Klima, Ländliche Räume, Politik, Tourismus, Umwelt

„Verborgene Naturschätze“

Abgeordnete gründen Parlamentskreis „Biosphärenreservate“

Blogbeitrag von Dr. Klaus-Peter Schulze (CDU), MdB

Ökologische, ökonomische und soziale Modellregionen

Mitte September dieses Jahres war es soweit, die konstituierende Sitzung des Parlamentskreises ‚Biosphärenreservate‘ fand statt. Obwohl die Idee zur Gründung eines Parlamentskreises bereits Ende 2019 während meines Besuches im Wahlkreis von Armin Schuster (Biosphärenreservat Schwarzwald) entstand und als Mit-Initiator auch Michael Donth (Biosphärenreservat Schwäbische Alb) schnell gewonnen wurde, musste eine Gründung situationsbedingt in den Herbst 2020 verschoben werden.

„Förderung der ausgewogenen Beziehung zwischen Mensch und Biosphäre“

Während der konstituierenden Sitzung waren sich die teilnehmenden Abgeordneten von CDU/CSU, Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen mit Blick auf die große Relevanz dieses Parlamentskreises einig. Biosphärenreservate streben eine Förderung der ausgewogenen Beziehung zwischen Mensch und Biosphäre an. Als Parlamentskreis im Deutschen Bundestag bekennen sich seine Mitglieder klar zu dieser Form des Naturschutzes und zu dem Streben nach der Erhaltung von Landschaften, Ökosystemen, Arten und genetischer Vielfalt in den Biosphärenreservaten. Auf höchster politischer Ebene wollen die Abgeordneten die Verwaltungen der Biosphärenreservate in ihrem Auftrag und ihrer Arbeit unterstützen, Kooperationen fördern, bundespolitischen Rückhalt bieten und Synergien schaffen. Denn: Biosphärenreservate entfalten Triebkräfte für den ländlichen Raum. Diese gilt es zu unterstützen, um die nachhaltige touristische Nutzung zu fördern und kommunale Wirtschaftskreisläufe zu etablieren.

„Hotspots biologischer Vielfalt“

Biosphärenreservate sind Modellregionen mit besonderem Schutzstatus. Sie sind einheitlich zu schützende und zu entwickelnde Gebiete. Per Definition sind sie großräumig und für bestimmte Landschaftstypen charakteristisch. In wesentlichen Teilen ihres Gebietes erfüllen Biosphärenreservate die Voraussetzungen eines Naturschutzgebietes, im Übrigen überwiegend eines Landschaftsschutzgebietes. Das Ziel von Biosphärenreservaten ist der Schutz und die Erhaltung einzigartiger Natur- und Kulturlandschaften, welche in Deutschland in den unterschiedlichsten Regionen zu finden sind. Biosphärenreservate sind Hotspots biologischer Vielfalt. Sie bieten aber auch Erlebnis und Erholung für Familien, Tagesausflügler und Anwohnerinnen und Anwohner.

Biosphärenreservate werden seit 1976 von der UNESCO ausgezeichnet. Es gibt ein weltweites Netz von rund 701 Gebieten in 124 Staaten, davon 21 grenzüberschreitende Gebiete. Diese besonderen Reservate tragen zum kulturellen Austausch maßgeblich bei. Nicht nur bei den 21 grenzüberschreitenden Gebieten, sondern auch bei internationalen Kooperationen zwischen den Verwaltungen.

In Deutschland wurde 1979 die ersten Biosphärenreservate anerkannt: Der Thüringer Wald und die Flusslandschaft Elbe (vormals Biosphärenreservat „Steckby-Lödderitzer Forst“), damals wohlgemerkt in der DDR, wurden als erste Gebiete anerkannt. Das Berchtesgadener Land, das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer und Schorfheide-Chorin bekamen die Akkreditierung im Jahr 1990 zugesprochen.

Im Jahr 1991 folgten die Region Rhön, der Spreewald, Südost-Rügen sowie 1992 das Hamburgische Wattenmeer, das Niedersächsische Wattenmeer und der Pfälzerwald. Seit 1996 zählt die Oberlausitzer Heide und Teichlandschaft zu den Biosphärenreservaten. Im Jahr 2000 wurde die Region Schaalsee ausgezeichnet. Es folgten die Modellregionen Bliesgau und die Schwäbische Alb in Jahr 2009, 2017 der Schwarzwald. Ohne UNESCO-Anerkennung sind aktuell die Biosphärenreservate Karstlandschaft Südharz und Drömling. Die offiziellen Anerkennungen durch die UNESCO werden angestrebt.

Wie ein bunter Flickenteppich liegen die 18 Biosphärenreservate über dem Bundesgebiet und bereichern seit Jahren die jeweiligen Regionen. Insgesamt bedecken sie 2.028.356 Hektar Fläche, inklusive rund 666.046 Hektar Wasser- und Wattfläche der Nord- und Ostsee. Somit sind 3,9 % der terrestrischen Fläche Deutschlands Biosphärenreservat.

„Rückbesinnung auf die heimischen Reisedestinationen führte stellenweise zu übermäßigem Besucherandrang.“

Mit Blick auf die die Corona-Pandemie birgt für die Biosphärenreservate Chancen und Risiken. Die insgesamt gestiegene Wahrnehmung der Gebiete kann als große Chance für die weitere Entwicklung der Biosphärenreservate gesehen werden. Besonders die Anwohner nutzen die heimischen Biosphärenreservate als Rückzugsort. Touristen wählten aufgrund von Reisebeschränkungen die Regionen als innerdeutsches Ferienziel und als Alternative zu ausländischen Destinationen. Die Rückbesinnung auf die heimischen Reisedestinationen führte jedoch stellenweise zu einem übermäßigen Besucherandrang.

Die aktuell verschärften Beschränkungen wirken sich bundesweit negativ auf die Biosphärenreservate aus. Informationszentren müssen – wieder – geschlossen bleiben. Die Angebote vor Ort werden stark reduziert bzw. ausgesetzt. Zwar wurden seit Ende März neu etablierte, digitale Angebote wie Webinare, soziale Online-Plattformen und sogar digitale Naturführungen etabliert. Die Angebote werden gut angenommen, können aber einen Aufenthalt in der Natur vor Ort nicht ersetzen. Auch schulische Bildungsangebote können derzeit nicht angeboten werden, da es keine Nachfrage seitens der Schulen gibt. Bildung und Naturkunde vor Ort oder praktisches Lernen in und von den Biosphärenreservaten sind derzeit nicht möglich.

In den kommenden Monaten werden weitere finanzielle Einbußen auf die Verwaltungen der Biosphärenreservate zukommen. Trotz der steigenden Zahl lokaler Touristen kann kaum Wertschöpfung erzielt werden: Lokale Touristen nutzen keine Übernachtungsmöglichkeiten und nur in begrenztem Maße die Gastronomie. Erschwerend kommt hinzu, dass Hotellerie und Gastronomie die gesetzlichen Auflagen erfüllen müssen.

Interessierte Abgeordnete mit Biosphärenreservaten in ihren Wahlkreisen können sich per E-Mail an das Bundestagsbüro des Abgeordneten Klaus-Peter Schulze wenden und erhalten die Einladung zur nächsten Sitzung des Arbeitskreises.