance/ ZB)

Es ist ein Milliardenpaket, das die Ministerpräsidentinnen, Ministerpräsidenten und unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel in der letzten Woche verabschiedet haben. Drei Bund-Länder-Vereinbarungen mit einem gemeinsamen Ziel: Die deutschen Hochschulen für die Zukunft zu stärken. Der Bund wird nicht nur Spitzenforschung, sondern auch talentierte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie die regionale Verankerung besonders der kleinen und mittleren Hochschulen stärken.

Mit der Exzellenzstrategie auf dem Weg in die Weltspitze

Viel zu lange hat für deutsche Universitäten das Dogma der Gleichheit gegolten. Alle mussten gleich sein und gleich behandelt werden – obwohl den Meisten immer bewusst war, dass es immer Unterschiede zwischen den verschiedenen Universitäten gab. Während die eine in Medizin besonders gut war, forscht man im Norden traditionell am erfolgreichsten rund um das Meer. Das ist natürlich und zu begrüßen. Denn bei begrenzt zur Verfügung stehendem Geld sollten sich auch akademische Institutionen die Arbeit aufteilen.

Mit der Exzellenzinitiative wurde das Dogma endlich überwunden. Bund und Länder erkannten an, dass verschiedene Universitäten verschiedene weltweit führende Forschung betrieben – und fördern diese noch heute als Exzellenzcluster. Und diese Dynamik, diese Herausbildung besonders guter Forschungsstandorte zu bestimmten Themen, werden wir mit der neuen Exzellenzstrategie weiter und verstärkt fördern.

Es gibt viele Universitäten mit einigen starken Forschungsbereichen, aber an manchen Einrichtungen häuft sich die Forschungsexzellenz. Bereits durch die Zukunftskonzepte, in der laufenden Exzellenzinitiative – in der Öffentlichkeit als „Exzellenz-Universitäten“ bekannt – hat der Bund gemeinsam mit den Ländern die Weiterentwicklung zu Spitzenstandorten der Forschung unterstützt. Damit haben sie eine hohe Dynamik geschaffen, denn die Einrichtungen analysierten ihre Stärken und Schwächen. Darauf aufbauend entwarfen sie Pläne, um durch die gezielte Unterstützung der Stärken in die Weltspitze der Universitäten vorzurücken.

Diese Dynamik ist nicht endlos wiederholbar. Vielmehr muss es jetzt darum gehen, diejenigen Einrichtungen, die sich für den Weg besonders gut aufgestellt und bereits eine ordentliche Distanz zurückgelegt haben, dauerhaft zu begleiten. Deshalb werden wir elf Exzellenzuniversitäten auswählen, die bereits besonders forschungsstark sind, und sie für die kommende Entwicklung angemessen ausstatten. Als Gegenleistung verlangen wir dafür einen guten Personal- und Strategieplan, wie sich die geförderten Standorte denn entwickeln möchten.

Voraussetzung für das Gelingen des Programms ist vor allem, dass nicht die Politik entscheidet, wer oder was exzellente Forschung ist. Das kann nur die Wissenschaft selbst. Deshalb soll sie auch entscheiden, wer erfolgreich sein wird. Wichtig ist uns nur: Es muss um wirklich exzellente Forschung gehen – um nichts anderes.

(Foto: picture alliance/ dpa)
Noch immer entscheiden sich zu viele kluge Köpfe gegen eine Universitäts-Karriere. Das soll sich jetzt ändern. (Foto: picture alliance/ dpa)

Mit dem Tenure-Track-Programm bessere Karrieren ermöglichen

Am Ende wird Forschung aber nicht von Strukturen, sondern von Menschen gemacht. An den Universitäten finden junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler heute noch keine optimalen Karrieremöglichkeiten vor. Die Entscheidung, ob sie dauerhaft in Forschung und Lehre arbeiten können oder sich beruflich umorientieren sollten, fällt oft erst jenseits der 40 Lebensjahre. Das ist zu spät und passt nicht in die Lebensplanung, weshalb sich viele kluge Köpfe gegen die Karriereoption Universität entscheiden. Es fehlt an Personalentwicklungsplanung und vor allem an Stellen mit einer verlässlichen und transparenten Aufstiegsmöglichkeit.

Dem begegnen Bund und Länder mit dem neuen Tenure-Track-Programm, das wir als CDU/CSU-Fraktion früh angeregt haben. Ab den Jahren 2017 und 2019 stellt der Bund jeweils für 500 Professuren mit Tenure Track, insgesamt also 1.000 Stellen, die notwendige Finanzierung bereit. Allein eine Milliarde Euro wird er dafür bis ins Jahr 2032 ausgeben. Tenure Track bedeutet, dass junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewissermaßen Professorin oder Professor auf Probe werden. Wenn sie sich bewähren, was am Ende der Laufzeit anhand klarer und vorher festgelegter Kriterien überprüft wird, übernimmt sie dann das Land auf eine dauerhafte Professur. Früher als bisher bekommen sie also die Chance, ihre Karriere selbst in die Hand zu nehmen und von den Unwägbarkeiten fehlender Stellen frei zu sein. Das ganze verbinden wir mit der deutlichen Anforderung an die Universitäten, gute Personalentwicklungsplanung zu betreiben. Ohne diese werden sie keine Förderung aus dem Programm erhalten. So stellen wir sicher, dass Angebote wie Coaching, Mentoring und andere Angebote der Berufsbegleitung auch an den Universitäten flächendeckend Einzug halten.

Am Ende dient die Wissenschaft der Wirtschaft – verstärkt durch das Programm „Innovative Hochschule“

So sehr Forschung von der Suche nach Wahrheit getrieben ist, am Ende steht ein enormer wirtschaftlicher Nutzen. Gerade bei kleinen und mittleren Universitäten, Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften gelangen Erkenntnisse durch regionale Partnerschaften mit Wirtschaft und Gesellschaft besonders schnell in die Umsetzung. Mit dem Programm „Innovative Hochschule“ fördern wir deshalb diese Partnerschaften gezielt. Mindestens die Hälfte der 550 Millionen Euro, die Bund und Länder dafür in den nächsten 10 Jahren ausgeben werden, geht allein in die Fachhochschulen bzw. Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Denn sie sind das Rückgrat unseres forschungsintensiven Mittelstandes.

Ein Meilenstein für die Hochschulentwicklung

Die CDU/CSU-geführte Bundesregierung hat den Haushalt für Bildung und Forschung seit der Regierungsübernahme durch Angela Merkel im Jahr 2005 mehr als verdoppelt. Die außeruniversitäre Forschung wurde gestärkt und mit der Hightech-Strategie haben wir definiert und finanziert, was wir als die wichtigsten Zukunftstechnologien für den Wirtschaftsstandort Deutschland erkannt haben. Mit dem nächsten Meilenstein widmen wir uns jetzt, gemeinsam mit den Ländern, der Basis unseres gesamten Wissenschaftssystems: Den Hochschulen. Nur wenn es uns gelingt, diese für die Zukunft fit zu machen, hat auch unsere innovative Wirtschaft eine Zukunft. Das werden wir, davon bin ich überzeugt, mit diesem herausragenden Gesamtpaket schaffen.

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