Politik

Tesla „auf chinesisch“

Wie wollen wir im Jahr 2030 leben? Wie verändert die Digitalisierung unsere Arbeitswelt, wie revolutioniert Künstliche Intelligenz Bereiche wie Mobilität und Gesundheit? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Projektgruppe Zukunft und Innovation der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Auf ihrer Reise durch Chinas Digital- und StartUp-Szene haben Abgeordnete erlebt, wie sich das Reich der Mitte aufgemacht hat, Wirtschaft und Gesellschaft auf eine digitale Zukunft auszurichten. In Gastbeiträgen schildern sie ihre Eindrücke – und was diese für Deutschland bedeuten.

Gastbeitrag von Jan Metzler

Wer in unseren Tagen die Diskussionen in Sachen Mobilitätswende verfolgt, stellt schnell fest, dass sich viele Ansätze im Schwerpunkt um neue Antriebstechnologien drehen. Was wäre allerdings, wenn man das Auto der Zukunft nicht primär vom Antrieb her denkt, sondern von der digitalen Applikation? Wie so etwas in der Realität aussehen kann, lässt sich in den Hallen des Unternehmens Byton in Nanjing bereits jetzt besichtigen. Ein erster Blick auf das digitale Wunderwerk verrät: Die Zeiten eines Belächelns, über Spaltmasse und fehlende Präzision „Made in China“, sind zumindest in diesem Fall eindeutig vorbei. Vielmehr wird klar, dass sich im Projekt Byton deutsche Präzision mit chinesischer Geschwindigkeit gepaart hat. In Summe: Ein deutsches Management in Nanjing, vereint sich mit Design aus München, digitaler Technik aus Kalifornien und einem chinesischen Elektroantrieb.

Das Ergebnis präsentiert sich auf der IAA 2019 auf einer Plattform in drei Varianten. Völlig unabhängig, wie der langfristige Erfolg aussehen wird, kann ich nur den ersten Eindruck beleuchten, den wir als Delegation beim Besuch bekommen haben und der war davon geprägt, dass dieses Auto nicht nur nach Zukunft aussieht, sondern dass man die Zukunft förmlich anfassen kann und ein Teil davon wird. Direkt ins Auge fällt nach dem öffnen der Tür ein Bildschirm im Innenraum, der sich über das gesamte Armaturenbrett erstreckt. Dagegen sieht das, was Tesla gerade in Sachen digital präsentiert fast blass aus. Dieses Fahrzeug ist komplett auf die digitale Welt der „Generation Z“ abgestimmt. Es trägt der Tatsache Rechnung, dass zukünftige Kaufentscheidungen wohl auch ganz maßgeblich davon abhängen, wie sich das jeweilige Produkt in das persönliche digitale Netzwerk integrieren lässt. Der Ansatz „Wir haben das Fahrzeug um das Display herum konstruiert“, ist wohl ein geradezu revolutionärer. Er ist aber auch eine Kampfansage auf einem Feld, dass an vielen anderen Orten der Welt – auch in Deutschland – eher als Beiwerk gilt. Ja, wir bauen geniale Motoren mit enorm hohem Wirkungsgrad in Deutschland. Aber bauen wir auch genial digital?

Chinareise von Abgeordneten der Projektgruppe Zukunft und Innovation. Jan Metzler (4. v.l.)

Die Frage, die sich ebenso schnell stellt ist: Warum baut ein deutsches Spitzenteam, mit langjähriger Branchenerfahrung das alles nicht in Deutschland? Antwort: Der gigantische Markt in China, das klare Bekenntnis zur E-Mobilität und die große Euphorie, einfach auch mal etwas auszuprobieren, statt es direkt zu zerreden. Gerade die Energie des Ausprobierens, des Machen, ist hier allgegenwärtig. Verglichen mit der Heimat, hat man in Deutschland dazu oftmals das Gefühl, dass wir noch vor das Ausprobieren bereits das Regulieren gesetzt haben.

„Ausprobieren und Machen“

Viele Ideen entstehen aber nun mal zunächst in einem unregulierten Umfeld. All das muss noch kein Erfolgsrezept für das Auto oder die Mobilität der Zukunft sein. Aber die Zeiten in der nur billigste Elektrotechnik aus China kam, sind vorbei. Dies wird einem sowohl in der Konzernzentrale von Byton klar, als auch in der 5G Präsentation von Huawai oder der Konzernzentrale von Tencent. Letzteres hat mittlerweile eine Börsenmarktkapitalisierung von 500 Mrd. US Dollar. Bei aller großen Tradition im Bereich Technik, Ingenieurwesen und Innovation und der zweifellos großen Expertise in Deutschland, die immer noch zur Weltspitze zählt, sollten wir jedoch oder grade deswegen sehr aufmerksam und vielleicht auch neugierig sein, auf das was sich im Reich der Mitte abspielt und unsere Lehren daraus ziehen. Eines sollten wir als Europäer und Deutsche auf keinen Fall tun, nämlich den gleichen Fehler wie die Chinesen vor 150 Jahren und bei allem Blick nach innen den nach außen verlieren.

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