Die Wirtschafts- und Finanzkrise beschreibt Norbert Röttgen als “umfassende Systemkrise”. Deregulierung und Wachstum durch Verschuldung sind Ursachen dieser Krise. Für ihn steht fest, dass mit der sozialen Marktwirtschaft als europäische Idee die Krise überwunden werden kann.
In den aktuellen Krisentagen wird oft ohne weitere Erklärung auf die Chance für eine wirtschaftspolitische Neubestimmung verwiesen. Zu Recht wie ich meine, doch dabei reicht es nicht aus, sowohl die Krise als auch die Chance einfach nur zu behaupten. Man sollte schon konkret darlegen können, woraus beide erwachsen und was wir tun müssen, damit wir am Ende eine Renaissance der sozialen Marktwirtschaft erleben.
Dr. Inge Gräßle MdEP, Parl. Geschäftsführerin der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament
Die Europäische Kommission hat eine Reform der europäischen Finanzaufsicht vorgeschlagen. Die Struktur der Finanzdienstleistungsausschüsse soll verändert werden, neue Aufsichtsbehörden geschaffen werden.
Die Europaabgeordnete Inge Gräßle (EVP-ED -- CDU/CSU) unterstützt die Vorschläge: Die Idee, 27 nationale Behörden durch eine europäische abzulösen, findet sie gut, sagt sie in ihrem Videostatement. Sie erwartet spannende Diskussionen in den kommenden Monaten.
Blogschau: Ein Wirtschaftsjournalist der angesehenen New York Times schildert sehr direkt und sehr ehrlich, wie er trotz eines stattlichen Einkommens von 120.000 US-Dollar pro Jahr vor einem riesigen Schuldenberg aus Immobilienkrediten und Kreditkartenabrechnungen sitzt, den er und seine Freundin wohl nicht so schnell abbezahlen können.
Die amerikanische Subprime-Krise wird hier anschaulich aus der Sicht eines Betroffenen erklärt, den (nicht nur) die Liebe blind gemacht hat. Die Ernüchterung kommt, als der Geldautomat nichts mehr ausspuckt.
Josef Pröll, Finanzminister und Bundesparteiobmann der Österreichischen Volkspartei
Der österreichische Finanzminister Josef Pröll hat die osteuropäischen Nachbarn der Alpenrepublik im Visier, denn die Banken seines Landes sind mit 200 Milliarden Euro in Osteuropa dabei.
Wir profitieren von Osteuropa, und Osteuropa profitiert von uns. Eine gute Kombination, wenn man sich das so überlegt, oder wie wir neudeutsch sagen würden: eine „Win-Win-Situation”. Was passiert aber, wenn jetzt Osteuropa aufgrund der Finanzkrise nicht mehr profitiert?
PD Dr. Heribert Dieter, Stiftung Wissenschaft und Politik und University of Warwick
Die lange gepflegte Annahme, Finanzmärkte würden sich selbst regulieren, habe sich als teurer Irrtum erwiesen, sagt Heribert Dieter. Mit Blick auf den G-20-Gipfel in London sieht er sieht in den USA nur wenig Bereitschaft zur Stärkung der internationalen Kooperation in der Finanzpolitik. Denn: Mangelnde internationale Kooperation stehe bislang nicht im Mittelpunkt der Krisenanalyse in den USA.
Am Donnerstag dieser Woche treffen die Staats- und Regierungschefs der G-20 in London zusammen, um eine Reform der internationalen Finanzarchitektur zu erörtern und um koordinierte Maßnahmen zur Bekämpfung der Weltwirtschaftskrise zu beschließen. Die Erwartungen an den Londoner Gipfel sind hoch: Im Vorfeld wurde von der Entwicklung einer neuen internationalen Finanzarchitektur gesprochen. Vor allem zwei Fragen sind offen. Zum einen ist unklar, inwieweit wichtige Akteure bereit wären, eine Beschränkung ihrer Souveränität zu akzeptieren. Zum anderen ist unklar, ob die Formulierung globaler Standards in der Finanzmarktaufsicht und -regulierung überhaupt sinnvoll sind.
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