Außenpolitik, Internationales, Menschenrechte

Dem Terror die Stirn bieten

Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer besuchte mit einer Delegation des Deutschen Bundestages vom 16.-21.06.2014 u.a. Nigeria.  Dort demonstrierte er gemeinsam mit Müttern der 300 verschleppten Mädchen für deren Rückkehr. (Foto: Johannes Singhammer)
Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer besuchte mit einer Delegation des Deutschen Bundestages vom 16.-21.06.2014 u.a. Nigeria. Dort demonstrierte er gemeinsam mit Müttern der 300 verschleppten Mädchen für deren Rückkehr. (Foto: Johannes Singhammer)

In der letzten Woche habe ich mit einer Delegation des Deutschen Bundestages Kamerun, Togo und Nigeria besucht und konnte mir ein Bild der Lage in den immer stärker von Terror und Gewalt geprägten Ländern machen. Die sicherheitspolitische Lage in Zentral- und Westafrika wird aufgrund von Terrorgruppen wie Boko Haram zunehmend unsicher. Die politische Elite Kameruns warnt  deshalb zu Recht vor einer Sichel des Terrors, die von der Westsahara bis zum Irak reichen könnte. Das wäre das eine Bedrohung für Europa und eine unmittelbare Bedrohung für die Menschen in den betroffenen Ländern, darunter auch viele Christen, die besonders im Visier von Terroristen stehen.

Weltaufmerksamkeit hat der Terror der Boko Haram durch die rund 300 Schulmädchen bekommen, die im April aus einem Internat im Norden Nigerias entführt wurden. Die Gespräche, die ich mit betroffenen Müttern in Abuja führen konnte, zeichnen ein erschütterndes Bild: Banges Warten und Hoffen auf eine Rückkehr ihrer Töchter. Deshalb habe ich gemeinsam mit den Müttern in Abuja gegen die Terroristengruppe Boko Haram und für die Rückkehr der Mädchen demonstriert.

Der Konflikt ist im Kern jedoch kein Religionskrieg. Alle politisch und religiös Verantwortlichen betonen, dass die Ursachen für das Erstarken von Boko Haram in der Armut und Perspektivlosigkeit der Menschen, der hohen Arbeitslosigkeit und auch in uralten ethnischen Konflikten begründet liegen. Eine Rolle spielt dabei auch der Kampf um fruchtbares Land. Die islamischen Vertreter versichern unisono, dass Boko Haram mit dem Islam nichts zu tun hat, sondern diesen pervertiert.

Es gilt also einerseits den Terrorismus zu bekämpfen und andererseits durch gezielte Förderung von Ausbildung und Investitionen Perspektiven zu schaffen für die Menschen in Zentral- und Westafrika, wo immer mehr Menschen vor Terror und Gewalt fliehen. Besonders dramatisch stellt sich die Situation derzeit in Kamerun dar: Jede Woche kommen dort  bis zu 5000 schwer traumatisierte Menschen aus der auseinanderbrechenden Republik Zentralafrika und dem von Boko Haram terrorisierten nördlichen Regionen Nigerias an. Es deutet sich eine Flüchtlingskatastrophe an, wenn eine menschenwürdige Versorgung in den Auffanglagern angesichts der Masse an Flüchtlingen immer weniger möglich ist. Gebraucht werden vor allem Lebensmittel und Medikamente.

Wir können hier nicht einfach wegschauen. Deutschland ist Kamerun durch eine gemeinsame Geschichte in besonderer Weise verbunden. Führende Vertreter Kameruns wiesen in unseren Gesprächen darauf hin, dass Deutschland und Kamerun vor hundert Jahren mit Kaiser Wilhelm II. noch ein gemeinsames Staatsoberhaupt hatten. Diese gemeinsame Geschichte sollte uns Verpflichtung sein, Kamerun in seiner derzeit schwierigen Lange beizustehen.

Finanzen, Finanzmarkt

Reformpaket: Vertrauen in Lebensversicherungen stärken

Viele Menschen ergänzen ihre Altersvorsorge um eine Lebensversicherung.
Lebensversicherungen sind beliebt für die private Altersvorsorge. Deswegen will die Regierungskoalition mit einem Gesetzespaket einige gesetzliche Regelungen der Lebensversicherungsbranche neu regeln und so der Zinsentwicklung entgegenwirken. (Foto: Picture Alliance/dpa)

Nach der historischen Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank sind die niedrigen Zinsen derzeit in aller Munde. Erste Banken haben daraufhin ihre Dispo-Zinsen gesenkt – ein guter Aspekt für Verbraucher. Doch viele Menschen fürchten jetzt andererseits um ihre Lebensversicherung: Sie ist einer der beliebtesten Bausteine der Deutschen für die private Altersvorsorge. Deswegen will die Regierungskoalition mit einem Gesetzespaket einige gesetzliche Regelungen der Lebensversicherungsbranche reformieren und neu regeln.

Vertrauen in die Lebensversicherung langfristig erhalten

In Deutschland bestanden Ende 2012 rund 90 Millionen Versicherungsverträge. Die niedrigen Zinsen sind jedoch ein Problem für alle Institutionen geworden, die langfristig Geld anlegen, auch für Lebensversicherer. Denn niemand weiß derzeit, wann wieder mit einem Anstieg der Zinsen zu rechnen ist. Versicherungsunternehmen haben daher immer größere Schwierigkeiten, die ihren Kunden garantierten Leistungen zu erwirtschaften.

Die Bundesregierung hat sich deshalb mit dem Gesetzespaket auf den Weg gemacht, die Ansprüche der gesamten Versichertengemeinschaft und die Stabilität im Versicherungssektor für die Zukunft zu sichern. Die Versicherungsnehmer sollen auch in der Zukunft angemessene Erträge aus ihren Versicherungen erhalten und die Unternehmen ihre Risiken weiter tragen können. Kurz: Ich will das Vertrauen in die Lebensversicherung und deren Leistungsfähigkeit langfristig erhalten. Dafür setze ich mich als Berichterstatterin dieses Gesetzesvorhabens im Finanzausschuss ein.

Alle, die Versicherer, ihre Kunden und die Aktionäre des Versicherungsunternehmens müssen sich daran beteiligen.

 

Gerechten Ausgleich innerhalb der Versichertengemeinschaft schaffen

Was muss sich also künftig ändern? – Zunächst müssen die Versicherten fortan stärker an den Risikoüberschüssen beteiligt werden. Gleichzeitig werden die Unternehmen verpflichtet, sich mit ihren Risiken intensiver zu beschäftigen. Sie müssen ihre Vertriebskosten senken und diese transparenter machen. Wenn die Auszahlung der garantierten Leistungen gefährdet ist, erhalten die Aktionäre keine Dividenden.

Zu den Leistungen, die Kunden bei Vertragsende erhalten, gehört auch die Beteiligung an den sogenannten Bewertungsreserven. Sie entstehen, wenn der aktuelle Wert staatlicher Anleihen über dem vormaligen Kaufpreis liegt. Dies ist typisch für Phasen wie die jetzige, wenn die Zinsen niedrig sind. Hier wachsen allerdings keine echten Werte, sondern reine Buchgewinne, denn wird die Anleihe fällig, wird nur der Kaufpreis zurückgezahlt.

So niedrig die Zinsen derzeit sind, so hoch sind die Bewertungsreserven, so hoch sind die Beteiligungen, die die Versicherungsunternehmen an jetzt ausscheidende Kunden auszahlen müssen. Diese Summen sind so stark gestiegen, dass sie den Kapitalstock der Versicherer gefährden.

An dieser Stelle zeigt sich das Problem der Unternehmen in der Niedrigzinsphase: Sie erhalten nicht ausreichend Zinsen, um ihr Kapital so anzulegen, dass diese Eingriffe ausgeglichen werden können und auch garantierte Leistungen derjenigen Kunden gesichert bleiben, deren Verträge erst in einigen Jahren enden.

Jeder Euro kann aber nur einmal ausgegeben werden: Bliebe alles beim Alten, profitierten jetzt ausscheidende Kunden (Das sind rund fünf Prozent aller Versicherten) einseitig zu Lasten verbleibender Kunden.

Dreh- und Angelpunkt unserer Überlegungen in der Koalition ist es also, einen gerechten und generationenübergreifenden Ausgleich innerhalb der gesamten Versichertengemeinschaft zu schaffen. Deswegen werden Bewertungsreserven künftig nur dann ausbezahlt, wenn die garantierten Leistungen der verbleibenden Kunden nicht gefährdet werden. Hieran gekoppelt ist die schon erwähnte Ausschüttungssperre für Dividenden. Dies gilt übrigens nur für Bewertungsreserven auf Anleihen; die auf Immobilien und Aktien sind hiervon ausgenommen.

Die Lebensversicherung war über viele Jahrzehnte eines der wichtigsten Mittel zur Altersvorsorge. Damit das so bleibt, führen wir diese ausgewogenen Maßnahmen durch.

Bildung, Politik

Deutschland braucht verlässliche Wissenschaftskarrieren

Unser Wissenschaftssystem ist nur so gut wie seine Wissenschaftler (Foto: flickr.com/ Universität Wien)
Das Wissenschaftssystem ist nur so gut wie seine Wissenschaftler, daher brauchen junge Akademiker attraktive Karrierewege (Foto: flickr.com/ Universität Wien)

Wir sind ein rohstoffarmes Land. Bei der Schlussfolgerung daraus sind sich alle einig: Mehr Bildung, bessere Bildung!

Was dabei oft vergessen wird: Unser Wissenschaftssystem ist nur so gut wie seine Wissenschaftler und wir stehen in einem internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe. Wir sind nur dann konkurrenzfähig, wenn wir den jungen Wissenschaftlern attraktive Karrierewege aufzeigen können.

Keine einfachen Lösungen

Als vermeintlich schnelle Lösung wird regelmäßig die Forderung nach  einer Änderung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes erhoben. Es regelt die Befristung von Arbeitsverträgen, vor allem in der Zeit vor und nach einer Doktorarbeit. Die Behauptung: Weniger Zeitverträge  oder längere Laufzeiten bedeutet weniger Unsicherheit gleich mehr Karriereperspektive.

Das ist so einfach wie verkürzt. Zeitverträge sind für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein wichtiges Mittel des Einstiegs in eine Forschungskarriere. Die vielerorts überbordende Befristungspraxis wollen wir allerdings beenden. Wir möchten die Vertragslaufzeiten an die Laufzeit der Qualifikationsphase bzw. der Projekte koppeln, in denen Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler beschäftigt sind. Viertelstellen oder gar noch kleinere Bruchteile von Stellen sind unzumutbar. Soweit die Selbstverpflichtungen der Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen dabei nicht ausreichen, müssen wir eben auch wie im Koalitionsvertrag vereinbart über die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu guten Lösungen kommen. Änderungen dürfen aber nicht nur gut gemeint sondern müssen auch gut gemacht werden, damit Gestaltungen, die jungen Leuten helfen wie kurze Überbrückungs- oder Verlängerungsverträge, am Ende nicht  unter die Räder geraten.

Das Problem liegt in der Struktur

Die wissenschaftliche Karriere hat in Deutschland in der Regel immer noch ein Ziel: Die Professur, vor allem als sogenannte W3-Professur oder Vollprofessur. Wir glauben nicht, dass in einem so dynamischen Wissenschaftssystem wie unserem ein starrer Aufstiegsweg nach dem Muster „entweder Professur oder gar nichts“ noch zeitgemäß ist. Zumal es im Verhältnis zu den vielen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nur sehr wenige solcher Stellen gibt. Wir brauchen Karrierewege jenseits der Vollprofessur, ob innerhalb oder außerhalb der Hochschule.

Die CDU/CSU-Fraktion hat hierzu bereits in der letzten Legislaturperiode viele Vorschläge gemacht. So meinen wir, dass mit der Einführung einer befristeten Assistenzprofessur unterhalb der Vollprofessur neue Wege eröffnet werden können. Gleichzeitig sollten solche Stellen mit einem Tenure-Track ausgestattet werden. Das bedeutet, dass die Assistenzprofessur nach einer bestimmten Zeit unkompliziert und ohne Ausschreibung in einer Professur aufgehen kann, wenn die Kandidatin oder der Kandidat sich bewährt haben. Als neue Personalkategorie wollen wir zudem den Associate-Professor, nach angelsächsischem Vorbild einführen.  Die TU München ist vor etwa zwei Jahren genau diesen Weg gegangen und hat das Karrieremodell „TUM Faculty Tenure Track“ – bestehend aus Assistant- und Associate-Professur – eingeführt und gezeigt, dass es sich bei dem in unserem Antrag ausgearbeiteten Vorschlag um ein sehr praxistaugliches Modell handelt. Dazu war übrigens keine Änderung des Wissenschaftszeitvertragsgesetzes nötig.

Ein guter Überblick zu unseren Ideen findet sich in unserem Antrag aus der letzten Legislaturperiode.

 

Länder sind in der der Verantwortung

Damit kommen wir zum eigentlichen Problem. Wir können zwar anregen, für die Ausgestaltung der Stellenstruktur sind aber Länder, Hochschulen und Forschungseinrichtungen zuständig. Und wissenschaftliche Karrieren sind immer auch eine Frage des Geldes. Das gilt besonders für die Grundfinanzierung der Hochschulen.

Nur wenn die Hochschulen verlässlich und ausreichend Geld bekommen, können sie dauerhafte Arbeitsplätze für unsere besten Köpfe schaffen. Und dafür sind die Länder zuständig. Durch die Übernahme des gesamten Bafögs wird die Große Koalition die Länder massiv entlasten. Dafür haben sie versprochen, das frei werdende Geld in Schulen und Hochschulen zu stecken. Allerdings müssen wir erkennen, dass immer mehr Länder die Wissenschaft zugunsten der schulischen Bildung weiter vernachlässigen. Das ist der falsche Weg. Das wird am Ende sehr teuer für alle: Denn nur gute finanzierte Universitäten und Fachhochschulen bringen gute Absolventen hervor, die wir in ganz Deutschland dringend brauchen.

Der Bund hat dazu bereits viel beigetragen. Mithilfe von Hochschulpakt, Pakt für Forschung und Innovation sowie der Exzellenzinitiative wurde in erheblichem Ausmaß in bessere Arbeitsbedingungen für den wissenschaftlichen Nachwuchs investiert und zahlreiche neue Stellen geschaffen. Wenn die Länder nicht mitziehen und genug Geld in die Hand nehmen, wird das allein aber nicht helfen.

 

Co-Autor dieses Beitrags ist Tankred Schipanski MdB. Gemeinsam mit Alexandra Dinges-Dierig ist er Berichterstatter der CDU/CSU-Fraktion für Wissenschaftlichen Nachwuchs.

Außenpolitik, Politik, Verteidigung

Bundeswehr-Mandate: Deutschland ist ein verlässlicher Bündnispartner

(Foto: Bundeswehr)
Der Generalinspekteur der Bundeswehr bei einem Rundgang durch einen logistischen Umschlagplatz in Afghanistan. Hier stehen Fahrzeuge die noch nach Deutschland überführt werden müssen und später für neue Einsätze zur Verfügung stehen.(Foto: ©Bundeswehr/ Bienert)

In dieser Woche haben wir zum 15. Mal den Einsatz der Bundeswehr im Kosovo verlängert. Das KFOR-Mandat besteht seit 1999, seitdem auch mit deutscher Beteiligung. Zurzeit dienen in dem Balkanstaat 1.850 deutsche Soldatinnen und Soldaten. Die unter Leitung der NATO stehende Kosovo-Truppe hat unter anderem den Auftrag, ein sicheres Umfeld in dem ehemaligen Kriegsgebiet zu garantieren, und unterstützt die einheimischen Kräfte bei der Wahrung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung.

Außerdem haben wir in diese Woche die Verlängerung des UNIFIL-Mandats, an dem Deutschland seit 2006 beteiligt ist, diskutiert. Direkt nach dem Ende des Libanon-Krieges wurden deutsche Soldaten im Rahmen dieser UN-Mission ins östliche Mittelmeer entsendet, um dort nicht nur eine libanesische Marine aufzubauen, sondern auch das Seegebiet zu überwachen, Waffenschmuggel zu verhindern und die Grenzen des Libanon zu sichern. Insgesamt 300 deutsche Soldatinnen und Soldaten leisten hier ihren Beitrag.

Diplomatie und militärische Verantwortung

Diese Beispiele zeigen, dass Deutschland inzwischen ein wichtiger und integraler Bestandteil einer europäischen, einer internationalen Sicherheitspolitik ist. Wir haben seit 1994 schon mehr als 240 Mal über Auslandeinsätze der Bundeswehr diskutiert. Die Bundeswehr trägt inzwischen auf mehreren Kontinenten zur Stabilisierung der Sicherheitslage bei.

Wir leben heute in einem friedlichen Europa und sind umgeben von stabilen Demokratien. Wir sind Teil des stärksten Militärbündnisses der Welt, der NATO, und sind eingebettet in die gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik der Europäischen Union. Dennoch wäre es fatal zu glauben, dass die Sicherheit Deutschlands und Europas allein dadurch schon gewährleistet ist. Die Krise in der Ukraine hat uns wieder gezeigt, wie schnell ernsthafte Konflikte entstehen können. Wir sind in einer globalisierten Welt eng miteinander verknüpft.

Deutschland wird nie rein militärische Konfliktlösungen unterstützen, sondern wird immer versuchen, auf diplomatischem Weg zur Deeskalation beizutragen. Davon lässt sich Bundeskanzlerin Angela Merkel auch in der aktuellen Ukraine-Krise leiten. Gespräche und Sanktionen sind dem Einsatz von Waffen immer vorzuziehen. Aber es ist für uns Deutsche auch nicht mehr möglich, militärische Einsätze kategorisch abzulehnen. Deutschland stellt sich, so haben wir es auch im Koalitionsvertrag formuliert, seiner internationalen Verantwortung, denn wir wollen die globale Ordnung aktiv mitbestimmen. Basis dessen ist unsere werte- und interessengeleitete Außenpolitik. Wir setzen uns weltweit für Frieden und Freiheit sowie für eine gerechte Weltordnung ein und halten an geltendem Völkerrecht fest. Deutschland hat sich in den vergangenen zwei Legislaturperioden mit einer CDU-Kanzlerin zu einem verlässlichen starken Bündnispartner entwickelt.

Außenpolitik, Menschenrechte, Politik

Todesurteil gegen Christin im Sudan ist nur Spitze des Eisberges

Auf den ersten Blick ein normales Hochzeitspaar. Doch dass die Braut als Tochter eines Moslems einen Christen heiratete und sich selbst als Christin sieht, reichte den Richtern, um die Todesstrafe zu verhängen.  (Foto: Gabriel Wani/ Facebook)
Auf den ersten Blick ein normales Hochzeitspaar. Doch dass die Braut als Tochter eines Moslems einen Christen heiratete und sich selbst als Christin sieht, reichte den Richtern, um die Todesstrafe zu verhängen. (Foto: Gabriel Wani/ Facebook)

Weltweit werden Millionen Christen verfolgt. Nicht immer steckt staatliche Gewalt dahinter, häufig werden die Übergriffe aber geduldet.

Das Schicksal der 27-jährigen Christin Mariam Yehya Ibrahim Ishag bewegt. Wie könnte es auch anders sein – schließlich wurde da eine junge Frau zum Tode verurteilt, die ihr Leben nicht anders lebte, als viele andere auch: Sie heiratete, bekam einen Sohn, wurde ein weiteres Mal schwanger. Dass das zweite Kind, eine Tochter, nun vor einigen Tagen im Gefängnis zur Welt kam, ist für viele Menschen schon grausam genug. Dass die Mutter nach einer Frist von zwei Jahren erhängt werden soll, wollen hunderttausende Menschen in aller Welt nicht hinnehmen. Auch der Stephanuskreis der Unionsfraktion im Bundestag hat sich bei der sudanesischen Regierung für die junge Frau eingesetzt. Denn Mariam Yehya Ibrahim Ishag hat nichts Unrechtes getan!

Die Richter im sudanesischen Karthum sahen das anders. Sie verurteilten Mariam Yehya Ibrahim Ishag im Mai wegen „Gotteslästerung“ und „Glaubensabtrünnigkeit“ (Apostasie) zum Tode. Die 27-Jährige selbst sagt, sie sei nicht vom Islam abgefallen, sondern von ihrer christlichen Mutter in deren Glauben erzogen worden. Was aus der Ferne wie Haarspalterei klingen mag, ist nach sudanesischem Recht entscheidend. Denn: Auf Apostasie steht – so ungerecht das auch ist –  laut sudanesischem Gesetz die Todesstrafe. Mariam Yehya Ibrahim Ishag und ihr Ehemann haben Berufung eingelegt und können offenbar nur darauf hoffen, dass eine höhere Instanz Milde walten lässt. Das sudanesische Außenministerium ließ die vage Hoffnung auf eine Freilassung der jungen Mutter jedenfalls platzen. Es teilte mit, die Regierung werde sich nicht in Angelegenheiten der unabhängigen Justiz einmischen.

Religiöse Verfolgung im Sudan an der Tagesordnung

Dass sich der Sudan die Religionsfreiheit als Grundrecht 2005 in seine Übergangsverfassung geschrieben hat, scheint keine Rolle zu spielen. Das US-Außenministerium listet das Land schon seit 1999 als  „country of particular concern” in Sachen Religionsfreiheit, die staatliche US-Religionsbehörde USCIRF spricht von „systematischen, anhaltendenden und ungeheuerlichen Verletzungen der Religions- und Glaubensfreiheit“ im Sudan . Im aktuellen „Weltverfolgungsindex“  der Nichtregierungsorganisation „Open Doors“ landet der Sudan auf Platz 11 von 50 Ländern, in denen Christen wegen ihres Glaubens am Stärksten verfolgt werden.

Und doch kennt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International keinen Fall, in dem ein sudanesisches Gericht wegen Apostasie die Todesstrafe verhängt hätte. Ist der Prozess gegen Mariam Yehya Ibrahim Ishag also ein – wenn auch besonders schreckliches – Einzelschicksal? Nein, meinen fünf NGOs, die gerade eben Beschwerde gegen den Sudan bei der African Commission on Human und Peoples´ Rights (ACHPR) eingelegt haben. Sie argumentieren: „Der Fall ist nur die Spitze des Eisberges.“

Gesetze gegen Apostasie in jedem zehnten Land der Welt

Dieser Eindruck bestärkt sich, wenn man die Situation der freien Glaubensausübung in anderen Ländern in den Blick nimmt. Laut einer Studie des renommierten Pew Research Center sieht jeder zehnte Staat der Erde Apostasie als Straftat an. Doch Gläubige werden nicht immer direkt vom Staat unterdrückt und diskriminiert, viel häufiger beleidigen, verletzen, benachteiligen Einzeltäter. Nicht selten geschieht dies allerdings unter Duldung der staatlichen Autoritäten.

Generell scheint es um die Religionsfreiheit in den vergangenen Jahren eher schlecht bestellt zu sein. Mehrere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Angriffe auf die Religionsfreiheit weltweit immer mehr zunehmen. Das zeigt: Das Menschenrecht der Religionsfreiheit ist keineswegs gesichert.

Von den Verfolgungen betroffen sind vor allem Christen – auch wenn es viele andere religiöse Minderheiten gibt, die ihren Glauben nicht offen leben können, zum Beispiel Buddhisten in Tibet, Aleviten in der Türkei oder Bahai im Iran. Doch die Gewalt gegen Christen ist am brutalsten und die Zahl der Verfolgten am höchsten. Das Hilfswerk Open Doors schätzt, dass weltweit rund 100 Millionen Christen weltweit verfolgt oder diskriminiert werden. 

Einsatz für Religionsfreiheit weltweit nötig!

Der Einsatz gegen eine Bestrafung der Sudanesin Mariam Yehya Ibrahim Ishag ist vor diesem Hintergrund wichtig und richtig, aber nicht genug! Wir dürfen das Schicksal Einzelner und aller religiös Verfolgten nicht vergessen, müssen es konsequent in Erinnerung halten und den Betroffenen eine Stimme verleihen. Jede Verbesserung bei der freien Glaubensausübung von Christen dient auch der Religionsfreiheit anderer religiöser Minderheiten.

Neue Erkenntnisse der „Religious Freedom and Business Foundation“ legen sogar einen Zusammenhang zwischen der ökonomischen Situation eines Landes und den religiösen Freiheiten nahe. Der Einsatz für Religionsfreiheit weltweit kann also ein echter Beitrag zur Entwicklung eines Landes sein!

Wenn Sie aktiv die Familie der jungen Frau unterstützen oder sich für die Freilassung Mariams stark machen möchten, können Sie das auf Facebook oder mit Hilfe der Kampagne von Amnesty International